News aus dem Thurgau

Der Kurpastor

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23.03.2021
In Zermatt gibt es das einzige reformierte Kurpastorat der Schweiz. Der ehemalige Pfarrer von Wangen, Erich Huber, ist einer dieser Pastoren. Seit mehr als 20 Jahren feiert er mit den Gästen des mondänen Ferienortes Gottesdienste.

¬ęIch kenne jede Hundeh√ľtte im Dorf¬Ľ, witzelt Erich Huber. Seit 1999 f√§hrt der ehemalige Pfarrer von Wangen SO jedes Jahr nach Zermatt, fr√ľher im Sommer und Winter, heute nur noch in der kalten Jahreszeit. Der 71-J√§hrige ist ein leidenschaftlicher Skifahrer, der √ľber die unz√§hligen Pisten von Zermatt brettert. Als geb√ľrtiger Bayer sei ihm dies in die Wiege gelegt worden, erkl√§rt er. Er r√§umt jedoch ein, dass er jetzt im Alter vorsichtiger fahre.

Wenn Erich Huber nicht auf den Ski steht, amtet er als Kurpastor. Bis zu drei Wochen im Jahr betreut er w√§hrend seiner Ferien die reformierten G√§ste im ¬ęstockkatholischen¬Ľ Zermatt. Huber meint dies nicht despektierlich, er sch√§tzt den offenen Geist des katholischen Kollegen. Die Gottesdienste finden im Theosaal des katholischen Gemeindezentrums statt. Der reformierte Pfarrer ist nicht der Einzige, der die G√§ste betreut. Die Anglikanische Kirche fliegt jeweils in der Hauptsaison einen Geistlichen aus England ein.

Einmaliger Dienst in der Schweiz
S√§mtliche Protestanten in Zermatt sind zugezogen. Trotzdem leistet sich der Walliser Ferienort als einzige Kirchgemeinde in der Schweiz ein Kurpastorat. Dazu sucht sie Pfarrerinnen und Pfarrer aus der ganzen Schweiz, die w√§hrend einer oder mehrerer Wochen den Gottesdienst und die Seelsorge √ľbernehmen. Als Gegenleistung steht ihnen eine verg√ľnstigte Pfarrwohnung im mond√§nen Skiort zur Verf√ľgung.

Zermatt geh√∂rt zur reformierten Kirchgemeinde Visp, die weit unten im Tal liegt. F√ľr den dortigen Gemeindepfarrer Tillmann Luther ist die Zugfahrt hinauf nach Zermatt zu weit. Fr√ľher hielt Erich Huber im Sommer jeweils zwei Gottesdienste ab, um 9 Uhr auf Deutsch, um 10 Uhr auf Franz√∂sisch. Gerade in den Sommermonaten stammen viele G√§ste aus der Romandie. Huber machte dies gerne, es sei f√ľr ihn eine Herausforderung gewesen, denn die Liturgie der welschen Kirche sei anders, f√∂rmlicher und erkennbarer.

Im Sommer kamen manchmal 20 bis 30 Besucher. Im Winter sind es weniger, da zieht es die Leute auf die Pisten. Nicht so an den hohen kirchlichen Feiertagen. Erich Huber feierte schon einen Gottesdienst mit lediglich einer Touristin aus Genf. Sie habe dies so richtig genossen, erklärte sie Huber am Ausgang.

Taufe auf 2600 Metern
Im Laufe der Jahre lernte Erich Huber etliche der Touristen und Einheimischen kennen, auf der Piste, den Wanderwegen, in der Gondel, im Dorf und im Gottesdienst. Der Pfarrer schw√§rmt von einer Taufe in einer Kapelle auf 2600 Metern √ľber Meer. √úber Monate stand er mit der Familie aus Lausanne f√ľr die Vorbereitungen im Kontakt. Dann taufte Huber die Kleine an einem strahlenden Tag in der herrlichen Bergkulisse, umgeben von all den schneebedeckten Viertausendern.

Gut erinnern kann sich Erich Huber an einen Gottesdienst auf Franz√∂sisch, in dem √ľberraschend drei welsche Pfarrkollegen sassen. Mit H√§nden und F√ľssen predigte Huber auf Franz√∂sisch. Als er die Lieder anstimmen sollte, klang es kl√§glich. Solidarisch unterst√ľtzten die Romands ihren Oltner Kollegen und stimmten lauthals ein.

Und die Seelsorge? ¬ęJa, die gab es auch. Weniger im Winter, da sind die Touristen auf der Piste.¬Ľ Doch im Sommer k√∂nnten die sch√∂nste Natur und das traumhafteste Panorama nach drei Tagen die Probleme nicht mehr √ľberstrahlen. Manchmal werde es auf den Wanderwegen sehr einsam, erkl√§rt Erich Huber. Gerade nach einer Scheidung. Da sei man froh, wenn man auf einen Pfarrer oder eine Pfarrerin trifft, der einen auch in den Ferien betreut.

Tilmann Zuber, kirchenbote-online

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