Erinnerungsmomente schaffen
Sarah Pietsch leitet an der Ittinger Fachtagung für Palliativ- und Demenzpflege vom 14. Februar einen Workshop zum Thema «Mit Kindern trauern – Trauerverständnis von Kindern verschiedener Altersstufen». Dabei kann die freiberufliche Hebamme und psychologische Beraterin mit Schwerpunkt Krisen- und Trauerbegleitung im Familiensystem aus dem Vollen schöpfen.
Ihre Erfahrungen in Krisensituationen kommen ihr besonders zugute – dann etwa, wenn eilig Unterstützung angefordert wird. Meist gelangen die Anfragen für eine Trauerbegleitung eher spät zu ihr.
Dinge beim Namen nennen
«Babys haben kein Verständnis vom Tod, spüren jedoch, wenn die Eltern trauern. Vier bis sechsjährige Kinder haben eine Ahnung vom Tod, eventuell durch ein gestorbenes Haustier. Sie können aber die Endgültigkeit nicht einordnen.» Deshalb sei es unabdingbar, die Dinge beim Namen zu nennen, sagt Pietsch. Also vor dem Spitalbesuch beim Grosi zu sagen, dass diese bald sterben werde und allenfalls Mühe beim Atmen habe, sagt Pietsch.
Man solle es auch den Kindern überlassen, ob sie mit ins Zimmer wollen oder lieber hin und her pendeln. Oft sind es nicht nur die Kinder, die Erklärungen und klare Worte benötigen, sondern auch die Eltern. Pietsch sagt dazu: «Früher lebte man zusammen mit mehreren Generationen in einem Haus und der Tod der Grosseltern oder eines Verwandten gehörte zum Leben. Heute leben die Familien verstreut und enge Beziehungen sind seltener.» Deshalb hilft Pietsch, Erinnerungsmomente zu schaffen.
In solchen Fällen hat Pietsch immer «Handwerkzeug» dabei wie etwa «Seifenblööterli». Das hilft den Kindern beispielsweise, das Mami oder den Papi freizugeben, falls es für den Schmerz keine Worte gibt. Oder sie übergibt den Angehörigen selbstgefilzte Herzli: Eines behält man selbst, das andere gibt man der sterbenden Person in die Hand. «Mit solchen Hilfsmitteln versuche ich, eine Normalität in Bezug zum Tod herzustellen», sagt Pietsch.
Seele schlüpft aus der Hülle
Die blauen Filzherzli sind begehrt, was wohl mit dem Himmel zu tun hat. Dass der Tod mit dem Himmel assoziiert wird, kann sie stehen lassen. Dennoch sollte man eine Brücke schlagen und erklären, was nach dem Tod passiert. Dabei kann es hilfreich sein, ein Krematorium zu besuchen oder die Urne zu verzieren.
Kindern, die wissen wollen, was mit dem Körper und der Seele passiert, erklärt sie folgendes: Bei der Geburt schlüpft man in einen Mantel oder Handschuh. Solange der Mensch lebendig ist, kann man beispielsweise keinen Knopf in den Handschuh machen. Stirbt der Mensch, wird die Hülle beerdigt, die Seele hingegen schlüpft aus der Hülle hinaus in den Himmel.
Erinnerungsmomente schaffen