News aus dem Thurgau
Innovative Kirche

Möglichkeiten am Schopf ergreifen

von Cornelia Brunner-Scherrer
min
05.02.2026
Wenn am Bahnhöfli Löhningen die Blache draussen hängt und die Tür geöffnet ist, lädt der Pfarrer Lukas Huber zum Gespräch ein. Denn: Seit den Sommerferien 2025 werden die Bevölkerung von Löhningen und die an der viel befahrenen Hauptstrasse Vorbeifahrenden dazu aufgefordert, den Pfarrer bei der Arbeit zu stören.

Die Idee ist alt: Schon seit 2014 arbeitet der Pfarrer im Sommer manchmal vor dem Schulhaus Guntmadingen. Initiant von «Pfarrer an der Arbeit. Bitte stören!» ist der Pfarrer der Evangelisch-reformierten Kirchgemeinde Löhningen-Guntmadingen im Kanton Schaffhausen, Lukas Huber. Die Idee für den Werbespruch hatte ein Journalistenfreund aus Basel.

Lukas Huber, wie ist das Projekt entstanden?

Meine Familie und ich wohnen im Pfarrhaus Löhningen; hier sind wir präsent, hier kaufen wir ein. Zur Kirchgemeinde gehört auch Guntmadingen, das Dorf auf der anderen Talseite. Um dort präsent zu sein, fing ich vor elf Jahren an, in der warmen Jahreszeit am Freitagnachmittag vor dem Schulhaus zu arbeiten – mit einem riesigen Plakat, das die Leute dazu aufrief, mich beim Arbeiten zu stören. Nachdem das Lädeli im Bahnhöfli Löhningen zuging, adaptierte ich die Idee und arbeitete ab und zu dort – bis es im Herbst zu kalt wurde.

Was haben Sie mit dem Projekt schon erreicht?

Ich habe viele Leute kennengelernt und manche Beziehung vertieft. Die Türe zum Bahnhöfli steht offen, wenn ich dort bin, da ist die Hemmschwelle niedriger, kurz hereinzuschauen und guten Tag zu sagen. Für echte Seelsorge ist der Ort nicht geeignet – solche Gespräche will man hinter geschlossenen Türen führen. Spannend ist, wie die Leute, die an der Bushaltestelle aussteigen und neben dem Bahnhöfli nach Hause gehen, mich nach zehn Mal anders grüssten als beim ersten Mal. Im Frühling werde ich wieder dort anzutreffen sein.

Was können andere Kirchgemeinden von Ihrem Projekt lernen?

Ich habe schon viele gute Ideen anderer Kirchgemeinden gesehen und gedacht: Das würde ich auch tun, wenn ich die Voraussetzungen dazu hätte. Für vieles fehlt immer die Infrastruktur, aber die Möglichkeiten am Schopf ergreifen, die sich einem bieten – das ist doch schon einmal etwas, oder? 

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