News aus dem Thurgau

Ohren spitzen für Gott

von Manuela Olgiati
min
31.10.2026
Florian Aeberhardt und Christina Schefer wurden in Frauenfeld zu Pfarrpersonen ordiniert. Für einmal stand weniger das Reden, sondern vielmehr das Hören im Zentrum.

Bereits die musikalische Gestaltung durch Kirchenmusiker Christoph Lowis und der Gesang von Salome Nägeli verliehen dem Gottesdienst einen besonderen Rahmen. Unter dem Leitgedanken «Hören lernen: Verschiedene Wege – ein Ruf» setzten sich die beiden Ordinanden in ihrer persönlichen Predigt mit der Frage auseinander, was es bedeutet, Gottes Wort wirklich zu hören.

Sich ansprechen lassen

Die 57-jährige Christina Schefer tat dies im Dialog mit ihrer Tochter Ria Perger. Hören, so wurde deutlich, bedeutet mehr als das Aufnehmen von Worten. Es heisst, aufmerksam zu werden, innezuhalten und sich von Gottes Wort ansprechen zu lassen. Dieses kann manchmal leise und unscheinbar sein, manchmal überraschend und herausfordernd. Dass die Wege zu einer Berufung unterschiedlich sein können, zeigte Florian Aeberhardt.

Die Geschichte von Samuel und Eli wurde dabei zum eindrücklichen Bild: Der junge Samuel hört Gottes Ruf, kann ihn zunächst aber nicht einordnen. Der erfahrene Eli hilft ihm, das Gehörte zu verstehen. «Sprich, dein Diener hört» steht damit auch für das gegenseitige Lernen von Jung und Alt und dafür, gemeinsam Gottes Stimme wahrzunehmen. Kirchenrat Pfarrer Paul Wellauer erzählte von eigenen Erfahrungen, bei denen sich ein Ruf auf unerwartete Weise bemerkbar machte, etwa durch eine Begegnung im Alltag.

Berufung geschehe nicht immer spektakulär. Entscheidend sei, aufmerksam zu sein und das Hören zu lernen. Für den kirchlichen Dienst komme diesem Hören besondere Bedeutung zu. Wer Menschen begleite, ihnen zuhöre und sie in unterschiedlichen Lebenssituationen unterstütze, brauche selbst ein offenes Ohr. Im Anschluss nahm Paul Wellauer die Ordination von Florian Aeberhardt und Christina Schefer im Beisein der Vikariatsleiter Pfarrer Samuel Kienast und Pfarrer Emanuel Memminger vor. 

Zwei unterschiedliche Wege

Florian Aeberhardt hatte als Vikar in der Evangelischen Kirchgemeinde Frauenfeld praktische Erfahrungen in verschiedenen Bereichen der Gemeindearbeit gesammelt. Seit September 2026 ist der 26-Jährige als Assistent und Doktorand am Lehrstuhl für Neues Testament an der Universität Zürich tätig.

Christina Schefer hatte sich ihrerseits für den Quereinstieg ins Pfarramt entschieden und an der Universität Zürich Theologie studiert. Ihr einjähriges Vikariat absolvierte sie in der Kirchgemeinde Affeltrangen-Braunau- Märwil. Nun freut sie sich auf die praktische Erfahrung im Rahmen einer Stelle im Kanton St. Gallen.

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