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Leben und Glauben

Jeanette Macchi-Meier: «Ich war eine Baby-Christin»

von Tilmann Zuber
min
10.10.2025
Sie war Miss-Schweiz-Kandidatin, fuhr Lastwagen und sang in der Band E-Rotic. Dann fand sie zu Jesus und moderiert heute die Sendung «Fenster zum Sonntag». Doch bis dahin nahm sie einige, teils schmerzhafte Umwege, wie Jeanette Macchi-Meier im Jugendgottesdienst im solothurnischen Balsthal erzählte.

«Wer von euch möchte berühmt sein?», fragt Jeanette Macchi-Meier die Jugendlichen, die an diesem Abend in den Gottesdienst gekommen sind. Einige der 50 Teenager heben die Hand – manche zögerlich, andere selbstbewusst. Sie sitzen im Kirchgemeindehaus und hören, wie Macchi-Meier von den Wendungen ihres Lebens erzählt. Heute moderiert die 52-Jährige die freikirchliche Sendung «Fenster zum Sonntag». Doch bis sie dort ankam, brauchte es Umwege. «Der Mensch denkt, Gott lenkt», fasst sie zusammen.

Wohlbehütet und rebellisch «mit einer Riesenklappe»

Im Kanton Zürich wohlbehütet aufgewachsen, wollte Jeanette Macchi-Meier schon immer auffallen. Sie sang und posierte vor dem Spiegel. «Ich wollte aus der Masse herausstechen», gesteht sie. Als Teenager rebellierte sie, schloss sich einer Heavy-Metal-Gruppe an, wurde aggressiv, trank Alkohol und «hatte eine Riesenklappe». Eines Tages legte sie sich mit einer Mädchengang am Zürcher Hauptbahnhof an und wurde niedergestochen. Im Uni-Spital wurde sie notoperiert, doch die inneren Blutungen waren so schwer, dass eine zweite Operation nötig war. «Ich wollte eine schöne Narbe», erinnert sich Macchi-Meier und erzählt, wie sie in ihrer Not zu Gott betete: «Wenn es dich gibt, gib mir eine Chance.»

Jeanette überlebte – und stürzte in eine Identitätskrise. Keine ihrer Freundinnen besuchte sie im Spital. Sie fühlte sich allein und orientierungslos. Sie wollte Musik machen und nahm Schlagzeugstunden bei einem Lehrer mit langen Haaren, der ihr von Jesus erzählte. Doch für sie waren Christen damals langweilige Spassbremsen, «Loser in Birkenstocksandalen» – heute seien die ja immerhin modisch, scherzt Macchi-Meier.

«Nichts im Leben ist gratis»

Der Schlagzeuglehrer beeindruckte sie dennoch. Seine Zufriedenheit und das Gefühl, angenommen zu sein, faszinierten sie. «Das hatte ich lange gesucht», sagt sie. Er erklärte ihr, sie müsse nur glauben, es sei gratis. Jeanette glaubte nicht daran. «Nichts im Leben ist gratis», dachte sie. Trotzdem betete sie zu Hause: «Jesus, ich habe Mist gebaut. Bestimme du über mein Leben.»

Doch die «rebellische Jeanette» bestimmte weiterhin selbst. Sie bewarb sich bei der Miss-Schweiz-Wahl und schaffte es in die Ausscheidung. Die zierliche Blondine, die schwere Lastwagen fuhr, kam beim Publikum gut an. Zwar konnte sie sich kein Krönchen aufsetzen, doch sie wurde Frontsängerin der deutschen Band E-Rotic. «Ich hatte kein Problem damit, sexistische Texte zu singen», gesteht sie den Jugendlichen. Nebenbei moderierte sie die Erotiksendung «TV Star».

«Ich war eine Baby-Christin», sagt sie heute über diese Zeit. «Mir fehlte die christliche Reife.» In Interviews erklärte sie, Jesus Christus sei ihr Vorbild, doch die Medien nahmen sie nicht ernst. Sechs Jahre lebte sie «ein Christenleben mit dem einen Bein bei Gott und dem anderen im Showbusiness».

«Irgendwann sagte Gott: Jetzt reicht’s!», erzählt Macchi-Meier. Sie kündigte beim Privatsender, weil sie ihre Auftritte nicht mehr mit ihrem Glauben vereinbaren konnte. Nach zwei Jahren Bibelschule wurde sie Moderatorin und Aushängeschild von «Fenster zum Sonntag». Als sie sich endgültig zu Gott bekannte, titelte der «Blick»: «Vom Saulus zum Paulus».

«Mit Gott wird es nicht langweilig»

Diesen Schritt hat Jeanette Macchi-Meier nie bereut. «Mit Gott wird es nicht langweilig», sagt sie. «Ich besuche eine Kirche und Hauskreise – das bereichert mich sehr.» Für den Spurwechsel sei sie Gott dankbar. Ihr Leben sei kein Loser-Leben, im Gegenteil: «Das Leben mit Gott ist ein grosses Abenteuer», erzählt sie den Jugendlichen. Eine der Jugendlichen fragt sie: «Würden Sie heute etwas anders machen?» Macchi-Meier überlegt kurz. «Die Umwege brauchte es, um zu der Person zu werden, die ich heute bin. Vielleicht hätte ich das mit Jesus früher kapieren können, aber dann hätte ich nicht so viel erlebt.»

 

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