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Gesellschaft

Impfung: Kirchen sind gefordert

28.04.2021
Droht die Auseinandersetzung über die Covid-19-Massnahmen und die Impfthematik unsere Gesellschaft zu spalten? Und soll sich die Kirche bei Themen wie Triage, Impfung, Tests, persönliche Schutz- und Freiheitsrechte positionieren?

Die Evangelisch-reformierte Kirche Schweiz (EKS) hat ein Papier zur Covid-19-Impfung aus theologisch-ethischer Sicht herausgegeben. Verfasser Frank Mathwig stellt darin das biblische Solidaritätsethos ins Zentrum ohne individuelle Freiheits- und Schutzrechte auszublenden. Der Lockdown dürfe nicht zum persönlichen «Lock-in» (Einschliessen) werden, das Virus nicht unsere Lebenseinstellung und Beziehungen untergraben, erklärte er vor Kommunikationsbeauftragten der EKS-Mitgliedskirchen: «Wir dürfen unsere Menschlichkeit nicht auf dem Altar eines monströsen Corona- Gottes opfern!» Es gibt keinen Impfzwang in der Schweiz. Diesem schutzwürdigen Freiheitsrecht stellt Mathwig eine moralische Solidaritätspflicht gegenüber. Denn die Chance, eine schwere Infektion zu überleben, hänge wesentlich von der Intensivversorgungskapazität ab. Hier spielten auch die Triage-Richtlinien mit hinein: Menschen, die sich aus medizinischen Gründen nicht durch Impfen schützen können, seien darauf angewiesen, dass Impfgegnerinnen und -gegner nicht zur Konkurrenz um die knappen medizinischen Behandlungsressourcen werden. Für Menschen mit Immunerkrankungen, Schwangere, Stillende oder Menschen mit anderen Impfvorbehalten brauche es nach wie vor Schutzmassnahme – auch um den Preis persönlicher Freiheitsrechte.

Kirche spricht sich fürs Impfen aus
Mathwig sieht Kirchen in der Pflicht: «Ihr biblisches Fundament und Ethos macht sie in besonderer Weise sensibel für die Not der Schwachen und die Solidarität mit den Ausgegrenzten. » Die EKS sieht plausible, ethische Gründe, das Impfen grundsätzlich zu empfehlen. Persönliche Impfrisiken seien akzeptabel, weil damit weitaus grössere Risiken für andere abgewendet werden können. Pfarrerin Irmelin Drüner, Seelsorgerin in der Rehaklinik Zihlschlacht und Gemeindepfarrerin, erfährt das intensiv: «Die Impfung erlaubt die Lockerung des Besuchsverbots. Und Besuch – wenn auch unter Covid-19-Sicherheitsmassnahmen – ist unendlich wertvoll sowohl für die Patientinnen und Patienten als auch für die Angehörigen.» Drüner teilt das im EKS-Papier erwähnte Freiheitsverständnis, wonach sich Kirche dem Mitmenschen in Verantwortung zuwendet. Frank Mathwig betont, dass die EKS zum Diskurs anregen und den Kirchen Argumente bieten möchte. Lösungen, wie eine sachgerechte Auseinandersetzung stattfinden kann, die nicht spaltet, sondern versöhnt, müssten die einzelnen Kirchen selber finden. Dies gelte unter Mitarbeitenden und auch in der öffentlichen Diskussion.

 

(Brunhilde Bergmann)

Nachgefragt

Res Gerber, Jugendarbeiter Felben, auf die Frage, wie er mit dem Corona-Frust von Jugendlichen umgeht:

«Oft braucht es nur ein Stichwort und schon sprudelt der ganze Fust aus ihnen heraus. Gern gebe ich den Teenies dazu zuerst Raum, bevor ich das geplante Programm beginne. Jugendliche und ihre Bedürfnisse ernst zu nehmen, ihnen eine Plattform zum Zuhören zu bieten, gilt natürlich nicht nur bei Corona, ist aber gerade jetzt besonders wichtig.»


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