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Religionen

Andere Welten begegnen sich

Heimat und Werte vermitteln, Begegnungen ermöglichen, die Integration fördern: Etliche kirchlich, gesellschaftlich und politisch engagierte Thurgauerinnen und Thurgauer laden Flüchtlinge zum gemeinsamen Znacht ein.

Der Nationalfeiertag kann ein weiterer Motivationsfaktor sein, dass die Initiative «Gemeinsam Znacht» auch im Thurgau noch mehr Fuss fasst: Sie will neue Berührungspunkte zwischen der Welt von Flüchtlingen und der Welt der Einheimischen schaffen. Das Solidaritätsnetz beziehungsweise Solinetz ist eine der Förderorganisationen der Aktion und setzt sich in verschiedenen Thurgauer Regionen dafür ein.

Fremde werden Freunde
«Gemeinsam Znacht» möchte das friedliche und respektvolle Miteinander fördern und dabei helfen, eine Willkommenskultur in der Schweiz zu schaffen, schreiben die Verantwortlichen. Immer noch ist eine Einladung zu einem gemeinsamen Znacht für viele Geflüchtete – seien es Einzelpersonen, Paare oder Familien – das erste Mal, dass sie ausserhalb der Sozialämter und Asylorganisationen mit Einheimischen in Kontakt kommen und eine Wohnung oder ein Haus von Schweizern betreten. Für viele Gastgeber erhält die Flüchtlingskrise, die sie täglich in den Medien sehen, durch diesen Besuch ein persönliches Gesicht. «Gemeinsam Znacht» sei die Chance, dass aus Fremden Freunde werden. Ausschliesslich gute Erfahrungen wurden bereits in Amriswil, Arbon, Bischofszell und Frauenfeld gemacht. In Aadorf, Oberwangen und Sirnach sucht eine der Koordinatorinnen, Michèle Liptai, noch Gäste: «Und in Bischofszell suchen wir derzeit noch Gastgebende, weil wir zwei Gäste noch nicht vermitteln konnten.» Die Präsidentin des Solinetz Oberthurgau sieht in dieser Begegnungsaktion eine gute Möglichkeit, gegenseitiges Verständnis zu wecken.

Positive Erfahrungen
Der Bischofszeller Stadtrat und Pfarrerssohn Jorim Schäfer wollte es wissen: Ursprünglich hatte er die Idee, eine Flüchtlingsfamilie zum Weihnachtsessen einzuladen. «Diese Idee kam mir erst ein paar Tage vorher. Deshalb war die Umsetzung zu kurzfristig.» Die Anfrage der Organisation «Gemeinsam Znacht» im Frühjahr kam gerade recht. Die Erfahrungen seien durchaus positiv gewesen, erzählt Schäfer: «Dadurch kamen wir in Kontakt mit Aminis, einer Flüchtlingsfamilie aus Afghanistan, die schon etwa vier Jahre in Bischofszell wohnt. Die Kinder von Aminis sprechen gut bis sehr gut Deutsch beziehungsweise Schweizerdeutsch. Somit konnten sie bei Bedarf übersetzen, wobei Frau und Herr Amini auch Deutsch verstehen und sprechen. So war ein Gespräch sehr gut möglich. Spontan hat uns die afghanische Familie am nächsten Tag zu sich zum Mittagessen eingeladen. Uns schmeckten die afghanischen Spezialitäten und die Kinder spielten friedlich miteinander. Uns allen hat es grossen Spass gemacht.»

Anmeldungen und Infos: www.gemeinsamznacht.ch

(25. Juli 2019, Roman Salzmann/Monika Schlaginhaufen)

«Integration gefördert»

«Miteinander zu essen hat viel mit Integration zu tun», sagt Monika Laib. Sie freut sich besonders, dass ihre Mitarbeiterin, die als Mädchen aus Eritrea geflüchtet war, diesen Sommer ihre Lehre als Floristin abschloss. Monika Laib führt in Amriswil und St.Gallen das Blumengeschäft Ginkgo, wobei es ihr ein Anliegen ist, dass ihr christlicher Glaube im Alltag konkret spürbar ist. Deshalb hat sie Yohana Okbaselasie die Chance gegeben, nach traumatischen Jahren der Flucht nicht nur eine Ausbildung zu absolvieren, sondern auch gesellschaftlichen Anschluss zu finden: «Wir sind ihre Familie, auch wenn sie eine eigene Wohnung hat.» Es ist immer auch wertvoll, miteinander zu essen: «Das ist ein Grundbedürfnis, ja sogar meine ‹Grundlebensphilosophie›, denn Tischgemeinschaft hat viel mit Kommunikation zu tun. Wir können voneinander lernen und Flüchtlingen helfen, sich heimisch zu fühlen.» Besonders bereichernd ist es, wenn Yohana Okbaselasie kocht: «Wir haben im Geschäft eine Küche, und oft essen die Mitarbeitenden gemeinsam. Das hat die Integration gefördert.» (sal)


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