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Kirche

«Immer wieder etwas Aufregendes»

25.03.2019
Was motiviert Menschen, die mit beiden Füssen im Leben stehen, sich in Theologie hineinzuknien? Was eine Kauffrau, eine Hausfrau, eine Grafikerin und ein Naturheilpraktiker umtreibt, und was Ostern damit zu tun hat.

Mirjam Hug, Mutter von zwei Teenagern und Mitarbeiterin in der kirchlichen Jugendarbeit, sagt unumwunden: «Vor etwa vier Jahren hatten wir zwei sehr schwere Jahre, und ich merkte: Ich muss einfach noch etwas anderes machen! Ich arbeite gerne mit Kindern. Ihnen den Glauben weiterzugeben, erfüllt mich mit Freude. » Im Rahmen ihrer Ausbildung zur Religionslehrerin absolviert sie deshalb den evangelischen Theologiekurs im Thurgau. Aber das ist nicht die Hauptmotivation der Hausfrau und Aktuarin der Kirchenvorsteherschaft Bichelsee- Balterswil: «Theologie ist extrem vielfältig, und es erschliesst sich mir immer wieder etwas Neues und Aufregendes.»

Facettenreich, brückenbauend

«Noch nie habe ich eine so facettenreiche Ausbildung erlebt», doppelt Ines Gut nach: «Seit 45 Jahren stehe ich im Leben. Nun schliesst sich allmählich der Kreis für mich. Hauptbestandteil dieses Kurses ist die Auslegung der Bibel. Meine Fragen zum Leben werden beantwortet, indem ich lerne, Gottes Plan zu verstehen. Weiter werde ich zum Nachdenken angeregt: Dieser Kurs baut Brücken zu anderen Religionen.» Die Grafikerin und Mutter zweier Teenager-Töchter aus der Evangelischen Kirchgemeinde Scherzingen-Bottighofen reiht sich damit exemplarisch in die lange Reihe vieler Menschen, die ihr Wissen und ihre Glaubenserfahrungen bewusst mit anderen teilen möchten. Auf den Kursteil über Ethikfragen freut sie sich besonders, denn: «Es ist heute ganz wichtig, bei ethischen Diskussionen fundiert argumentieren zu können.» Evelyn Knupp freut sich deshalb auch auf die Module über den Heiligen Geist oder über andere Religionen.

Selbst für Atheisten

Knupp ist Mutter einer kleinen Tochter, Kauffrau und Präsidentin der Kirchenvorsteherschaft Wigoltingen-Raperswilen. Sie bildet sich ebenfalls zur Religionslehrerin weiter, interessiert sich für spannende Themen rund um das Christentum und ist fasziniert, was entsteht, wenn Menschen regelmässig zusammenkommen und von der Bibel lernen. Zusammen mit Evelyn Knupp geht deshalb Mirjam Hug sogar soweit, «dass ich jedem Menschen diesen Theologiekurs empfehlen kann – selbst Menschen, die nicht an Gott glauben.»

Lebensnah und glaubhaft sein

Kirchenpräsident ist auch Martin Buser aus Sirnach. Der Naturheilpraktiker bildet sich zum Laienprediger weiter und will im Kurs lernen, lebensnah zu predigen und theologisch glaubhaft zu sein. Es liege in seinem ganz persönlichen Interesse, «im Glauben mein theologisches Fundament zu erweitern und mit Hintergrundwissen als Kirchenpräsident einen guten Dialog mit Pfarrpersonen zu führen». Er findet es sinnvoll, dass «auch Behördenmitglieder ihre weltlichen Beschlüsse mit einer Glaubensbasis verbinden, die theologisch gut abgestützt ist». Praktisch findet er es, dass er nicht alle Module am Stück besuchen muss. Er schätze es, dass menschliche Spannungsfelder aufgezeigt und der Bezug zum Heute hergestellt wird, ohne dass vorgeschrieben werde «wie oder was ich glauben sollte».

«Pures Leben»

Mirjam Hug bringt eine ihrer wichtigen Erkenntnisse so auf den Punkt: «Im Rahmen des Theologiekurses ist mir ganz tief bewusst worden, welch grosses Opfer Jesus für uns gebracht hat und dass wir ihm niemals genug dafür danken können.» Evelyn Knupp ist überzeugt, dass die Welt «mit Jesus einen unfassbar grossartigen Schatz bekommen hat, der in allen Lebenslagen begleiten kann. Pures Leben!» Gelebter Glaube bedeute für sie «jeden Tag Ostern», bezeugt Ines Gut: «Ich sehe Ostern in der heutigen Zeit als grosses Geschenk: Es ist rund um den Erdball ein Ritual, Jesus als Retter bewusst zu feiern.»

Start nächstes Theologie-Kursjahr nach Ostern: www.evang-tg.ch/theologiekurs

(Roman Salzmann, 25. März 2019)

 


Von Jürg Hartmann erfasst am 28.11 2019 21:42

Zum Thema "Glaubensvorstellungen"

Fragen an Buddha Fragen an Allah Fragen an Gott Fragen an Manitou Fragen an Mohammed Fragen an das Göttliche im Menschen Wenn ich mir vorstelle, das Göttliche würde mir gegenübersitzen, was wäre dann? So setze ich mich hin und bitte das Göttliche, mir gegenüber Platz zu nehmen. Die Stühle sind bequem, sehr geeignet, ganz hier zu sein. Ganz. Da sitzen wir zwei, schweigsam, nachdenklich aber ganz da. Mich sieht man gut, mich erkennt man gut, das Göttliche aber lässt weder Worte noch Bilder zu, denn in Worte und Bilder gefasst ist das Göttliche nicht mehr göttlich sondern menschlich. Für unsere Kinder sind die Bilder wichtig und notwendig, für erwachsene Menschen bezweifle ich das ernsthaft. Die Antworten aber, die kann ich hören, vielleicht auch wahrnehmen, das reicht, muss reichen. Und so komme ich zu meiner ersten Frage: «Ich weiss, ich könnte Dich jetzt fragen, warum Du all das Schreckliche, Böse und Teuflische auf dieser Welt zulässt, die Kriege, die Gewalt, Vernichtung und Tod. Doch genau diese Frage stelle ich jetzt nicht. Ich versuch’s also andersherum. Ich frage Dich und nur Dich: Wie kommt es denn, dass wir Dich immer wieder fragen, was ich fragen könnte wie oben erwähnt. Wie also kommt das?» Das Göttliche ist irgendwo im Raum, meine ich, seine Stimme aber kann ich klar und deutlich hören, das ist die Hauptsache, und damit höre ich auch seine Antwort. ES sagt: «Deine Frage ist gut, lieber Mensch, ich denke nach. Kannst Du Dir vorstellen, welcher Art meine Gedanken hier sind?» Ich bin überrascht. Da stelle ich ihm eine meiner ganz wichtigen Fragen und nun soll ich mir vorstellen, was ES meint, was ES denkt. Komisch, ungewohnt, ich weiss nicht recht und bin verwirrt. So antworte ich: «Du siehst, Deine Antwort macht mich wirr, die Worte in meinem Kopf fliegen kreuz und quer und suchen nach einer Ordnung. Das will nun heissen, ich denke nach, ich denke laut nach, dann kannst Du meine Gedanken gleich mithören. Also: Deine Antwort wirkt, ich beginne zu suchen, suche jedoch bei mir und in mir. So weit bin ich im Moment.» Das Göttliche antwortet sofort: «Ganz genau, Du hast es erkannt denn Du suchst bei Dir. Du suchst nicht in den Wolken, hinter denen Du mich vermutest, Du suchst nicht beim Papst, meinem angeblichen Stellvertreter auf Erden, Du suchst nicht aussen, sondern innen, das ist der Punkt!» Damit bin ich wieder allein im Raum, allein mit meinen Fragen, ganz auf mich zurückgeworfen, auf mich gestellt. Vielleicht ist das der Punkt, vielleicht ist das die Antwort des Göttlichen an mich: «Geh auf die Suche, immer wieder, und suche in Dir, mit Dir und natürlich auch zusammen mit anderen Menschen. Doch bleib auf der Suche, immer.»

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