News aus dem Thurgau

Die Kirchen solidarisieren sich mit den Klimastreikenden

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15.05.2019
Zwischen Klimastreikenden und Kirchen findet ein Schulterschluss statt. Im Basler Münster feierten Kirchenratspräsident Lukas Kundert und Kirchenbundspräsident Gottfried Locher mit Jugendlichen einen Gottesdienst für die Schöpfung. Schüler und Pfarrer erwarten, dass die Politik endlich handelt.

Am vorletzten Dienstag war der Schweizer Overshoot Day. Doch kaum jemand nahm Notiz davon, dass die Schweiz an diesem 6. Mai alle ihre Energieressourcen aufgebraucht hatte, die ihr rechnerisch fĂŒr ein ganzes Jahr zustehen. Nicht so die Basler Kirchen. Gemeinsam mit den klimastreikenden SchĂŒlerinnen und SchĂŒlern riefen sie zum Gebet fĂŒr die Erhaltung der Schöpfung auf.

Grosses Interesse an ökumenischer Feier
Mehr als hundert Personen kamen zur ökumenischen Feier in den Chor des Basler MĂŒnsters. Am Gottesdienst nahmen Gottfried Locher, PrĂ€sident des Schweizerischen Evangelischen Kirchenbundes, sowie zwei Initianten des Klimastreiks, Simeon Schneider und Benjamin Rytz, teil.

«Die Kirchen unterstĂŒtzen mit dem Gebet den Protest der SchĂŒler, die von der Politik eine bessere Klimapolitik verlangen», erklĂ€rten MĂŒnsterpfarrer Lukas Kundert und Stefan Kemmler, Pfarrer der katholischen Kirche St. Anton. Dann wurden die beiden Geistlichen deutlich: «Wir fordern von der Politik, dass sie handelt und die versprochenen Ziele einhĂ€lt. Wir wollen, dass ihnen unsere Erde mit all dem faszinierenden Leben nicht egal ist.»

Aufforderung, die Glocken zu lÀuten
Das ökumenische Gebet geht auf eine Anfrage der Jugendlichen zurĂŒck. Die klimastreikenden SchĂŒlerinnen und SchĂŒler baten die Kirchen, am Earth Overshoot Day die Glocken zu lĂ€uten. Dies sei nur zusammen mit einem Gebet möglich, so die Antwort. Schnell einigten sich die Jugendlichen und die Pfarrer darauf, gemeinsam einen Gottesdienst fĂŒr die Schöpfung zu feiern, zu dem die Glocken lĂ€uten.

Klimaschutz ist Gottes Gebot
Benjamin Rytz und Simeon Schneider bezogen sich bei ihrem Protest auf die Bibel. Die Schöpfungsgeschichte stehe am Anfang der Bibel, weil sie so wichtig sei, sagten die beiden. «GemĂ€ss der Genesis sollten die Menschen ĂŒber alle Geschöpfe herrschen, als Gottes treuhĂ€nderische Haushalter, nicht als deren Besitzer.» Die Art, wie die Menschen heute mit der Welt und der Natur umgingen, sei nicht Gottes Plan. Der verantwortungsvolle Umgang mit der Erde sei mehr als eine ethische Forderung. «Er ist Gottes Gebot an uns.»

KirchenbundsprĂ€sident Gottfried Locher dankte «als Ü-30er den U-30ern» fĂŒr ihren Klimaprotest. Auch vor 30 Jahren gingen die Kirchen an der ersten EuropĂ€ischen Ökumenischen Versammlung in Basel fĂŒr Gerechtigkeit, Friede und Bewahrung der Schöpfung auf die Strasse. Doch dann sei man Ă€lter und Dinge wie Karriere, Geld und Familie wichtiger geworden, das Engagement fĂŒr die soziale Gerechtigkeit und die Umwelt sei in den Hintergrund getreten, so Locher.

«Lasst nicht locker»
Locher gab der Klimabewegung drei Tipps auf den Weg: «Bitte gebt den Ü-30ern nicht zu viel Platz im Klimastreik, macht, was ihr spĂŒrt, treibt uns an und lasst nicht locker.» Und den Ü-30ern legte Locher ans Herz, hinzuhören, wenn die Jungen etwas sagen. Es lohne sich, denn die Jungen hĂ€tten die Probleme erkannt. «Beim Klima ist ein zweiter Wandel nötig», so Gottfried Locher, «und zwar in unseren Köpfen. Wir mĂŒssen unser Verhalten und unsere Einstellung Ă€ndern.»

Tilmann Zuber, kirchenbote-online, 15. Mai 2019

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