News aus dem Thurgau

Initiative schiesst über Ziel hinaus

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27.10.2020
Pfarrer Harald Ratheiser antwortet auf die Frage, ob Moral und Ethik schlecht fürs Geschäft seien.

Die Konzernverantwortungsinitiative (KVI) habe ich unterschrieben. Klar m├╝ssen kleine Handwerksbetriebe und m├Ąchtige Weltkonzerne, staatliche und gemeinn├╝tzige Institutionen die Menschrechte einhalten. Wer sie missachtet, soll daf├╝r geradestehen. Aber ist damit auch gleich der Automatismus ┬źMenschenrechte nicht einhalten = kein Segen┬╗ oder gar der Umkehrschluss ┬źMenschenrechte einhalten = Segen┬╗ gegeben? Ich bezweifle, dass die Welt so simpel funktioniert, auch wenn ich mir w├╝nschte, dass die Gleichung stimmt. Es liegt nicht an uns zu bestimmen, wo Segen zu sein hat.

Ich werde die KVI ablehnen. Leider hat es das Parlament verpasst, der Initiative die radikalen Spitzen zu nehmen. Dass Unternehmen Sorgfaltspflichten einhalten m├╝ssen, ist richtig. Dass sie f├╝r ┬źkontrollierte Unternehmen┬╗ (zum Beispiel Tochterfirmen) haften, ist sinnvoll. Dass sich die Haftung aber ┬źauf s├Ąmtliche Gesch├Ąftsbereiche┬╗ beziehen soll, auf unter Umst├Ąnden Hunderte von Zulieferfirmen, schiesst ├╝ber das wertvolle Ziel hinaus. Diese Aufsicht ├╝ber Zulieferfirmen ist selbst bei bester Absicht kaum machbar. Auch die Beweislastumkehr ist h├Âchst problematisch: Wie sollen Unternehmen beweisen k├Ânnen, dass sie ┬źalle Sorgfalt┬╗ angewendet haben?

Was heisst ┬źalle Sorgfalt┬╗? Wann besteht Rechtssicherheit, alles getan zu haben? Schwer ertr├Ąglich ist die kirchliche Stimmungsmache, das undifferenzierte ┬źKonzernbashing┬╗. Die Kirchensteuern solcher juristischer Personen nehmen wir im Thurgau gerne, im Gottesdienst aber wird mit der ungenauen Schrotflinte gegen sie geschossen.

 

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