News aus dem Thurgau

Messias statt Messi

von Roman Salzmann
min
27.05.2024
Folgenschwerer Ausflug von Thurgauer Pfarrpersonen ins Bündnerland, denn der fussballverrückte Trimmiser Pfarrer Josias Burger packte die Gelegenheit am Schopf: Er motivierte den Hüttwiler Pfarrer Richard Ladner, der früher in Arosa wirkte, dass es zu einem interkantonalen Pfarrer-Match kam.

Lesen Sie hier mehr zum Hintergrund der Begegnung - und mit diesem Link kommen Sie gleich zum Matchbericht.

Die Begegnung der «Pastors United» aus GraubĂŒnden und der «Thurgovia Saints» findet am Sonntagabend, 2. Juni 2024, um 16 Uhr auf dem Sportplatz in Roggwil statt. Gespielt wird um den Peter-Wydler-Cup: Als ehemaliger Thurgauer SynodalratsprĂ€sident und heutiger Kirchenratsaktuar von GraubĂŒnden liess er sich als Pokal-Sponsor gewinnen. Ein Blick hinter die Kulissen und die BeweggrĂŒnde gewĂ€hrten die «Thurgovia Saints» bereits anlĂ€sslich einer Trainingseinheit.

Gemeinschaft stÀrken

Richard Ladner freut sich vor allem darauf, dass sein Team Spass am Fussball haben wird und dass das Spiel die Gemeinschaft der Pfarrer stĂ€rkt. Er erzĂ€hlt zudem, dass nicht alles Pfarrpersonen sein mĂŒssen, die mitspielen. Mitmachen dĂŒrfen auch deren Familienmitglieder. «Deshalb sind auch meine Söhne und der Sohn von Martin Epting im Team. Damit sind auch Auswechslungen möglich.» Mehr noch, denn sein jĂŒngster Sohn Benedikt (19) habe ein eigenes Kleiderlabel kreiert: «Darum bat ich ihn, ein patriotisch-christliches Design fĂŒr unsere Trikots zu entwerfen.» Heraus kam ein typisches Thurgauer Sujet mit Wappen auf der Brust, dem Schriftzug «Thurgovia Saints» auf dem RĂŒcken einem GĂŒggel auf dem linken Arm und einem Christusmonogramm (☧) auf dem rechten Arm.

«Bald-Profi» in den Startlöchern

Dass Martin Eptings Sohn Noah dabei ist, darf den Thurgauern besonders Mut machen: Er spielt nĂ€mlich bei der U21-Mannschaft des FC St.Gallen mit, und sein erklĂ€rtes Ziel ist es, Profifussballer zu werden. Epting ist Pfarrer in der Kirchgemeinde Thunbachtal, ist aber gebĂŒrtiger Basler und wurde «schon frĂŒh mit dem FCB-Virus infiziert». Er erinnere sich noch gut an erfolgreiche und weniger erfolgreiche FCB-Jahre und viele Spiele zurĂŒck. Leider sei es ihm heute nicht mehr so oft möglich, live dabei zu sein. Als er nach Thundorf gekommen sei, habe er das GlĂŒck gehabt, dass ein befreundetes Mitglied aus der Kirche ebenfalls FCB-Fan war. Es mache ihm noch heute viel Spass, jeden Mittwoch zum Trainieren oder fĂŒr ein Spiel mit seinen «Old Boys» des FC WĂ€ngi zusammenzukommen. WĂ€hrend seiner Studienzeit in den USA habe er sogar zwei Saisons eine Juniorenmannschaft trainieren dĂŒrfen.

Vom Spielfeld in die Kirche

Und offenbar fĂ€llt der Apfel nicht weit vom Stamm. Doch Epting gibt sich realistisch: «Fussballerisch ist Noah mir natĂŒrlich ĂŒberlegen. Aber es ist schon so, dass ich ihm diesen Sport nĂ€hergebracht habe.» Noah Epting hofft, in einem weiteren Schritt in die ersten Mannschaft des FC St.Gallen spielen zu können. Ausserdem trĂ€umt der KantischĂŒler kurz vor der Matura von einem Auslandaufenthalt: Er bekam in Romanshorn die Gelegenheit, als ambitionierter Nachwuchssportler Schule und Fussball unter einen Hut zu bringen. Aber auch in der Kirche spielt er gerne vorne mit – als Mitglied einer Band, die ab und zu den Gottesdienst musikalisch bereichert.

Das Ziel: der Siegespreis

Vater und Sohn Epting spĂŒrt man an, dass es ihnen wichtig ist, Parallelen vom Fussball zur Kirche zu ziehen: Martin Epting hat deshalb frĂŒher auch schon Gottesdienste im Zelt des lokalen GrĂŒmpelturniers organisiert. Den Fussballstar Lionel Messi nimmt er gerne zum Anlass, einen Vergleich anzustellen: «Wir haben als Christen zwar keinen Messi, wohl aber einen Messias, den wir in unserem Leben wissen und dem wir auch nacheifern dĂŒrfen.» Ausserdem sei es auch fĂŒr Menschen in der Kirche wichtig, dass sie vom Fussball als Mannschaftssport lernen. Er vergleicht zudem das Ziel, das Spiel zu gewinnen, gerne mit dem dritten Kapitel des Philipperbriefs. Dort schreibe Paulus ebenso von einem Ziel, nĂ€mlich dem Siegespreis, das Leben in Gottes Herrlichkeit zu gewinnen. Ob es den «Thurgoiva Saints» zum Sieg gegen die BĂŒndner reichen wird, steht auf einem anderen Blatt – und auf alle FĂ€lle nach dem 2. Juni auf der Internetseite des Kirchenboten.

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