News aus dem Thurgau

Bibellesen statt Mittagspause

von Manuel Ditthardt
min
22.09.2026
Jeden Montagmittag wird in der Kantonsschule Kreuzlingen Bibel gelesen und gebetet. Der Bibelclub – von Schülern organisiert – soll eine Möglichkeit bieten, sich an der Kantonsschule über den christlichen Glauben auszutauschen.

Zimmer A12 am Montagmittag: Hier wird nicht unterrichtet, sondern in der Bibel gelesen. «Am Anfang essen wir gemeinsam und tauschen uns über Verschiedenes aus», erklärt Jan Ludwig den Ablauf. Er ist Mitglied der Evangelischen Kirchgemeinde Scherzingen-Bottighofen und leitet den Bibelclub, auch BC genannt, gemeinsam mit zwei weiteren Schulkollegen.

«Im Anschluss oder noch während dem Essen lesen wir etwas aus der Bibel», erläutert der 17-Jährige. Über mehrere Wochen hinweg sei jeweils ein Buch aus der Bibel Lesestoff im BC. Aktuell lesen die Schüler zusammen das zweite Buch Mose. 

«Platz zum Austausch» bieten 

Das Schulzimmer steht ihnen am Montagmittag für zwei Lektionen zur Verfügung. «In der zweiten Lektion behandeln wir meistens ein Thema, welches einer von uns Leitern vorbereitet hat», sagt Jan Ludwig. Dieses Thema werde mithilfe von Bibelstellen näher betrachtet und diskutiert. Der Bibelclub endet jeweils mit einem gemeinsamen Abschlussgebet.

Ihn motiviere es, mit dem Bibelclub «einen Platz zum Austausch über den Glauben» bieten zu können. Ausserdem lerne er als Leiter bei der Vorbereitung selbst viel Neues über das jeweilige Glaubensthema. Aktuell besuchen den Bibelclub laut Ludwig vier Personen wöchentlich, andere «schauen nur mal rein», manche kommen unregelmässig.  

Von Gott herausgefordert 

Initiiert wurde der Bibelclub im Januar 2024 von Sina Juzi, Mitglied der Evangelischen Kirchgemeinde Lengwil. Einige Jahre zuvor habe sie einmal mit einem christlichen Schweizer Freestyle-Rapper geredet. Er erzählte ihr von einer Bibelgruppe an seiner früheren Schule.

«Ich war beeindruckt, aber gleichzeitig auch enttäuscht, dass es an unserer Kantonsschule keine solche Möglichkeit gab, sich über den Glauben auszutauschen», erzählt die inzwischen 19-Jährige. In der darauffolgenden Zeit habe Gott sie immer wieder herausgefordert: «Gott sagte zu mir: Damit es so eine Gruppe gibt, muss irgendwann jemand die Initiative ergreifen. Warum also nicht du?» 

Positives Feedback erhalten 

Zu Beginn hatte Juzi viele Zweifel: Ob es wirklich Gottes Idee oder ihre eigene war, was ihre Mitschülerinnen und -schüler denken würden und ob die Lehrpersonen sie dafür verurteilen würden. «Ich hatte auch grossen Respekt davor, Werbung für den Bibelclub zu machen, da ich nicht aufdringlich sein und niemandem auf die Füsse treten wollte», erklärt die Initiatorin.

Schliesslich ging Juzi auf einen Lehrer zu, der auch Christ war und ihr am Anfang viel helfen konnte. Auch der Schulleiter habe sehr unterstützend auf ihr Vorhaben reagiert: «Er versicherte mir, dass er sich für mich einsetzen würde, falls negative Reaktionen oder Kommentare von anderen Schülerinnen und Schülern kommen sollten.» Negative Reaktionen habe sie jedoch gar keine erlebt. Im Gegenteil: «Klassenkameraden haben mir gesagt, wie toll sie die Idee finden und dass ein Rahmen für den Austausch über Glaubensthemen wichtig sei», berichtet Sina Juzi.

Mit dem Schulabschluss im Juni 2025 musste sie sich vom Bibelclub verabschieden. Besonders in Erinnerung ist ihr geblieben, als einmal ein atheistischer Lehrer zu ihnen in den Bibelclub kam und man sich trotz der Glaubensdifferenzen austauschen konnte.  

 

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