News aus dem Thurgau

Die Suche nach dem schöpferischen Miteinander

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24.08.2022
Der Theologe und Goldschmied Josua Boesch wirkt mit seinen Metall-Ikonen und seinen Gedichten zum Glauben über seinen Tod hinaus. Im Leben schwankte er dabei zwischen der Liebe zur Gemeinschaft und der Nähe zu Gott in der Stille und Einsamkeit.

Josua Boesch war vieles in seinem Leben: Theologe, Seelsorger, innovativer Gemeindepfarrer, Metall-Ikonenk├╝nstler, Poet, Bibel├╝bersetzer und zu einem Teil auch Mystiker. Geradlinig war sein Weg dabei nicht: Eine anf├Ąngliche Lehre zum Gold- und Silberschmied hielt ihn nur kurz in diesem Beruf. Sein k├╝nstlerischer und innovativer Geist zeigte sich schon damals: Nachts tr├Ąumte er davon, edles und unedles Metall miteinander zu verschmelzen. Ein Frevel in der damaligen Zunft, und so blieben Boeschs Ideen vorerst nur Tr├Ąumereien. Gleichzeitig entdeckte er Gott f├╝r sich, und es folgte ein Theologiestudium mit der darauffolgenden Ordination zum reformierten Pfarrer in Z├╝rich.

Hinweis auf h├Âhere Ordnung
In seinem Wirken machte er fr├╝h Gebrauch von der Mundart, um seiner Gemeinde das Evangelium n├Ąher zu bringen. ┬źEr liebte es, sich mit seinen Mitmenschen zu verbinden, um gemeinsam etwas zu gestalten. Es interessierte ihn das Leben, die Menschen mit ihren Aufgaben und Herausforderungen. Und dabei, was sein eigener Beitrag sein k├Ânnte f├╝r ein liebevolles, sch├Âpferisches Miteinander┬╗, erinnert sich Verena Frei an ihren Vater zur├╝ck. Josua Boesch h├Ątte am 15. November 2022 seinen 100. Geburtstag gefeiert. Neben seinen Predigten erinnern heute vor allem seine Metall-Ikonen an sein Verh├Ąltnis zu Gott. Denn im Laufe seiner Arbeit als Pfarrer begannen seine H├Ąnde zu ┬źweinen┬╗, wie Boesch es ausdr├╝ckte. Er wollte wieder handwerklich schaffen. Dieser Schaffensdrang, welcher sich sp├Ąter auch in Gedichten auf Mundart ausdr├╝ckte, kam aus seiner Verbindung zu seinem inneren Wesen: ┬źWenn er ganz er selbst war, befl├╝gelte ihn seine kreative Art richtiggehend┬╗, so Tochter Frei. Und so verwirklichte er seine jugendlichen Ideen und vermischte Messing, Kupfer, Silber und Gold zu Ikonen aus Metall. Kunstwerke, die noch heute Menschen ber├╝hren: ┬źDie verwendeten Symbole weisen auf eine h├Âhere Ordnung hin und sprechen uns alle an. Sie ber├╝hren ganz individuell; manchmal auch ├╝berraschend. Sie sprechen uns an, durch ihre Schlichtheit und ihre ganz eigene Sch├Ânheit┬╗, erkl├Ąrt sich Frei die Zeitlosigkeit und Ausdrucksst├Ąrke der Ikonen. Sie ist derzeit mit dem F├Ârderverein Josua Boesch auf der Suche nach Ikonenbesitzerinnen und -besitzern.

Glaube in der Stille
Die N├Ąhe zu Gott suchte Boesch jedoch nicht nur nach aussen, sondern auch nach innen. Er liebte die Sprache als Werkzeug des Ausdrucks, aber genau so bedeutsam waren f├╝r ihn das Schweigen und die Stille. Seine Suche nach dem G├Âttlichen f├╝hrte ihn in das benediktinische Eremitenkloster von Camaldoli. In seiner Cella konnte er sich eine Werkstatt einrichten und sein k├╝nstlerisches Schaffen fortf├╝hren. Dieses Leben in der ├ľkumene war f├╝r Boesch bereichernd. Bezeichnend war, dass der Glaube dabei immer als Orientierung diente: ┬źDer Glaube liess ihn seine eigene Br├╝cke entdecken, zwischen ihm und dem G├Âttlichen, um selber Br├╝cke zu werden zwischen Gott und den Menschen┬╗, so Frei. Die Ikonen zeugen heute noch von diesen Br├╝cken und wirken ├╝ber seinen Tod hinaus.


(Emil Keller)

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