News aus dem Thurgau

Post vom Christkind, Himmelspforte 1, 9405 Wienacht

von Andrea Kobler, Journalistin, Marbach
min
02.12.2023
Rund 500 Briefe pro Jahr beantwortet Robert Zellweger, das «Christkind» aus Wienacht AR. Eine Weihnachtsgeschichte, eine Weihnachtsbriefmarke und ein schöner Stempel ergänzen die persönliche Antwort.

Jetzt f├╝llt sich der Briefkasten von Robert Zellweger an der ┬źHimmelspforte 1 in 9405 Wienacht┬╗ wieder mit Briefen mit der Anschrift ┬źChristkind, Wienacht┬╗. Die Briefe stammen aus Tschechien, Belgien, England, Frankreich, Deutschland, dem asiatischen Raum, der Schweiz und Amerika. Erst k├╝rzlich traf erstmals ein Brief aus Thailand ein. Aus der Schweiz schreiben vor allem Kinder. Meist mit beigelegtem Wunschzettel. Der erste Brief traf im M├Ąrz bei Robert Zellweger ein. Ein Kind schrieb, dass es w├Ąhrend des ganzen Jahres sehr artig gewesen sei. Das ┬źChristkind┬╗ schrieb zur├╝ck, dass es bis Oktober verreist sei und danach antworten werde. Jetzt ist es zur├╝ck und hat eine wundersch├Âne Weihnachtsgeschichte in Englisch und Deutsch mitgebracht. In der von Angelika Pfeifer illustrierten Erz├Ąhlung kommen immer die Namen von Robert Zellwegers Familie vor. Die diesj├Ąhrige Weihnachtsgeschichte handelt von einem Knaben, dessen gr├Âsstes Weihnachtsgeschenk es ist, dass seine Mutter gesund aus dem Spital nach Hause zur├╝ckkehren kann.

Unterst├╝tzung von Ehefrau Maria

Robert Zellweger versucht, in seiner Botschaft die Magie des Festes in den Vordergrund zu stellen, ohne dabei belehrend zu wirken, und jeden Brief individuell zu beantworten. Nicht immer ist dies einfach. Zum Beispiel, wenn der Absender fehlt. Bei Briefen in asiatischen oder kyrillischen Schriften schneidet er den Absender aus und klebt ihn ins Adressfeld.

Junge Menschen schreiben oft, dass sie sich von ihrem Vater unter Druck gesetzt fühlen, erfolgreich zu sein.

So hofft er, dass sein Brief sein Ziel findet. Erh├Ąlt er nachdenkliche oder traurige Briefe, unterh├Ąlt sich Robert Zellweger gerne mit seiner Ehefrau Maria dar├╝ber, um die Botschaft verarbeiten zu k├Ânnen. Viele Briefe, die ihn nachdenklich stimmen, erreichen ihn aus dem asiatischen Raum. ┬źJunge Menschen schreiben oft, dass sie sich von ihrem Vater unter Druck gesetzt f├╝hlen, erfolgreich zu sein┬╗, erz├Ąhlt er. Einmal habe ihm eine Frau genau beschrieben, wie ihr zuk├╝nftiger Mann aussehen und sein m├╝sse. ┬źOffensichtlich hat sie den richtigen Mann noch nicht gefunden und musste dies einfach mal loswerden┬╗, vermutet Robert Zellweger. Bei diesem Brief sei er froh gewesen, dass er keinen Absender enthielt: ┬źEine Antwort w├Ąre mir schwergefallen.┬╗

Schwierig seien Antworten auch in der Coronazeit gewesen, als sich die Menschen ein Pandemieende w├╝nschten, und auch jetzt, wo viele in der Schweiz lebende ukrainische Kinder schreiben, dass sie ein Kriegsende herbeisehnen. Vielfach sp├╝re man in den Briefen auch die Sehnsucht nach einem Wunder oder einer magischen Weihnachtszeit.

Dankesbriefe freuen ihn besonders

Der Pension├Ąr, der das Amt vor vier Jahren von seinem Vorg├Ąnger ├╝bernommen hat, verbringt in den Wochen vor Weihnachten zwei bis drei Stunden am Tag mit dem Beantworten der Weihnachtsbriefe: ┬źDiese Arbeit gef├Ąllt mir.┬╗ Sch├Ân findet er, wenn er bei Kindern den Glauben an das Christkind aufrechterhalten kann. Eine besinnliche Weihnachtsgeschichte, von Hand geschriebene Briefe, sch├Âne Briefmarken und ein sch├Âner Stempel: ┬źDas ist auch das, was mir pers├Ânlich an der Weihnachtszeit gef├Ąllt.┬╗ Gerne erinnert sich Robert Zellweger auch an Weihnachten in seiner Jugendzeit: ┬źDie Vorfreude, am Nachmittag nicht mehr ins Wohnzimmer zu d├╝rfen, zu staunen beim Anblick des Christbaums, die Geschenke anzusehen.┬╗ Als junger Erwachsener sei es ihm dann eine Freude gewesen, dabei zu sein, wenn der Christbaum geschm├╝ckt wurde. Heute geniesst er es, Weihnachten im Kreise der┬áFamilie zu feiern. ┬źBesonders sch├Ân ist es, wenn ich nach Weihnachten einen Dankesbrief f├╝r einen in Erf├╝llung gegangen Wunsch erhalte┬╗, freut sich das ┬źChristkind┬╗ an Weihnachten bereits auf die n├Ąchsten Briefe.

 

Unsere Empfehlungen

«Wir dürfen diese Szenen auf keinen Fall verharmlosen»

«Wir dürfen diese Szenen auf keinen Fall verharmlosen»

Sekten üben seit jeher eine faszinierende Anziehungskraft auf Menschen aus, doch leider werden diese oft manipuliert und ausgebeutet. Und die Anzahl der Sekten und ähnlicher Gruppierungen nimmt weltweit stetig zu. Darüber spricht der Sektenexperte Georg Otto Schmid in Cham.
«Wenn’s Fasnacht wird»

«Wenn’s Fasnacht wird»

Jahrhundertelang trennte die Fasnacht Katholiken und Reformierte. Dies ist nicht länger so. Heute feiern selbst die Protestanten Fasnachtsgottesdienste. Der Besuch lohnt sich, wie der Selbstversuch eines Zürchers in der Basler Elisabethenkirche zeigt.
Eine Bank für die Liebe

Eine Bank für die Liebe

Am 14. Februar, dem Valentinstag, schenkt man den Geliebten Blumen, Süssigkeiten oder kleine Geschenke. Der Brauch, der aus den USA stammt, verbreitete sich nach dem Zweiten Weltkrieg in Europa. Ein Vorschlag für einen etwas anderen Valentinstag.