Papst Leo XIV. gegen die Kriegslogik und für den Dialog
Im Petersdom sprach der Papst von einer Welt aus dem Gleichgewicht, von Machtdemonstrationen, Kriegslogik und Selbstvergötterung. Wahre Stärke, so Leo, zeige sich nicht in Drohungen, sondern im Dienst am Leben. Und dann dieser Satz: Selbst der Name Gottes werde für «Todesreden» missbraucht. Viele hörten darin eine direkte Botschaft an Washington – an einen Präsidenten, der betende Geistliche für Fototermine ins Weisse Haus lud und gegenüber anderen Staaten mit der Auslöschung von Zivilisationen drohte.
Donald Trump liess nicht lange auf eine Antwort warten. Auf seiner Plattform «Truth Social» forderte er den Papst auf, «ein guter Papst zu sein» – und sich aus der Politik herauszuhalten. Der Vorwurf: Nähe zur politischen Linken. Seitdem nimmt der Konflikt zwischen dem Weissen Haus und dem Heiligen Stuhl kein Ende.
Papst nimmt seinen Auftrag ernst
Stephan Jütte, Medienbeauftragter der Evangelisch-reformierten Kirche der Schweiz, verfolgt den Schlagabtausch mit Interesse. Für ihn ist Leos Verhalten keine politische Einmischung, sondern ein geistlicher Auftrag. «Wer als Kirchenvertreter zu Krieg, Gewalt, Menschenwürde und Frieden spricht, äussert sich nicht einfach parteiisch, sondern moralisch und theologisch», sagt der Theologe. Kirchen dürften und sollten sich dort zu Wort melden, wo das Leben von Menschen bedroht ist und wo politische Macht ethische Grenzen überschreitet.
Wo politische Macht sich religiös überhöht, wird eine Grenze überschritten.
Genau da liegt für Jütte der entscheidende Unterschied – und genau den verwischt Trump mit seiner Kritik. Wenn der Papst die Botschaft des Evangeliums mit der Hoffnung auf Frieden, dem Schutz von Menschenleben und dem Ruf zum Dialog verbindet, dann nimmt er einen genuin geistlichen Auftrag wahr.
Und wo politische Macht religiöse Symbole für sich vereinnahmt, ist für Jütte eine weitere Grenze überschritten. Donald Trump publizierte auf «Truth Social» ein künstlich generiertes Bild von sich, dass ihn als allmächtige Figur zeigt, die Menschen heilt. Das Bild – als Christus-figur inszeniert – bezeichnete Jütte als «mindestens hoch problematisch». Christliche Symbole, die mit Erlösung und Messianität verbunden seien, eigneten sich nicht zur politischen Selbstdarstellung. «Wo politische Macht sich religiös überhöht, wird eine Grenze überschritten.»
Ich glaube, jemand muss aufstehen und sagen, dass es einen besseren Weg gibt.
Leo XIV. lässt sich nicht beirren
Der Papst zeigte sich unbeeindruckt. Auf dem Flug nach Algerien sagte er, er fürchte weder die Trump-Regierung noch das offene Aussprechen der Botschaft des Evangeliums. Er sei kein Politiker und wolle sich nicht auf eine Debatte mit Trump einlassen. Er spreche «vom Evangelium» – und werde weiterhin gegen Krieg Stellung beziehen und den Dialog zwischen den Staaten fördern, betonte Leo XIV. Zu viele Menschen müssen heute leiden, zu viele Unschuldigen würden getötet. «Ich glaube, jemand muss aufstehen und sagen, dass es einen besseren Weg gibt.»
Innerhalb der US-Kirche kam Rückendeckung: Vertreter der Bischofskonferenz zeigten sich irritiert über Trumps Ton. Der Papst sei kein politischer Gegner, sondern spreche aus moralischer Autorität. Jütte sieht darin auch eine Chance. In Zeiten der Polarisierung könne eine solche Stimme tatsächlich brückenbauend wirken – gerade, weil sie keine Partei ergreife, sondern eine ethische Linie zieht.
Auf die Frage, warum reformierte Kirchen und der Weltkirchenrat sich zu Konflikten wie dem Krieg im Nahen Osten vergleichsweise zurückhalten, antwortet Stephan Jütte ehrlich: Das Thema sei theologisch, politisch und historisch «ausserordentlich belastet». Gerade im jüdisch-christlichen Dialog bestehe die Herausforderung darin, klar gegen Gewalt Stellung zu beziehen, ohne die Komplexität moralisch zu vereinfachen.
Papst Leo XIV. gegen die Kriegslogik und für den Dialog