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Gesellschaft

Ihre Hilfe macht Schule

21.12.2020
Dank ihm lernen osteuropäische Kinder auf Schweizer Pulten. Martin Richard organisiert seit 24 Jahren Transporte für den Verein Pro Schule Ost und lernte dabei, dass es am Ende des Lebens wichtigere Dinge gibt als Geld und Macht.

«Hier lagern wir Wandtafeln, dort drüber die Pulte und einen Stock über uns liegt Schulmaterial.» Martin Richard bewegt sich so zielsicher durch das dreistöckige Lagerhaus neben dem Gemeindehaus in Lengwil, als wären es seine eigenen vier Wände. Kein Wunder: Als Mitgründer des Vereins Pro Schule Ost hat er hier grosse Teile seiner Freizeit und seiner Ferien verbracht. «20 bis 30 Stunden pro Woche bin ich hier beschäftigt», sagt der ehemalige Kreuzlinger Lehrer.

Zehntausende Pulte und Stühle
Begonnen hat alles vor 24 Jahren an einer christlichen Erzieherkonferenz. Der Rektor eines ungarischen Gymnasiums berichtete dort von seinem scheinbar unlösbaren Problem, alle Schulbänke ersetzen zu müssen. «Einige Lehrerkolleginnen und ich organisierten daraufhin einen Transport», erinnert sich Richard. Schnell sprach sich dort die Spende herum und weitere Schulen erbaten Hilfe. Aber auch in der Schweiz waren die Schulhäuser froh, ihr ausgedientes Mobiliar nicht einfach wegwerfen zu müssen. Heute fahren zwölf bis 15 Lastwagen pro Jahr nach Osteuropa. Vollgepackt mit allerlei Mobiliar und Schulmaterial haben sie jeweils Dorfschulen oder Gymnasien in Rumänien, Moldawien, Ungarn oder neuerdings auch der Ukraine zum Ziel. 190 Hilfsgütertransporte mit rund 18‘000 Pulten, 38‘000 Stühlen und 2‘000 Wandtafeln hat der Verein Pro Schule Ost in den vergangenen zweieinhalb Jahrzehnten nach Osteuropa versandt. 35 freiwillige Helfer wirken jeweils mit, damit alles richtig abgepackt, sortiert und verzollt ist.

Die Wertschätzung zählt
Martin Richard war Präsident der ersten Stunde. Nun hat er seinen Posten an Hans Jörg Länzlinger aus Kesswil übergeben. Als Lagerchef bleibt der rüstige 70-Jährige dem Verein aber erhalten. Was ihn und auch viele der Helferinnen und Helfer dabei antreibt, unzählige Stunden ihrer Freizeit zu opfern, ist die Wertschätzung und Dankbarkeit für ihre Arbeit. «Ich hatte eine geborgene Kindheit, durfte einen guten Beruf erlernen und diesen ein Leben lang ausüben. Diese Arbeit für Menschen, die nicht so viel Glück im Leben hatten wie ich, ist für mich eine schö- ne Möglichkeit, etwas zurückgeben zu dürfen», sagt Richard. Alle paar Jahre reist eine Delegation des Vereins vor Ort, um zu sehen was aus ihren Lieferungen geworden ist. Über die Jahre hat sich das Vertrauen aufgebaut, dass trotz gelegentlicher Korruption die Hilfslieferungen auch wirklich am richtigen Ort ankommen.

Ein kleiner Tropfen
Auch mit neuen Schulmöbeln sind da noch längst nicht alle Probleme aus der Welt geschafft. Undichte Schuldächer oder ausstehende Lehrerlöhne sind Herausforderungen, mit denen sich die Schulleiter tagtäglich herumschlagen müssen. Der Bottighofer macht sich deshalb auch keine Illusionen, dass er mit seinem Engagement die Welt rettet. «Ich sehe meine Arbeit mehr als kleinen Öltropfen, der das Getriebe ein weniger runder laufen lässt», beschreibt Richard sein Verdienst.

 

(Emil Keller)


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