Mit eigener Stimme Ja sagen
In der frühen Kirche war die Erwachsenentaufe der Normalfall. Wer Christin oder Christ werden wollte, liess sich unterweisen und wurde dann getauft. Erst später setzte sich die Kindertaufe durch.
Wer sich heute als Erwachsener taufen lässt, steht in einer sehr alten Tradition. Der Schweizer Theologe Karl Barth gab der Erwachsenentaufe den Vorzug. Die gewohnte Säuglingstaufe nannte er in seiner späten Tauflehre eine «tief unordentliche Taufpraxis», denn zur Taufe gehöre die freie Entscheidung: Sie sei «Tatantwort» des Menschen auf Gottes Zuwendung.
Die reformierten Kirchen folgten ihm nicht: Gerade die Kindertaufe zeige, dass Gottes Ja nicht verdient werden muss. Doch Barths Einspruch trifft etwas Richtiges. In jeder Taufe steckt eine Antwort mit eigener Stimme, in der Erwachsenentaufe wird sie hör- und sichtbar.
Geschenk bleibt Geschenk
Auch die Erwachsenentaufe ist keine Prüfung, kein Nachweis eines fertigen Glaubens. Sie bleibt Antwort auf ein Ja, das Gott zuerst gesprochen hat.
Neu ist die Geschichte dahinter: Erwachsene Täuflinge können erzählen, wie der Glaube in ihr Leben kam – etwa über Menschen, die ihnen etwas vorgelebt haben, über Brüche und Fragen, die nicht mehr losliessen. Solche Geschichten tun der Gemeinde gut, weil sie sehen und hören kann, wie ein Mensch heute anfängt zu glauben.
Einmal genügt
Getauft wird nur einmal. «Ein Herr, ein Glaube, eine Taufe», schreibt der Epheserbrief (4,5). Was Gott zusagt, muss nicht erneuert werden, auch dann nicht, wenn der Glaube über Jahre verblasst war.
Erinnern darf und soll man sich dennoch. Viele Kirchgemeinden laden darum zu Tauferinnerungs- oder Taufbestätigungsfeiern ein: Getaufte jeden Alters treten dann noch einmal ans Wasser, empfangen einen Segen, hören die alte Zusage neu und sagen selbst Ja zu dem, was einst über ihnen gesprochen wurde. Im Grunde ist schon die Konfirmation eine solche Taufbestätigung.
Die Taufe eines Erwachsenen erinnert die Kirche an etwas, das sie leicht vergisst: In den Glauben wird man nicht nur hineingeboren. Man kann ihn finden: mit sechzehn, vierzig oder achtzig. Das Wasser ist dasselbe, die Zusage auch: «Ich bin bei dir». Wer sie hören möchte, ist eingeladen: zum Gespräch, zur Vorbereitung, zum eigenen Ja. Es gibt kein Zuspät.
Die vier Kasualien
Kasualien sind gottesdienstliche Feiern an den Wendepunkten des Lebens. Dazu gehören die Taufe, die Konfirmation, die Hochzeit und die Beerdigung.
Im Kirchenboten nehmen wir die vier Kasualien und ihre Bedeutung in der heutigen Zeit unter die Lupe.
(Cyrill Rüegger)
Mit eigener Stimme Ja sagen