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Gesellschaft

Geld, Gott, Glück und Gier

«Geld macht glücklich. Mehr ist immer besser.» Diese Devise prägt weite Teile der westlichen Welt. Doch es gibt je länger desto mehr warnende Stimmen. Das Erstaunliche daran: Die Überlegungen gründen auf 2000 Jahre alten, immer noch gültigen biblischen Weisheiten. Sie prägten auch den Erweckungsprediger John Wesley und verschiedene Buchautoren.

Es seien «zwei grosse Lügen» der westlichen Welt, das Geld glücklich mache und mehr davon immer besser sei. Diese Auffassung vertritt Thomas Giudici, ehemaliger Sanierungsbeauftragter und Finanzchef des Kantons Basel Stadt, Berater und Buchautor: «Geld allein macht nicht unglücklich. Aber es besteht eine grosse Gefahr, dass wir im Umgang mit Geld unglücklich werden.» Er greift in einem seinem Bücher die These auf, die auch das diesjährige Forum christlicher Führungskräfte beschäftigte: Menschen fühlen sich in der leistungsorientierten Gesellschaft wie der berühmte und bedauernswerte Hamster im Laufrad – immer schneller und unfähig, ausbrechen zu können. «Wir dienen dem Geld, statt dass es uns dient», so Giudici. Die marktwirtschaftliche Gewinnmaximierung führe zu einer inneren Unfreiheit.

Nicht Gott und dem Geld dienen
Diese Gedanken sind nicht neu. Denn sie hängen eng mit einem «biblischen Klassiker» aus Matthäus 6,24 zusammen: «Niemand kann zwei Herren dienen. Ihr könnt nicht gleichzeitig Gott und dem Geld dienen.» Der Schweizerische Evangelische Kirchenbund (SEK) schreibt in seinem Dossier «Spitzenlöhne: Freiheit oder Provokation?», das er anlässlich der Volksabstimmung «Gegen die Abzockerei» erstellte, dass die Gier von Einzelnen zwar ein Problem sei. Aber die Ursache liege tiefer. Es müsse an den Rahmenbedingungen des Wirtschaftens angesetzt werden. Dazu gehören laut SEK internationale Abmachungen, die das Finanzsystem als öffentliches Gut schützen und entwickeln, internationale Steuergerechtigkeit oder Nachhaltigkeitskriterien. Der SEK erinnert daran, dass eine solche Wirtschaftsordnung dem Gedankengut der Reformatoren entspreche, die auf ihre Weise bereits Wirtschaftsethiker gewesen seien. Sie hätten etwa «den Wucher bekämpft und Regeln dafür aufgestellt, dass die Wirtschaft auch den Schwächeren in der Gesellschaft angemessene Lebensbedingungen gewährt».

Vom Besitzer zum Verwalter
Jürg Opprecht, Bürger aus Birwinken sowie Initiant und Ehrenpräsident des Schweizer Forums christlicher Führungskräfte, will deshalb sein Geld im umfassenderen Sinn fruchtbringend investieren und betont: «Eigentlich bin ich von meinem ganzen Vermögen nur der Verwalter.» Es sei ein längerer Prozess gewesen, bis er zu dieser Erkenntnis gelangt sei, berichtet der erfolgreiche Besitzer des Fünfsterne-Hotels Lenkerhof und Gründer der Stiftung Business Professionals Network zur Wirtschaftsförderung in Entwicklungs- und Schwellenländern: «Ich wollte von dem Gefühl des Besitzens frei werden. Denn letztlich ist Besitz nicht unsere Sicherheit per se. Meine Sicherheit ist nicht mein Bankkonto, sondern Gott. Er ist der Besitzer von allem, was ich habe.» Trotzdem ist er überzeugt, dass Reichtum an sich nichts Schlechtes ist und dass man ihn auch geniessen darf.

Wesley: Wohlstand als Schwäche
Opprecht hält sich zudem an den englischen Erweckungsprediger und Vater der Methodisten, John Wesley, der die These aufstellte, dass den christlichen Tugenden wie Fleiss, Treue, Disziplin, Genügsamkeit und Sparsamkeit eigentlich automatisch Wohlstand folgen müsste. Doch Wesley berücksichtigte in seiner These die grosse menschliche Schwäche: Wenn der Wohlstand einmal da ist, macht sich der Mensch oft von Gott unabhängig und strebt nicht mehr danach, diese Tugenden zu leben. Opprecht hat diesen Aspekt in seinen «Sieben Schritten auf dem Weg zur Kingdom Company» aufgegriffen, die er im Buch «Jesus auf der Chefetage» zusammengefasst hat. Dort zitiert er Wesleys Überzeugung zusammenfassend in drei einprägsamen, kurzen Sätzen: «Erwirb, so viel du kannst. Spare, so viel du kannst. Gib, so viel du kannst.»

 

(24. Mai 2018, Text: Roman Salzmann)

 

Thomas Giudici, «Anstössiges zu Geld und Glück», Finanzethik-
Verlag, ISBN 978-3-9523783-0-4; Thomas Giudici/
Wolfgang Simson, «Der Preis des Geldes – Wege zur finanziellen
Freiheit» Brendow Verlag, ISBN 3-86506-053-6


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