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Religionen

Nicht alle können lachen

Viele Eritreer suchen Zuflucht in der Schweiz. Gerade Christen verweigern oft den Militärdienst und müssen deshalb fliehen. Die Evangelische Landeskirche Thurgau hilft ganz konkret und möchte sensibilisieren.

Stolz präsentiert Yohanes Tesfalase einen gut sieben Kilogramm schweren Käselaib. Seit bald einem Jahr arbeitet der Eritreer in der Käserei Studer in Hatswil. Gekonnt bedient er die Pressmaschine und legt die geformten Käselaibe anschliessend vorsichtig ins Salzbad. Produktionsleiter Marcel Meier ist voll des Lobes: «Er spricht gut Deutsch und ist extrem zuverlässig. Auch wenn er am Morgen um drei Uhr anfangen muss, steht er auf die Minute pünktlich in der Produktionshalle.» Yohanes Tesfalase hat seine Chance gepackt.

Fahrprüfung im Blick
Dass der Christ aus Eritrea in der Käserei arbeiten kann, verdankt er ganz besonders dem Engagement von Ruedi Bertschi. Der Pfarrer war mit der Evangelischen Kirchgemeinde Romanshorn an einer Besichtigung in der Käserei, als er erfuhr, dass ein Hilfsarbeiter gesucht wird. Kurzerhand vermittelte Bertschi den 30-jährigen Eritreer, der regelmässig die Kontaktabende des Solinetz Romanshorn besucht. Dort trifft Yohanes Tesfalase auf andere Flüchtlinge aus seinem Heimatland: «Wir reden viel, spielen gerne Karten oder Billard. Und die Leute von Solinetz unterstützen mich bei komplizierten Briefen und Formularen.» Dank der Hilfe wird Yohanes Tesfalase demnächst sogar die Fahrprüfung machen können. Christen wie er hätten in Eritrea keinen einfachen Stand, sagt Yohanes Tesfalase. Viele von ihnen sträubten sich wegen ihres Glaubens gegen den Militärdienst und müssten deshalb fliehen. Der gebürtige Thurgauer Christian Forster, der als Referent für das christliche Hilfswerk «Open Doors» arbeitet, ergänzt, dass es in Eritrea allgemein sehr gefährlich sei, den christlichen Glauben aktiv zu praktizieren. Besonders gefährlich sei die Situation für Angehörige von Freikirchen. Forster ist überzeugt, dass auch Christinnen und Christen in der Schweiz etwas dagegen unternehmen können: «Einerseits können wir mit gezielten Informationen über die Lage der Christen mithelfen, dass die Situation in Eritrea realitätsgetreu wahrgenommen wird. Andererseits können wir Werke unterstützen, die den betroffenen Christen vor Ort helfen.» Und das Beste sei natürlich, an die bedrängten Glaubensgeschwister zu denken und für sie zu beten.

Engagement bewirken
Die Evangelische Landeskirche Thurgau möchte die schwierige Situation in Eritrea stärker ins Bewusstsein der Thurgauerinnen und Thurgauer rücken. Das sei wichtig, gerade weil so viele Eritreer bei uns Zuflucht suchten, sagt Daniel Aebersold. Er ist Mitglied der Kommission für bedrängte und verfolgte Christen, die den Kirchgemeinden nahelegt, sich in der Passionszeit 2020 mit der Verfolgung in Eritrea zu befassen. Daniel Aebersold hofft, dadurch zusätzliches Interesse und Engagement zu bewirken.


(23. August 2019, Cyrill Rüegger)


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