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Kirche, Leben & Glauben

Ein Bubentraum wird wahr

«Nein, weil die Eingeborenen von Borneo an den Heiland glauben, sind sie keine Kopfjäger mehr, sie sind jetzt Christen. Aber sie leben immer noch in Langhäusern auf Pfählen»

Mit diesen Worten beruhigte mich – Pierre Fretz  meine Gotte vor über fünfzig Jahren. Sie lud damals unsere Familie ins Missionshaus in Basel ein. Dort bereitete sie sich auf ihre Ausreise auf die andere Seite der Welt vor. 

Im Meyers Kinder-Weltatlas wurden damals jedoch die dortigen Menschen noch wie oben dargestellt. Und dass sie Affen jagen mit Blasrohren und Giftpfeilen. Ich war stolz darauf, eine solche Gotte zu haben und träumte davon, auch einmal in diese faszinierend fremde Welt eintauchen zu können.

Während damals in der neu aufkommenden Fernsehwerbung „Claire“ bekümmerte Hausfrauen die geplagten Finger im Abwaschmittel „Palmolive“ gesund baden liessen, hatten Mitte des letzten Jahrhunderts die Rungus und weitere Urwaldvölker ganz andere Probleme. 

Im Fünfminutentakt wurden ihre abgeholzten Urwaldriesen auch zu uns transportiert und in den neu angelegten Palmöl-Plantagen konnten sie nicht mehr als Urwald-Nomaden leben. Ins Hinterland abgedrängt, drohten ihnen Mangelernährung, Hunger und Verelendung. 

Fünf ihrer Häuptlinge waren um die Zukunft ihrer Jugend so besorgt, dass sie schlussendlich die damalige Basler Mission um Unterstützung baten.

So lebte dann meine Gotte während gut sieben Jahren unter ihnen und führte alleine als Krankenschwester und Hebamme die «Poliklinik» im tropischen Dandun; so ziemlich in der Mitte eines Stammesgebietes etwa so gross wie das Dreieck Bern-Basel-Zürich. Nur erreichbar mit einer etwa zweistündigen Bootsfahrt auf einem Urwaldfluss von der Küste ins Landesinnere.

Der Missionar Jörg Ritz leitete dort und in den vielen umliegenden neu entstandenen einfachen Kirchlein Gottesdienste, Schulungen und klärte in Hunderten von Gesprächen Fragen des neuen Alltags; befreit von der früher allgegenwärtigen Angst vor Geistern und entsprechenden (nicht nur schlechten...) «Tabus». 

Im islamisch selbstbewusst werdenden Malaysia war es dann jedoch eine Frage der Zeit, dass die Arbeit dieser «Ungläubigen» nicht mehr weiter bewilligt wurde. Da der Heilige Geist jedoch weht wie er will, sind diese neu entstandenen Gemeinden nicht untergegangen wie befürchtet.

Im Gegenteil: Es ist für unsere hiesigen Gemeinden beschämend, wie dort im Gegensatz zu uns, diese Gemeinden mehr und mehr an Breite und Tiefe wachsen! 

Aus dem träumenden Buben vor fünfzig Jahren ist mittlerweile ein Kirchenpfleger unter anderem mit dem Ressort Weltweite Kirche geworden. Entsprechend interessiert, hatten meine Frau und ich nun das Vorrecht, in diesen Tagen den seinerzeitigen Wirkungsort meiner Gotte über die erst vor zwei Monaten fertiggestellte Strasse aufsuchen zu dürfen! 

Von ihrem «Wohnhaus» war, weil abgebrannt, nur noch das Fundament zu sehen. Die ehemalige Klinik und das Missionarshaus sind jedoch immer noch bewohnt und in der mittlerweile neu und grösser gebauten Kirche übte bei unserem nicht angekündeten Besuch «zufällig» der Kirchenchor die Lobpreislieder für den kommenden Gottesdienst!

Meine Frau und ich träumen immer noch. Mittlerweile davon, einmal in den kommenden Jahren unseren Kindern und Grosskindern zeigen zu dürfen, was aus dem damals ausgestreuten Samenkorn alles entstanden ist!

Und bis dann pflegen wir die nun neu entstandenen Beziehungen per Mail und Whatsapp...

 

(14. November, Pierre Fretz, Kirchgemeinde Diegten-Eptingen BL)


Von Jürg Hartmann erfasst am 28.11 2019 21:42

Zum Thema "Glaubensvorstellungen"

Fragen an Buddha Fragen an Allah Fragen an Gott Fragen an Manitou Fragen an Mohammed Fragen an das Göttliche im Menschen Wenn ich mir vorstelle, das Göttliche würde mir gegenübersitzen, was wäre dann? So setze ich mich hin und bitte das Göttliche, mir gegenüber Platz zu nehmen. Die Stühle sind bequem, sehr geeignet, ganz hier zu sein. Ganz. Da sitzen wir zwei, schweigsam, nachdenklich aber ganz da. Mich sieht man gut, mich erkennt man gut, das Göttliche aber lässt weder Worte noch Bilder zu, denn in Worte und Bilder gefasst ist das Göttliche nicht mehr göttlich sondern menschlich. Für unsere Kinder sind die Bilder wichtig und notwendig, für erwachsene Menschen bezweifle ich das ernsthaft. Die Antworten aber, die kann ich hören, vielleicht auch wahrnehmen, das reicht, muss reichen. Und so komme ich zu meiner ersten Frage: «Ich weiss, ich könnte Dich jetzt fragen, warum Du all das Schreckliche, Böse und Teuflische auf dieser Welt zulässt, die Kriege, die Gewalt, Vernichtung und Tod. Doch genau diese Frage stelle ich jetzt nicht. Ich versuch’s also andersherum. Ich frage Dich und nur Dich: Wie kommt es denn, dass wir Dich immer wieder fragen, was ich fragen könnte wie oben erwähnt. Wie also kommt das?» Das Göttliche ist irgendwo im Raum, meine ich, seine Stimme aber kann ich klar und deutlich hören, das ist die Hauptsache, und damit höre ich auch seine Antwort. ES sagt: «Deine Frage ist gut, lieber Mensch, ich denke nach. Kannst Du Dir vorstellen, welcher Art meine Gedanken hier sind?» Ich bin überrascht. Da stelle ich ihm eine meiner ganz wichtigen Fragen und nun soll ich mir vorstellen, was ES meint, was ES denkt. Komisch, ungewohnt, ich weiss nicht recht und bin verwirrt. So antworte ich: «Du siehst, Deine Antwort macht mich wirr, die Worte in meinem Kopf fliegen kreuz und quer und suchen nach einer Ordnung. Das will nun heissen, ich denke nach, ich denke laut nach, dann kannst Du meine Gedanken gleich mithören. Also: Deine Antwort wirkt, ich beginne zu suchen, suche jedoch bei mir und in mir. So weit bin ich im Moment.» Das Göttliche antwortet sofort: «Ganz genau, Du hast es erkannt denn Du suchst bei Dir. Du suchst nicht in den Wolken, hinter denen Du mich vermutest, Du suchst nicht beim Papst, meinem angeblichen Stellvertreter auf Erden, Du suchst nicht aussen, sondern innen, das ist der Punkt!» Damit bin ich wieder allein im Raum, allein mit meinen Fragen, ganz auf mich zurückgeworfen, auf mich gestellt. Vielleicht ist das der Punkt, vielleicht ist das die Antwort des Göttlichen an mich: «Geh auf die Suche, immer wieder, und suche in Dir, mit Dir und natürlich auch zusammen mit anderen Menschen. Doch bleib auf der Suche, immer.»

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