News aus dem Thurgau

Im «Kanzler» weht ein frischer Wind

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23.04.2018
Die Sozialpsychiatrische Betreuungseinrichtung «Kanzler» erhält eine neue Heimleiterin: Daniela Haag war noch gar nicht geboren, als ihr Vorgänger, Rolf Kessler, anfing. Doch sie weiss, worauf es ankommt.

Menschen mit psychischen Problemen oder psychiatrischen Erkrankungen haben es schwer, ihren Alltag alleine zu bewĂ€ltigen. Seit 1981 werden Menschen mit BeeintrĂ€chtigungen in den Sozialpsychiatrischen Wohn-gruppen des «Kanzler» Schritt fĂŒr Schritt in die SelbststĂ€ndigkeit gefĂŒhrt. Zurzeit bietet der «Kanzler» an verschiedenen Standorten Platz fĂŒr 20 Bewohnerinnen und Bewohner. Nun ĂŒbernimmt Daniela Haag die Heimleitung. Der bisherige Leiter, Rolf Kessler, geht in Pension.


Bewohner entscheiden selbst


Rolf Kessler war 30 Jahre lang Teil des «Kanzler», davon 16 Jahre als Leiter der Institution. Gerade der hohe Selbstbestimmungsgrad der Bewohner zog ihn damals an: «Der â€čKanzlerâ€ș war 1981 die erste sozialpsychiatrische Wohngruppe im Thurgau. Er verkörperte andere Werte als damalige Anstaltspsychiatrien.» Dies sei auch der Grund, wieso die Betreuten den «Kanzler» so schĂ€tzten: «Hier stellen wir den Menschen ins Zentrum und arbeiten persönlich und entwicklungsorientiert.» Oberstes Ziel sei es, den Bewohnern grösstmögliche SelbststĂ€ndigkeit und Integration in das gesellschaftliche Leben zu ermöglichen. Gerade deshalb habe man auch die Aufenthaltszeit laufend nach oben erweitert: «FrĂŒher war der â€čKanzlerâ€ș ein Übergangswohnheim mit einer Aufenthaltszeit von maximal zwei Jahren. Dank steter Weiterentwicklung ermöglichen heute verschiedene Wohn- und Betreuungsformen einen internen Übertritt in eine weniger betreute Wohnform. Dadurch ist die Aufenthaltszeit heute nach oben offen», erklĂ€rt Rolf Kessler.


Übergangsphase seit Januar


Der Leitungswechsel ist bereits seit Januar im Gange, denn Daniela Haag wurde auf Anfang des Jahres Co-Leiterin des «Kanzler». So konnte sie von den Erfahrungen von Rolf Kessler profitieren. «Diese Zusammenarbeit war fĂŒr mich mitentscheidend, die Heimleitung zu ĂŒbernehmen», sagt die neue Leiterin. Das Vertrauen, welches ihr von allen Seiten und besonders von Rolf Kessler entgegengebracht wird, motiviere sie zusĂ€tzlich. Daniela Haag ist aber nicht erst seit Januar im «Kanzler». Bereits seit vier Jahren gehört sie zum Betreuungsteam. An der Institution schĂ€tze sie vor allem die persönliche Betreuung der Bewohner. «Jeder Mensch ist einzigartig, dies spiegelt sich auch in unseren Angeboten wider», sagt die 29-jĂ€hrige. Die gelernte SozialpĂ€dagogin und Expertin fĂŒr die LehrabschlussprĂŒfungen der Fachangestellten Betreuung (FaBe) hat bereits ĂŒber zehn Jahre Erfahrung in der Arbeit mit Behinderten gesammelt. «Es ist eine bereichernde Arbeit, Menschen mit einer BeeintrĂ€chtigung auf ihrem Lebensweg zu begleiten und sie in der Selbstgestaltung ihres Lebens zu unterstĂŒtzen», fĂŒhrt sie aus.
Rolf Kessler und Daniela Haag haben in den vergangenen Monaten eng zusammengearbeitet und freuen sich nun auf die Zukunft. WÀhrend Daniela Haag bereits am Masterstudium Sozialmanagement ist und erste Projekte im «Kanzler» ins Visier nimmt, lÀsst sich Rolf Kessler Zeit mit der Planung. Denn nicht nur die Heimleitung will gelernt sein, sondern auch der Ruhestand.

«Kanzler» gehört zum tef

Die Sozialpsychiatrischen Betreuungsangebote des «Kanzler» gehören zur Thurgauischen Evangelischen Frauenhilfe (tef). Bereits 1942 kaufte der Verein die Liegenschaft des heutigen «Kanzler» an der Kanzlerstrasse in Frauenfeld. Damals wurde es noch als «Töchterheim Sonnhalde» genutzt. 1980 wandelte tef das Töchterheim in eine sozialpsychiatrische Wohngruppe um. Heute ist der «Kanzler» eine selbstagierende Institution. Der Vorstand des Frauenvereins wĂ€hlt lediglich die Betriebskommission des «Kanzler». Diese verwaltet die Institution selbststĂ€ndig und entscheidet auch ĂŒber das Leitungsteam.  ph

30. April 2018, Text: Pascal HĂ€derli, Bild: zVg)

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