News aus dem Thurgau

Die Menschenfreundin

von Freddy Kugler
min
13.12.2024
Die Werdenbergerin Marilene Hess ist eine Pfarrerin mit Herz. Sie nennt sich selbst «Störpfarrerin» und war schon in vielen Kirchgemeinden tätig – zuletzt in Arbon (TG). Das Schreiben gehört zu ihren Leidenschaften.

Mit ihrer offenen und fröhlichen Art sowie ihrer Vielseitigkeit ist Marilene Hess für das Amt einer Seelsorgerin prädestiniert. Wer ihr begegnet, spürt auf Anhieb, dass sie die Menschen liebt. Wenn sich Marilene Hess selber beschreibt, wählt sie Attribute wie «bodenständig, herzlich, kreativ und unkonventionell». Hinzu kommt ihre ausgeprägte Affinität zu Sprachen und zur Kultur in Form von Musik, Theater und Kabarett.

Ich kann auch kratzbürstig sein.

Schlüsselerlebnis in Ostdeutschland

Dass sie einst den Beruf einer Pfarrerin ergreifen würde, war während ihrer Zeit an der Kantonsschule Sargans noch kein Thema. Marilene Hess entstammt einem Elternhaus, das mit der Kirche nicht besonders eng verbunden war und dieser eher kritisch gegenüberstand. Ein Schlüsselerlebnis war für sie das Studienjahr in Ostdeutschland kurz nach dem Mauerfall, bei dem die Kirche eine grosse Rolle gespielt hatte. Ihr imponierte, wie sich ihre Kommilitoninnen und Kommilitonen für eine neue Form des Zusammenlebens engagierten.

Als Pfarrerin mit einem breiten Horizont, die sehr gerne und sehr gut zuhört, ist die Seelsorge heute tief verankert in ihr. Bei allen bisherigen Stellen mit Teilzeitpensen hatte sie jeweils schnell einen guten Draht zur ganzen Bevölkerung gefunden (siehe Kasten). Viele Freundschaften sind geblieben. «Wenn ich mich übergangen oder nicht wahrgenommen fühle, dann kann ich aber auch kratzbürstig sein», ist von der Leib- und Seelsorgerin weiter zu erfahren.

 

Prall gefüllter Rucksack

Die 56-jährige Marilene Hess wuchs in Grabs im St. Galler Rheintal auf. An den Universitäten Zürich, Bern und Halle studierte sie Theologie. Auf erste Erfahrungen als Pfarrerin in Aarberg im Berner Seeland folgten Vertretungen am Zürichsee und im Toggenburg. Ab 2003 war sie in Teufen während elf Jahren die erste «Frau Pfarrerin». Neben ihrem Teilzeitpensum absolvierte Marilene Hess diverse Weiterbildungen – unter anderem in Tourismusmanagement und Journalismus.

Nach einigen Jahren in St. Gallen und Umgebung führte die Reise 2022 nach Stein am Rhein. Weil sich die Ansprüche der Stelle ganz anders präsentierten als ursprünglich ausgeschrieben, kam es vor einem Jahr zur einvernehmlichen Trennung. Von Februar bis Ende November dieses Jahres war Marilene Hess in Arbon tätig. Einmal mehr erfolgt nun ein Aufbruch zu neuen Ufern. Gerne stünde sie weiterhin in der Ostschweiz zur Verfügung. (fku)


Kirche als Auslaufmodell?

Die Zukunft der realexistierenden Kirche sieht Marilene Hess kritisch. Für sie, die sich selber polyspirituelle «Störpfarrerin» nennt, sind Ökumene, Interreligiosität und Interkulturalität sehr wichtig. «Die Kirche sollte für alle Menschen ein Leuchtturm sein, nicht nur für ihre Mitglieder», hält sie fest. «In dieser Form ist die reformierte Kirche ein Auslaufmodell. Es mangelt aufgrund der vielen Austritte an Steuerzahlern und Kirchgängern, aber auch an Seelsorgern, rollt doch in den kommenden Jahren eine grosse Pensionierungswelle auf uns zu», lautet die Einschätzung der Werdenbergerin.

«Wir Seelsorgenden sollten aber auch vermehrt unser Wirken und unsere Motivation hinterfragen», fordert sie von sich und ihren Kolleginnen und Kollegen. Das bevorstehende Weihnachtsfest beinhaltet für Marilene Hess in erster Linie die Botschaft, dass Gott Mensch geworden ist und Gott in Gestalt eines Menschen zu uns kommt.

 

Für den Kirchenboten hat Marilene Hess eine Weihnachtsgeschichte verfasst. Nachlesen lässt sie sich unter folgendem Link.

 

 

Unsere Empfehlungen

Schon immer geschrieben

Schon immer geschrieben

Angelo Fässler hat seine Premiere bestanden. In der Kirchenboten-Ausgabe vom Dezember 2025 hat er erstmals die Kinderseite zusammengestellt. Schon als Jungscharleiter hat er das Schreiben entdeckt.
Mit Gebet ins Jahr starten

Mit Gebet ins Jahr starten

Zum Jahresbeginn motivieren kirchliche Organisationen besonders ausgeprägt, den zahlreichen Herausforderungen mit Gebet zu begegnen. Viele Thurgauer Kirchgemeinden beteiligen sich im Januar vor allem an der Allianzgebetswoche oder der Gebetswoche für die Einheit der Christen. Weshalb?
Dem Tag entgegen beten

Dem Tag entgegen beten

«Warum treffen sich Menschen um sieben Uhr morgens, um miteinander zu beten?» Kathrin muss bei der Frage schmunzeln. Sie ist seit dem Beginn der ökumenischen Gebetsgruppe in Matzingen vor über 45 Jahren mit dabei und wurde immer wieder nach dem Sinn dieser besonderen Anfangsuhrzeit gefragt.