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Gesellschaft

Warum nicht jünger, grösser, reicher?

Die Reformierte Kirche werde älter, kleiner und ärmer, prognostizieren die Religionssoziologen Jörg Stolz und Edmée Ballif. Die Evangelische Landeskirche Thurgau hält provokativ dagegen.

Während in den reformiert geprägten Kirchen in der Schweiz das Durchschnittsalter der Mitglieder ansteigt, nimmt gleichzeitig die Zahl ihrer Mitglieder ab. Künftig werden den Kirchen weniger finanzielle Mittel zur Verfügung stehen. Blickt die Evangelische Landeskirche im Thurgau angesichts dieser Entwicklung mit Angst in die Zukunft? Muss sie gar befürchten, künftig ihren Einfluss auf Staat, Gesellschaft, Familie und Alleinstehende zu verlieren oder ihre angestammten Aufgaben nicht mehr erfüllen zu können? Kirchenratspräsident Wilfried Bührer meint dazu: «Es könnte doch bei der Kirche sein wie bei den Pflanzen: Diese können durchaus innen erstarken und neues Grün hervorbringen, auch wenn sie an den Rändern Blätter verlieren.» Mitte November wird Bührer an einer Tagung zur gesunden Gemeindeentwicklung in Frauenfeld über die Visionen und Perspektiven für die Evangelische Landeskirche im Thurgau sprechen und über Gemeindebau diskutieren. Der provokative Titel der Veranstaltung: «jünger – reicher – grösser». Es gebe eben auch Entwicklungen in der Kirche, die sie «jünger, reicher und grösser» werden liessen. Die Thurgauer Kirche habe in den vergangenen vier Jahren mit ihrem Prozess, Visionen zu entwickeln, wertvolle Schritte in diese Richtung getan.

Vital ist mehr als lebendig
Ralph Kunz wird in Frauenfeld über die Kennzeichen einer lebendigen Gemeinde referieren. Wie sich eine lebendige Gemeinde entwickeln kann und was er unter einer «gesunden» Gemeinde-Entwicklung versteht, erklärt der Professor für praktische Theologie an der Universität Zürich: «Es ist kein Zufall, dass Paulus mit ‹Leib Christi› eine Körpermetapher für die Kirche gewählt hat. Unser Körper mag lebendig sein, aber das heisst noch lange nicht, dass er vital ist. Wer den Körper trainiert, hat mehr vom Leben. Das gilt auch für Gemeinde – die Körperschaft des Glaubens!»

Schnauf geht nicht aus
Dass der Kirche 2000 Jahre nach dem Entstehen der ersten christlichen Gemeinden der Schnauf ausgeht, davor fürchtet sich auch Pfarrer Paul Wellauer aus Bischofszell nicht. Als Gemeindepfarrer, der auch auf mehrere Jahre Gassenarbeit mit Randständigen in den Sozialwerken von Pfarrer Sieber zurückblicken kann, ist er mit einer Kirche vertraut, die keine Berührungsangst hat und auch mal unkonventionelle Wege geht. Wellauer vertraut auf Gemeindebau von unten: «In unserer Gemeinde werden seit Jahrzehnten die geistlichen Gaben vieler Mitglieder geweckt, gefördert und eingesetzt, so wie es in der Urkirche ganz normal war: Jede und jeder kann einen Beitrag leisten zu einer lebendigen und zukunftsfähigen Kirche. Mündige Gemeindeglieder sind Kopf, Herz und Hände eines vielfältigen und farbigen Gemeindelebens.»


Tagung «jünger – grösser – reicher», Samstag, 16. November 2019, evangelisches Kirchgemeindehaus Frauenfeld. Infos und Anmeldung: www.evang-tg.ch/nc/agenda


(31. Oktober 2019, Brunhilde Bergmann)


Von Jürg Hartmann erfasst am 28.11 2019 21:42

Zum Thema "Glaubensvorstellungen"

Fragen an Buddha Fragen an Allah Fragen an Gott Fragen an Manitou Fragen an Mohammed Fragen an das Göttliche im Menschen Wenn ich mir vorstelle, das Göttliche würde mir gegenübersitzen, was wäre dann? So setze ich mich hin und bitte das Göttliche, mir gegenüber Platz zu nehmen. Die Stühle sind bequem, sehr geeignet, ganz hier zu sein. Ganz. Da sitzen wir zwei, schweigsam, nachdenklich aber ganz da. Mich sieht man gut, mich erkennt man gut, das Göttliche aber lässt weder Worte noch Bilder zu, denn in Worte und Bilder gefasst ist das Göttliche nicht mehr göttlich sondern menschlich. Für unsere Kinder sind die Bilder wichtig und notwendig, für erwachsene Menschen bezweifle ich das ernsthaft. Die Antworten aber, die kann ich hören, vielleicht auch wahrnehmen, das reicht, muss reichen. Und so komme ich zu meiner ersten Frage: «Ich weiss, ich könnte Dich jetzt fragen, warum Du all das Schreckliche, Böse und Teuflische auf dieser Welt zulässt, die Kriege, die Gewalt, Vernichtung und Tod. Doch genau diese Frage stelle ich jetzt nicht. Ich versuch’s also andersherum. Ich frage Dich und nur Dich: Wie kommt es denn, dass wir Dich immer wieder fragen, was ich fragen könnte wie oben erwähnt. Wie also kommt das?» Das Göttliche ist irgendwo im Raum, meine ich, seine Stimme aber kann ich klar und deutlich hören, das ist die Hauptsache, und damit höre ich auch seine Antwort. ES sagt: «Deine Frage ist gut, lieber Mensch, ich denke nach. Kannst Du Dir vorstellen, welcher Art meine Gedanken hier sind?» Ich bin überrascht. Da stelle ich ihm eine meiner ganz wichtigen Fragen und nun soll ich mir vorstellen, was ES meint, was ES denkt. Komisch, ungewohnt, ich weiss nicht recht und bin verwirrt. So antworte ich: «Du siehst, Deine Antwort macht mich wirr, die Worte in meinem Kopf fliegen kreuz und quer und suchen nach einer Ordnung. Das will nun heissen, ich denke nach, ich denke laut nach, dann kannst Du meine Gedanken gleich mithören. Also: Deine Antwort wirkt, ich beginne zu suchen, suche jedoch bei mir und in mir. So weit bin ich im Moment.» Das Göttliche antwortet sofort: «Ganz genau, Du hast es erkannt denn Du suchst bei Dir. Du suchst nicht in den Wolken, hinter denen Du mich vermutest, Du suchst nicht beim Papst, meinem angeblichen Stellvertreter auf Erden, Du suchst nicht aussen, sondern innen, das ist der Punkt!» Damit bin ich wieder allein im Raum, allein mit meinen Fragen, ganz auf mich zurückgeworfen, auf mich gestellt. Vielleicht ist das der Punkt, vielleicht ist das die Antwort des Göttlichen an mich: «Geh auf die Suche, immer wieder, und suche in Dir, mit Dir und natürlich auch zusammen mit anderen Menschen. Doch bleib auf der Suche, immer.»

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