News aus dem Thurgau

International, integral, mit Potenzial

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26.06.2016
Komm rüber! Der Aufruf wurde gehört. Viele kamen rüber – entweder nach Kreuzlingen oder nach Konstanz. Die Grenze von Ländern und Denominationen wurde überwunden.

Kommentar von Roman Salzmann

Der 17. Internationale Bodensee Kirchentag machte seinem Namen alle Ehre: Der grenz√ľberschreitende Austragungsort er√∂ffnete neue, im wahrsten Sinne des Wortes internationale M√∂glichkeiten. Das wurde beispielsweise auf dem Markt der M√∂glichkeiten in Konstanz deutlich, der mitten im gesch√§ftigen Samstagsverkauf auf den Glauben oder auf kirchliche Angebote im weitetesten Sinn aufmerksam machte. Er war eine gute Gelegenheit, die Kirche und die frohe Botschaft des Glaubens vielf√§ltig in den Alltag hinauszutragen.

Und doch: Schlenderte man durch Konstanz und Kreuzlingen, wusste man dann doch nicht so genau, was mehr Gewicht bekam in den K√∂pfen der Menschen: Der Fussball oder der Glaube? Selbst wenn der Kirchentag selber ein Public Viewing anbot, wurde einmal mehr deutlich, dass sich christliche Verantwortungstr√§ger enorm engagieren m√ľssen, damit sie im Kampf um Aufmerksamkeit nicht verloren gehen. K√∂nig Fussball hatte Konstanz und Kreuzlingen angesichts der Viertelfinalspiele der Fussball-Europameisterschaft rein √§usserlich viel mehr im Griff als die Christen.

Doch der Kirchentag, haupts√§chlich von Laien organisiert, hat seine Wirkung nicht verfehlt: Er setzte ein Zeichen in der Kirchenlandschaft. Man muss zusammenspannen und in der √Ėffentlichkeit, ja in allen Gesellschaftsbereichen, etwas bewirken wollen. Die rund 150 Angebote zeugten davon, dass der christliche Glaube lebt und dass unterschiedlichste Bewegungen bereit sind, miteinander in der Vielfalt die Einheit zu suchen. Der Kirchentag wirkt damit integrierend, ist ein integraler Bestandteil in der Kirchenlandschaft.

Indes: Der Kirchentag zeugte ebenso von der schwierigen Verständigung unter den Kirchen, Glaubensgemeinschaften und christlichen Organisationen: Der ökumenische Anlass war selbst in vielen Institutionen der eigenen Reihen komplett unbekannt. Der Dialog muss weiter gestärkt werden. Und man muss sich klar werden, was im Zentrum der Botschaft steht: Vielfalt ja, aber Profilierung auch!

Die Profilierung von Kirchen oder christlichen Anl√§ssen wird denn auch in Zukunft immer wichtiger werden. Der Bodensee Kirchentag war Ausdruck der grossen Vielfalt ‚Äď und dass man gemeinsam in der Gesellschaft, in Wirtschaft und Politik etwas bewegen will. Das ist gut, zeigt auf der anderen Seite aber auch, dass Christen Gefahr laufen sich zu verzetteln. Die Folge: Die Wirkung verpufft. Symptomatisch daf√ľr war der internationale Aspekt des Kirchentags. Denn wer von einem Anlass zum anderen ‚Äď also etwa von Konstanz nach Kreuzlingen gelangen wollte ‚Äď war ganz sch√∂n gefordert, einerseits wegen der Distanz, andererseits auch wegen mangelnder Ortskenntnisse.

Deshalb k√∂nnte man sich vielleicht f√ľr einen n√§chsten Kirchentag auch √ľberlegen, ob weniger nicht mehr w√§re: Dann w√§ren m√∂glicherweise die tollen Workshops oder erg√§nzenden Jugend- und Kinderprogramme besser besucht ‚Äď weil sie einfacher zu bewerben, einfacher einzuordnen und einfacher zu finden sind. Zum Teil war es f√ľr die Verantwortlichen einzelner Veranstaltungen schlicht und ergreifend ern√ľchternd, wie wenig sie beachtet wurden. Vielleicht w√§re es ein Ansatz, das n√§chste Mal einen Kirchentag r√§umlich eng begrenzt und mit einigen Akzenten gegen aussen konzentriert sichtbar zu machen ‚Äď f√ľr engagierte Christen und interessierte Passanten genauso wie f√ľr die Medien.

Fazit: Der Kirchentag war international und motivierte einen Teil der Christen aller Bodenseel√§nder. Er wirkte integrierend und integral, wird aber von vielen noch viel zu wenig als st√§rkendes Element wahrgenommen ‚Äď sowohl innerhalb der christlichen Denominationen, als auch in der √Ėffentlichkeit. Damit wird deutlich: Der Bodensee Kirchentag und damit auch die Kirchen haben noch viel Potenzial.

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