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Gesellschaft

Lügen klar beim Namen nennen

24.03.2020
Ethiker Andreas Näf gibt seine Einschätzung zu «Fake news» ab.

«Aus meiner Sicht gibt es keinen Unterschied zwischen ‹Fake news› – also Lügen – und Halbwahrheiten. Beide sind die Verbreitung bewusst falscher Tatsachen. Sie beide zielen darauf ab, andere Menschen in die Irre zu führen. Fake news und Halbwahrheit sind besonders gemein, weil mit Absicht falsche Tatsachen in die Welt gesetzt werden. Die christliche Ethik verbietet uns die Lüge und auch die Halbwahrheit. Der Kategorische Imperativ des christlichen Philosophen Immanuel Kant darf auch auf den Umgang mit der Wahrheit bezogen werden: Handle nur nach derjenigen Maxime, durch die du zugleich wollen kannst, dass sie ein allgemeines Gesetz werde.

Und trotzdem gibt es den Fall, in der ich als Christ von einer Notlüge Gebrauch machen muss. Werde ich von einem Menschen mit Mordabsicht gefragt, wo er sein ins Visier genommenes Opfer findet, so wiegt der Schutz des Lebens höher als die Wahrheit. In dieser Extremsituation muss ich eine Güterabwägung machen. Eine Notlüge ist dann gerechtfertigt, wenn es dafür uneigennützige, moralische Gründe gibt.

Prinzipiell sollte nicht gelogen werden. Wo aktuell in der Öffentlichkeit die Frage nach Wahrheit und Lüge gestellt wird, ist es von aussen oft schwierig, sich ein Bild zu machen. Wo aber, wie bei Fake news und Halbwahrheit offensichtlich mit Absicht falsche Tatsachen verbreitet werden, ist das Wort Lüge am Platz. Wir sind im Interesse der Wahrheit und des gegenseitigen Vertrauens verpflichtet, Lügen zu benennen und sie nicht zu rechtfertigen oder schönzureden.»

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