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Kirche, Leben & Glauben

Christliches Selbstbewusstsein und interreligiöses Miteinander

In den Begegnungen hier auf Sabah ist mir aufgefallen, dass die Christen weit davon entfernt sind, sich als religiöse Minderheit ängstlich zurückzuziehen und den Kopf in den Sand zu stecken. Im Gegenteil: Sie treten in vielen Fragen selbstbewusst auf und wissen auch ihre Rechte zu verteidigen.

Grosse Schilder kennzeichnen Kirchen und christliche Einrichtungen. Christen tragen ein Kreuz um den Hals und christliche Symbole auf dem T-Shirt. Und wo immer möglich nutzen sie ihren Spielraum und die Freiheit, die ihnen die Verfassung zusichert.

Ein gutes Beispiel dazu habe ich im druckfrischen Buch «Possibilities oft he impossible» vom langjährigen Leiter der Theologischen Schule in Kota Kinabalu (STS) Ref Thu En Yu gefunden. Er beschreibt wie 1988 die Regierung ein Gesetz erliess welches den Gebrauch des Wortes «Allah» einzig den Muslimen erlaubte. Nun benutzen aber auch alle Bibeln, christliche Bücher und christliche Lieder im Malayischen seit je das Wort «Allah» für Gott. Dies sollte also für Christen per sofort illegal sein und damit war auch die malayische Bibel verboten.

Die Kirchen zeigten sich aber von dem Gesetzt nicht beeindruckt, sondern erliessen ein gemeinsames Statement, in dem sie festhielten, dass ihnen die Verfassung Religionsfreiheit zugestehe und sie sich darum nicht an das neue Gesetzt halten werden und weiter ihre Bibeln benutzen. Bis heute haben sie daran festgehalten, obwohl verschiedentlich versucht, wurde das Verbot durchzusetzen.

Gleichzeitig pflegen die Kirchen aber auch ganz bewusst ihre Beziehungen zu den islamischen Autoritäten und zur Regierung. Dass sie darin ganz erfolgreich sind, zeigt die Tatsache, dass der Staat von Sabah in den letzten 10 Jahren sagenhafte 10 Millionen Ringits (gut 2 Millionen Schweizer Franken) an die Bauprojekte der Theologischen Schule bezahlt hat, rund 40 Prozent der benötigten Gelder!

Rev Thu En Yu schreibt in seinem Buch zur Beziehung zu den Muslimen und Andersgläubigen: «In Malaysia teilen alle Bürger gewisse gemeinsame Werte, ... eine gemeinsame Geschichte und dieselbe Kultur. Diese Gemeinsamkeit macht es möglich, dass die Menschen mit verschiedenen Identitäten in Harmonie zusammenleben.
Politisch haben die Christen vieles mit den Moslems gemeinsam: Sie sind ja schliesslich alle Malayen. Trotz der ethnischen und religiösen Unterschiede können sie sich gegenseitig respektieren und als Malayen unterstützen. ... Gemeinsame Werte und Grundlagen sind ein Potential, welches uns ermöglicht, uns miteinander zu identifizieren und Gemeinschaft zu leben. ... Damit wir miteinander auskommen, müssen wir die verbindenden Werte wie Gerechtigkeit, Recht und Freiheit über die ethnischen Interessen stellen. ... Dieses Miteinander wird aber nur gelingen, wenn wir unsere eigene Identität kennen und ihr treu bleiben.» (aus: Possibilities of the impossible, Rev Thu En Yu, Kota Kinabalu 2018, S.103-104 – frei übersetzt)

(Samuel Kienast-Bayer, Sandakan, 13. November 2018)


Von Jürg Hartmann erfasst am 28.11 2019 21:42

Zum Thema "Glaubensvorstellungen"

Fragen an Buddha Fragen an Allah Fragen an Gott Fragen an Manitou Fragen an Mohammed Fragen an das Göttliche im Menschen Wenn ich mir vorstelle, das Göttliche würde mir gegenübersitzen, was wäre dann? So setze ich mich hin und bitte das Göttliche, mir gegenüber Platz zu nehmen. Die Stühle sind bequem, sehr geeignet, ganz hier zu sein. Ganz. Da sitzen wir zwei, schweigsam, nachdenklich aber ganz da. Mich sieht man gut, mich erkennt man gut, das Göttliche aber lässt weder Worte noch Bilder zu, denn in Worte und Bilder gefasst ist das Göttliche nicht mehr göttlich sondern menschlich. Für unsere Kinder sind die Bilder wichtig und notwendig, für erwachsene Menschen bezweifle ich das ernsthaft. Die Antworten aber, die kann ich hören, vielleicht auch wahrnehmen, das reicht, muss reichen. Und so komme ich zu meiner ersten Frage: «Ich weiss, ich könnte Dich jetzt fragen, warum Du all das Schreckliche, Böse und Teuflische auf dieser Welt zulässt, die Kriege, die Gewalt, Vernichtung und Tod. Doch genau diese Frage stelle ich jetzt nicht. Ich versuch’s also andersherum. Ich frage Dich und nur Dich: Wie kommt es denn, dass wir Dich immer wieder fragen, was ich fragen könnte wie oben erwähnt. Wie also kommt das?» Das Göttliche ist irgendwo im Raum, meine ich, seine Stimme aber kann ich klar und deutlich hören, das ist die Hauptsache, und damit höre ich auch seine Antwort. ES sagt: «Deine Frage ist gut, lieber Mensch, ich denke nach. Kannst Du Dir vorstellen, welcher Art meine Gedanken hier sind?» Ich bin überrascht. Da stelle ich ihm eine meiner ganz wichtigen Fragen und nun soll ich mir vorstellen, was ES meint, was ES denkt. Komisch, ungewohnt, ich weiss nicht recht und bin verwirrt. So antworte ich: «Du siehst, Deine Antwort macht mich wirr, die Worte in meinem Kopf fliegen kreuz und quer und suchen nach einer Ordnung. Das will nun heissen, ich denke nach, ich denke laut nach, dann kannst Du meine Gedanken gleich mithören. Also: Deine Antwort wirkt, ich beginne zu suchen, suche jedoch bei mir und in mir. So weit bin ich im Moment.» Das Göttliche antwortet sofort: «Ganz genau, Du hast es erkannt denn Du suchst bei Dir. Du suchst nicht in den Wolken, hinter denen Du mich vermutest, Du suchst nicht beim Papst, meinem angeblichen Stellvertreter auf Erden, Du suchst nicht aussen, sondern innen, das ist der Punkt!» Damit bin ich wieder allein im Raum, allein mit meinen Fragen, ganz auf mich zurückgeworfen, auf mich gestellt. Vielleicht ist das der Punkt, vielleicht ist das die Antwort des Göttlichen an mich: «Geh auf die Suche, immer wieder, und suche in Dir, mit Dir und natürlich auch zusammen mit anderen Menschen. Doch bleib auf der Suche, immer.»

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