News aus dem Thurgau

Drei Blicke aufs Wasser

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25.03.2022
Fast jeder Mensch verbindet mit dem Thema «Wasser» eine spezielle Geschichte: Der Kirchenbote hat drei Thurgauer Pfarrer gefragt, was Wasser für sie bedeutet – im kirchlichen und im persönlichen Leben.

Christian Herbst, Pfarrer in Uttwil, ist in Greifswald aufgewachsen. In seiner Kindheit gehörte die Stadt zur Deutschen Demokratischen Republik (DDR). Segeln auf der Ostsee war verboten. Der Republikflucht sollte so Einhalt geboten werden. Der Blick auf das Wasser des Meers, seine Grösse und Schönheit, löste bei ihm eine Dynamik aus. In seinen Gedanken entstanden Bilder, die Fantasie liess ihn eine Reise beginnen, die unter den damaligen VerhĂ€ltnissen gar nicht möglich war: Sie fĂŒhrte ihn in den Norden nach Schweden. Heute findet der ausgebildete Rettungsschwimmer Gedanken fĂŒr Predigten beim Blick auf das Wasser.

Gebet statt BrĂŒckenzoll
Von Gefahren des Wassers weiss Paul Wellauer zu berichten. In Bischofszell fliessen Sitter und Thur zusammen. GemĂ€ss einer Sage entstand die Ă€lteste NatursteinbrĂŒcke der Schweiz in der Folge eines tragischen Ereignisses: Die beiden Söhne einer Adligen seien im Hochwasser der Thur ertrunken. Darauf stiftete sie ihr Vermögen fĂŒr den Bau der «krummen» BrĂŒcke. Als BrĂŒckenzoll wurde kein Geld eingezogen. Es sollte stattdessen ein Gebet gesprochen werden. Rund 300 Jahre lang blieb diese Regel bestehen, was dem StĂ€dtchen Aufschwung und den Reisenden einen besinnlichen Moment bescherte.

Altes verfliesst, Neues bricht an
In Ermatingen, wo Marc Mettler wirkt, macht sich durch Strömungen bereits der Übergang vom Untersee in den Rhein bemerkbar. Bei den Seetaufen wird durch das fliessende Wasser das Bild von der «neuen Kreatur» ersichtlich: Das Alte ist verflossen, Neues bricht an. Marc Mettler ist Segler und geniesst die Zeit auf dem Wasser als Oase im Alltag. Wenn er das Segel hisst, gewinnt das Boot auf dem Wasser Geschwindigkeit. Die Kraft des Windes treibt an, Freiheit wird spĂŒrbar. Vielleicht sei dies auch ein gutes Bild fĂŒr das Kirchenschiff, sagt Mettler: «Seine Segel sind aufgerichtet. Gottes Geist, der weht, wo er will, bringt es dorthin, wo er es haben will.»

 

(Lars Heynen)

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