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Kultur

Himmel auf dem Boden

29.09.2020
Kirche und Kunst waren über Jahrhunderte eng verknüpft. Diese Verbundenheit hat zwar abgenommen, es gibt aber nach wie vor spannende Berührungspunkte. Das zeigt ein Blick auf Projekte im Thurgau.

«Die künstlerische Arbeit muss mit ihren ihr eigenen Gesetzmässigkeiten partizipieren können. Wenn Spiritualität entsteht, dann aus der ureigenen Qualität des Kunstwerkes», sagt das Künstlerduo «steffenschöni». Heidi Schöni und Karl Steffen haben das Projekt «Göttliche Landschaft» auf der Ottenegg oberhalb Fischingen mit dem Titel «Opaion» installiert. Mit ihrem Eingriff in die Landschaft holen sie gleichsam den Himmel auf den Boden und laden Vorbeigehende ein, sich Gedanken zu machen über die Verbindung von Himmel und Erde.

Fruchtbare Zusammenarbeit
Kunst und Kirche standen über Jahrhunderte in engem Dialog. «Heute haben die Kirchen zugegebenermassen als Auftraggeber für Kunstschaffende nicht mehr die gleiche Wichtigkeit wie früher», sagt Markus Landert, Direktor des Kunstmuseums Thurgau. Aber dennoch komme es immer wieder zu fruchtbaren Zusammenarbeiten, etwa wenn die Innerschweizer Künstlerin Judith Albert die Ausstattung des Altarraums der St. Ursenkathedrale in Solothurn mitgestaltet, oder als der international bekannte Maler Sigmar Polke Kirchenfenster für das Zürcher Grossmünster entwarf. «Für die Künstlerin, den Künstler bedeutet ein solcher Auftrag meist, sich auf ganz andere Rahmenbedingungen einzulassen, als bei der Arbeit für Galerien und Museen », sagt Landert.

Das Potenzial aufzeigen
Mit der Tagung «Kunst & Kirche heute» in der Kartause Ittingen am 16. und 17. Oktober will das Kunstmuseum Thurgau und das Projekt «Kirchen, Klöster, Weltkultur» gemeinsam mit tecum den Versuch unternehmen, aktuelle Fragen, die sich Kirchenverantwortliche wie Kirchennutzer stellen, aufzunehmen und zu diskutieren. «Ziel der Veranstaltung soll sein, das Potenzial aufzuzeigen, das in der Zusammenarbeit zwischen Kulturschaffenden und Kirchenvertretern ruht», erklärt Landert. Nebst Referaten gibt es auch Workshops und Begehungen mit Judith Albrecht und Vincent Fournier, die beide über ihren Umgang mit dem Spirituellen berichten, und am Samstag wird man die Installation von «steffenschöni» erwandern. Markus Landert hofft, mit diesem attraktiven Programm Kreative nicht nur aus kirchlichen Kreisen anzusprechen, sodass die Tagung zu einem Begegnungsort werden kann, an dem ein vielfältiger Austausch von Ideen und ein Abbau von Vorurteilen möglich werden. Wegen Corona musste die Veranstaltung verschoben werden, eine Anmeldung ist deshalb noch bis 14. Oktober möglich.

 

(Barbara Hettich)

 

Weitere Infos und das Anmeldeformular fiinden Sie unter www.evang-tg.ch.


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