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Gesellschaft

Näher bei den Menschen

16.08.2018
Vor 25 Jahren leitete Pfarrer Walter von Arburg aus Bürglen die Redaktionskommission des Kirchenboten. Heute freut er sich mächtig über die Entwicklung des «Pöttli».

Die Beerdigungen werden immer zahlreicher. Aber der bald 85-jährige Pfarrer Walter von Arburg hält schon seit Jahren keine Abdankungen mehr. Es sind die Bekannten und langjährigen Weggefährten, die einer nach dem anderen sterben, und von denen er Abschied nehmen muss. Auf diesem Hintergrund werden die Kontakte zu den Lebenden noch wichtiger. Pfarrer von Arburg pflegt diese Kontakte, wann immer er kann. Er besucht Gesunde und Kranke und lebt damit die Diakonie, die ihm noch immer ein grosses Anliegen ist.

Füreinander da sein
Die Jahre von 1970 bis 1998 seien denn auch die wichtigsten in seinem Leben gewesen, sagt Pfarrer von Arburg. Damals war er Vorsteher des Schweizerischen Diakonenhauses in Greifensee. Der Thurgauer Kirchenrat hatte ihn in den Kanton Zürich entsandt. «Die Aufgabe in Greifensee hat mich schon weitergebracht, auch in der theologischen Auffassung. Man muss bereit sein, Fragen zu stellen, sich für den Menschen zu interessieren und füreinander da zu sein.» Die Diakonie war auch die Triebfeder für sein Engagement beim Kirchenboten. Vor 25 Jahren war er Präsident der Redaktionskommission. «Ich wollte, dass die Diakonie und die Menschen spürbarer werden. Damals erschienen im Kirchenboten noch viele theologische Abhandlungen, was ja auch nicht schlecht war», sagt Pfarrer von Arburg. «Aber diese Abhandlungen passten nicht mehr in jene Zeit. Ich wollte den Wandel weg von den Abhandlungen hin zu den Menschen vorbereiten.» Und, ist der Wandel gelungen? «Das müssen Sie andere fragen», sagt Pfarrer von Arburg. «Die Redaktionskommission war einfach eine kleine Gemeinschaft, die versuchte, miteinander vorwärts zu kommen. Aber ich gehe schon davon aus, dass die Texte bei den Menschen gut angekommen sind.» Heute ist Walter von Arburg als ältester noch lebender ehemaliger Präsident der Redaktionskommission sehr zufrieden mit dem Kirchenboten. «Er ist näher bei den Menschen, und das gefällt mir. Der Kirchenbote hat in den vergangenen Jahren eine wirklich erfreuliche Entwicklung durchgemacht.»

Das Pendeln hielt fit
Aus seiner Zeit beim Kirchenboten hat Pfarrer von Arburg keine prägenden Erinnerungen. Ausser, dass diese Jahre sehr arbeitsreich waren. 1990 war er mit seiner Ehefrau Vreni, mit der er seit 55 Jahren verheiratet ist und vier Kinder grossgezogen hat, nach Bürglen umgezogen. Das hiess, dass er zwischen Greifensee und Bürglen und innerhalb des Thurgaus pendeln musste. Dieser Zustand dauerte bis 1998, bis zu seiner Pensionierung. Geschadet hat die Pendlerei dem rüstigen Senior aber sicher nicht. Seine bald 85 Jahre würde man ihm jedenfalls nicht geben.

In Jerusalem Hebräisch gelernt
Walter von Arburg war schon über 20, als er in Zürich mit dem Studium der Theologie begann. Weitere Stationen waren die Universitäten in Bonn und Heidelberg. Während seiner Zeit als Lernvikar in Münchwilen- Eschlikon 1959/60 erhielt Walter von Arburg ein Stipendiat für den Besuch eines Religionsseminars an der Universität in Jerusalem – mit dem Resultat, dass er fliessend Hebräisch spricht. Im Dezember 1960 wurde er ordiniert. Von 1961 bis 1965 wirkte er als Pfarrer in Alterswilen, von 1965 bis 1970 war er Pfarrer in Weinfelden. In Weinfelden erinnern sich heute noch viele Leute an Pfarrer von Arburg. «Kürzlich sprach mich eine Frau auf offener Strasse an. Sie sagte, ich hätte sie konfirmiert. Ich konnte mich natürlich nicht mehr erinnern, aber gefreut hat mich die Begegnung doch sehr.»


(16. August 2018, Esther Simon)


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