News aus dem Thurgau

Auf Du und Du mit heissen Eisen

von Georg Stelzner
min
08.05.2024
René Soller aus Zihlschlacht ist passionierter Kunstschmied. Er kann sich keinen schöneren Beruf vorstellen und ist überzeugt: Vieles, was in der Schmitte wichtig ist, gilt auch für das tägliche Leben.

Sind wir dem Lauf des Lebens – nennen wir es Schicksal – hilflos ausgeliefert oder sind wir doch unseres eigenen Glückes Schmied? Einer, der es wissen müsste, ist René Soller.

Der 61-Jährige ist der Meinung, dass wir unser Leben in vielerlei Hinsicht selbst bestimmen können: «Man kann sehr viel dazu beitragen. Wichtig ist, aus den vorhandenen Fähigkeiten das Beste zu machen. Als Christ hat man sogar den Auftrag, sein Leben zu gestalten.» Soller weist auf eine Analogie hin: Auch beim Schmieden müsse man aktiv in einen Prozess eingreifen, dies im Bewusstsein, dass sich nicht jedes Eisen für alles eignet.

Soller erlernte den Beruf des Chemielaboranten, den er aber nur kurz ausübte. Über 30 Jahre war er im Pflegebereich tätig, unter anderem als Berufsschullehrer für Pflege am Kantonsspital St. Gallen. Das Interesse am Umgang mit Hammer und Amboss wurde 2005 bei einem Besuch in Hugo Bergers Schmitte in Biessenhofen geweckt. «Damals habe ich so richtig Feuer gefangen», erzählt Soller. Schritt für Schritt machte er sich nach dem Prinzip «Learning by Doing» und mittels Lektüre von Fachliteratur mit einem der ältesten Handwerke der Menschheit vertraut.

Seit 2016 verdient er seinen Lebensunterhalt als Kunstschmied. Die Möglichkeit, mit einfachem Werkzeug unterschiedlichste Dinge zu gestalten, übt eine grosse Faszination auf ihn aus. «Schmieden hat viel mit dem Gefühl für Form und Material zu tun», erklärt Soller. Vergleichbar sei es mit dem Modellieren von Ton. In beiden Fällen müsse man vom Produkt gedanklich schon vor Arbeitsbeginn eine Vorstellung haben. Entsprechend wichtig seien Geduld, Ausdauer und Erfahrung.

Die Notwendigkeit, das Eisen zu schmieden, solange es heiss ist, lasse sich auch auf das Leben übertragen, meint Soller: «Man muss parat sein, wenn der Zeitpunkt zum Handeln gekommen ist, sonst kann es – wie beim Schmieden – bald einmal zu spät sein.» Entscheidend sei auch nicht die Kraft allein, sondern die Technik bei der Hammerführung.

Soller möchte den Reiz des Schmiedens auch anderen Leuten vermitteln und lädt unter dem Motto «Männer in der Schmiede» zu einem Kurs ein. Veranstalter sind das Tecum und die Kirchliche Erwachsenenbildung der Katholischen Landeskirche. «Ich bin neugierig, wen ich dabei kennenlernen werde. Es ist spannend zu beobachten, wie sich jemand anschickt, eine völlig neue Tätigkeit zu erlernen», sagt Soller.

 

Männer in der Schmiede

Wann? Samstag, 25. Mai, 15 bis 21.30 Uhr

Wo? Obere Hagenwilerstrase 2, Zihlschlacht

Anmeldung: bis 15. Mai bei Tecum

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