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Gesellschaft

«Vertrauen hat auch eine theologische Dimenison»

19.11.2021
In der Serie «Was macht eigentlich…?» kommt in dieser Ausgabe Peter Ruch zu Wort. Er war Pfarrer in Pfyn-Weinigen, ist seit fünf Jahren pensioniert und lebt in Küssnacht am Rigi.

«Mit dem Thurgau verbinde ich zahlreiche persönliche und berufliche Erinnerungen», sagt Peter Ruch. 1982 trat er als junger Pfarrer das Amt in der evangelischen Doppelgemeinde Pfyn-Weiningen an. «Die Leute schenkten mir Vertrauen und dies führte dazu, dass ich bereits nach einem Jahr Präsident der Spitex, Mitglied der Fürsorgekommission und Präsident der Paritätischen Kirche wurde», erzählt Ruch. Schulpräsident sollte er auch noch werden, doch davor habe er sich drücken können. So wurde er Vizepräsident und Aktuar.

Peter Ruch denkt gerne an diese Zeit zurück. Damals arbeiteten solche Gremien – etwa gleich viele Frauen wie Männer und ländlich geprägt – ziemlich effektiv und sachbezogen zusammen. Persönliche Konflikte, wie sie heute die Arbeit oft lähmen, habe es kaum gegeben. «Ich glaube der Vorteil steckte damals im Vertrauen, das ja übrigens eine wichtige theologische Dimension hat.» Seine Familie fühlte sich wohl in Pfyn, seine beiden jüngsten Kinder wurden – 1983 und 1986 – dort geboren.

«Allerdings denke ich an einzelne Ereignisse auch mit Missbehagen zurück, weil ich ungeschickt gehandelt oder versagt habe.» Irgendwann habe er das Gefühl gehabt, dass es klug wäre, die Stelle zu wechseln. Als er 1991 von der Pfarrwahlkommission in Schwerzenbach angefragt wurde, zog die Pfarrfamilie Ruch in die Agglomeration Zürich. «Hier brauchte man den Pfarrer weder für die Spitex noch für die Schulbehörde – nebenbei gesagt, das Niveau der Schulen war tiefer als im Thurgau.»

Auf Trab gehalten
Heute lebt Peter Ruch mit seiner Frau in Küssnacht am Rigi, wo er von 2008 bis 2016 seine letzte Pfarrstelle innehatte. Vor wenigen Tagen feierte er seinen 70. Geburtstag. Seit fünf Jahren ist er pensioniert, aber nicht im Ruhestand. Er macht zwar selten Vertretungen in den Pfarrämtern, aber seine sechs Enkel halten ihn auf Trab. Er schreibt zudem für die «Weltwoche» die Kolumne «Die Bibel» und manchmal werde er auch für sonstige Aufsätze angefragt. Gerne nehme er sich auch Zeit für fundierte theologische Lektüre. «Theologische Inhalte beschäftigen mich nach wie vor und ich suche stets nach Verbindungen zwischen der Bibel und der heutigen Welt.»

Die Bedeutung der Kirchen in der Gesellschaft sei stark verblasst und dies bedaure er sehr, denn: «Hätten die Leute die wichtigsten Positionen des Evangeliums – Sündhaftigkeit des Menschen, Vergebung Gottes, Versöhnung durch Christus – auf dem Radar, gäbe es viel weniger Rechthaberei, Hordendenken, Schwarz- Weiss-Malerei und Feindseligkeiten.»

 

(Barbara Hettich)


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