News aus dem Thurgau

Falls das Leben verrücktspielt

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11.02.2017
Kleines Gedankenspiel: Sie sind im besten Alter. Voller Tatendrang. Plötzlich spielen das Leben und die Erinnerungen verrückt: Sie vergessen wichtige Details – je länger desto mehr. Jetzt ist es schon fast zu spät. Aber es ist noch nicht zu spät, an einen Vorsorgeauftrag oder die Regelung des Nachlasses zu denken.

Von Roman Salzmann

Demenz betrifft alle ‚Äď also auch jene, die nicht erkrankt sind oder im pers√∂nlichen Umfeld eine demente Person kennen. Denn wer gesund und urteilsf√§hig ist, sollte sich √ľberlegen, was passiert, wenn das Leben und die Erinnerung pl√∂tzlich verr√ľcktspielen: Was passiert mit dem eigenen K√∂rper, wenn der pers√∂nliche Gesundheitszustand so schlecht ist, dass man selber nicht mehr entscheiden kann? Oder: Wie werden die eigenen Verm√∂gensverh√§ltnisse geregelt, wenn man selber nicht mehr urteilsf√§hig ist?

Solidarität in der Familie stärken

Markus Riz von der RGB Consulting in Gossau ist Spezialist auf dem Gebiet des Kindes und Erwachsenenschutzrechts (KES-Rechts). Er betont, dass mit dem seit vier Jahren g√ľltigen neuen KES-Recht unter anderem die Solidarit√§t in der Familie gest√§rkt und der Staat entlastet werden sollen. Zudem gehe es unter anderem um den besseren Schutz urteilsunf√§higer Personen in Wohn- und Pflegeeinrichtungen. Das Gesetz erm√∂gliche n√§mlich, die eigene Vorsorge in die Hand zu nehmen, solange man selber noch voll urteilsf√§hig ist: Ein sogenannter Vorsorgeauftrag k√∂nne vermeiden helfen, dass im Falle¬†der eigenen Urteilsunf√§higkeit die Kinderund Erwachsenenschutzbeh√∂rde aktiv werden muss. Geregelt werden darin die Personensorge rund um das k√∂rperliche, geistige und seelische Wohl, die Verm√∂genssorge und die Vertretung im Rechtsverkehr. Riz bezeichnet den Vorsorgeauftrag gem√§ss dem neuen Kindes- und Erwachsenenschutzrecht als ¬ęvielschichtiger als die weiter verbreitete Patientenverf√ľgung¬Ľ. In einer Patientenverf√ľgung kann man zum Beispiel festlegen, welches die pers√∂nliche Werthaltung bei medizinischen Eingriffen ist oder wer die Vertrauensperson ist, die f√ľr eine nicht urteilsf√§hige Person spricht.

Tod nicht totschweigen

Wer einen Vorsorgeauftrag ausarbeitet, sollte √ľberdies auch dar√ľber nachdenken, wie der eigene Nachlass richtig geordnet wird und anschliessend wunschgem√§ss verteilt werden kann ‚Äď ob mittels Testament, mit einem Erbvertrag oder mit einer Schenkung zu Lebzeiten. Eine deutsche Studie zeigt auf, dass mehr als die H√§lfte der Bev√∂lkerung nicht gerne √ľber den Erbfall redet. Doch totschweigen ist mit Blick auf Tod und Demenz offensichtlich ein schlechter Ratgeber, wenn man weiss, wie viel Leid und Streit dadurch angerichtet werden kann.

 

Einige weiterf√ľhrende Internetseiten:
www.kesb-zh/vorsorgeauftrag (Merkblatt Vorsorgeauftrag),
www.ch.ch/de/erbschaft (Nachlassregelung),
www.prosenectute.ch (Ratgeber rund um Vorsorge,
Gesundheit, Finanzen), www.testamentsvollstreckung.ch;
Ratgeber rund um Testament und Willensvollstreckung,
www.gni.tg.ch (Notariate im Thurgau)

 

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