News aus dem Thurgau

Eventmanager & «Notarzt»

von Roman Salzmann
min
31.08.2026
Die Mesmerin oder der Mesmer: Oft im Hintergrund tätig, aber wenns brenzlig wird, meist an vorderster Front zur Stelle. Viele Nutzende von Kirchen sind sich dessen kaum bewusst. Deshalb erklärt Markus Schaltegger, Präsident des Thurgauischen Mesmerverbands, worauf es ankommt und was er so erlebt.

Markus Schaltegger ist Mesmer mit Leib und Seele – handwerklich geschickt, nahbar, dienstbereit. Er und seine Kolleginnen und Kollegen machen jedoch die Erfahrung, dass die Anforderungen immer komplexer werden.

Eine Mesmerin oder ein Mesmer sollte eigentlich schon fast eine Alleskönnerin oder ein Alleskönner sein. Deshalb habe sich sein Verband nach einem Vorbereitungstreffen von 35 der über 50 Mitglieder entschieden, erstmals eine Mesmertagung durchzuführen.

Kaum mehr «standardmässig»

Was ist es wirklich, was besonders schön oder herausfordernd ist an seinem Beruf? Markus Schaltegger braucht keine Sekunde: «Die Hitze ist am Schlimmsten.» Und damit macht er deutlich, dass ihm der vielseitige Beruf vor allem Freude macht, insbesondere seine Rolle als Gastgeber.

Gerade bei Abdankungen «ist nicht mehr alles 08/15». Die Hinterbliebenen hätten immer wieder andere und zum Teil ausgefallene Wünsche, während früher alles genau gleich abgelaufen sei. Auch Hochzeiten liefen längst nicht mehr «standardmässig» ab. Da kann es gut sein, dass der Mesmer ob all der Wünsche für Musik und Einlagen zu einem halben Tontechniker und Eventmanager wird. Aber das kennt Schaltegger auch von den Spezialgottesdiensten in seiner Kirchgemeinde Amriswil.

Flexibilität gefordert

Damit wird deutlich: Eine Mesmerin oder ein Mesmer muss flexibel sein, braucht organisatorisches Talent, soziale Kompetenz und Einsatzbereitschaft an Abenden und Wochenenden. In den Kirchgemeinden sorgen sie dafür, dass das gesamte Gemeindeleben überhaupt in einem passenden Rahmen stattfinden kann.

Und doch ist viel anderes Flair erforderlich, das kaum jemand bewusst wahrnimmt – ausser, wenn einmal etwas nicht sichergestellt ist, wie zum Beispiel die Reinigung, das Schliesssystem von Kirchen und Kirchgemeindehäusern, die Heizungs-, Beleuchtungs- und Lüftungsanlagen, die Technik für Gottesdienste und Veranstaltungen, die Bestuhlung, der Blumenschmuck oder die Sicherheit.

Vom Herzinfarkt bis zum Brandfall

All diese Aufgaben widerspiegeln sich an der Mesmertagung, sagt Schaltegger, wobei man sich auf drei hauptsächliche Themenbereiche fokussiere: auf den Brandschutz, die Erste Hilfe und die Kommunikation.

Im Brandschutz sei schon viel in Sachen Prävention umgesetzt worden, und er erinnert sich schmunzelnd, «früher auch schon einen brennenden Christbaum gelöscht» zu haben. Nichtsdestotrotz sei es unabdingbar, dass die Grundlagen aufgefrischt und das richtige Verhalten im Ernstfall trainiert würden.

Erste Hilfe und dabei vor allem Ruhe in der Nervosität des Moments und Kenntnisse, was wann zu tun ist, seien wichtig. Als Beispiel erwähnt er medizinische Notfälle an Veranstaltungen.

«Mit Kirche identifizieren»

Bei der Kommunikation wolle sein Verband dazu beitragen, dass seine Mitglieder Gespräche souverän und einfühlsam führen können. Denn sie sind oft mit Schicksalsschlägen konfrontiert oder müssen bei kritischen politischen Entscheiden diplomatisch und loyal bleiben. Und manchmal sei es auch der beiläufige Austausch nach einem Gottesdienst, der Fingerspitzengefühl erfordere.

Schaltegger bringt es auf den Punkt: Mesmerinnen und Mesmer müssten sich «mit der Kirche identifizieren können». Oft würden leider Personen eingestellt, die sich der Tragweite dieser Tätigkeit nicht bewusst seien. Die Mesmertagung mache überdies deutlich, wie wichtig ein gut funktionierender Berufsverband sei, der auch den Berufsnachwuchs fördern will: «Wir brauchen junges, frisches Blut.»

Und mit Blick auf attraktive Stellenangebote sagt er ernsthaft, und doch mit einem Augenzwinkern: «Ich bin nicht für ‹Schiiss-Prozent-Stellen›, denn gerade für einen Familienvater sind Stellen ab 80 Prozent sinnvoll.»

 

Mesmertagung

Wann?

Mittwoch, 23. September, 8.30 bis 16.30 Uhr

Wo?

Evangelisches Kirchgemeindehaus Weinfelden.

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