Konfirmation ist Selbstbefähigung
Ob Vision Quest bei indigenen Kulturen in Nordamerika oder Konfirmation, beziehungsweise Firmung im Christentum: Die Kulturen der Welt kennen Übergangszeremonien für den schwierigen Weg durch die Pubertät. Wenn aus Kindern oder Jugendlichen langsam Erwachsene werden, sind die Glaubens- und Religionsgemeinschaften da, geben Halt und Orientierung. Deshalb ist Konfirmation im besten Sinne des Wortes Empowerment, was auf Deutsch am ehesten mit Selbstermächtigung oder Selbstbefähigung übersetzt werden kann.
Seit der Reformation ist die Segnung von Konfirmanden zunächst Tauferinnerung. Inzwischen ist sie weit mehr. Sie ist die Zusage Gottes in der schwierigen Übergangsphase zwischen Schule und Beruf im Sinne von: Ich bin bei dir und begleite dich, wenn es darum geht, Verantwortung zu übernehmen und sich Herausforderungen zu stellen. Ist es dann in der Konf-Zeit nicht folgerichtig, Gespräche und Entscheidungsfindung auf Augenhöhe einzuüben?
Kirche ein Gesicht verleihen
Vor diesem Hintergrund haben sich die Konfirmandinnen und Konfirmanden aus Scherzingen und Bottighofen auf ein besonderes Projekt eingelassen. Die Teilnahme am globalen Netzwerk Inside-Out des französischen Streetart-Künstlers JR. Sein Markenzeichen: schwarz-weisse Porträtaufnahmen auf den unterschiedlichsten Häuserfronten, auf allen Kontinenten. Unter dem Motto «Living Stones» («Lebendige Steine») haben die zwölf Jugendlichen insgesamt 72 Personen aus der Kirchgemeinde fotografiert und die digitalen Porträts nach Paris verschickt.
Jetzt liegen die Aufnahmen mit dem typischen schwarzweiss-Signet des Künstlers vor. Herausforderung: Die Fotos auf Plakaten an irgendeiner Aussenfassade anbringen und so Kirche vor Ort ein echtes «Gesicht» verleihen.
Statement verfasst
Das Motto des Projekts stammt aus der Bibel. Gemäss Petrus bestehen Kirchen eigentlich nicht aus Granit oder Basalt. Vielmehr sind es die Menschen aus Fleisch und Blut, die Gott immer wieder neu und anders in ihrem Alltag repräsentieren und bezeugen. Zu diesem Leitmotiv haben die Jugendlichen ein Statement verfasst, das auf der Website Inside-Out nachzulesen ist: «Wir stehen für eine Gemeinschaft in Vielfalt ein, für eine Kirche, die Demokratie will und Frieden weltweit voranbringt. […] Der Schweizer Kanton Thurgau ist für seine multikulturelle Bevölkerung bekannt. Das Zusammenleben jenseits der Grenzen von Sprache, Kultur und Religion wird hier seit vielen Jahrzehnten im Alltag praktiziert.»
Dazu hat Zeichner Rüdiger Pfeffer einen passenden Comic umgesetzt. Die Konfirmanden befragen derzeit die Menschen nach ihren Lebens- und Glaubensgeschichten, damit die Geschichten hinter den Gesichtern sichtbar werden. Wo und wie die 90 mal 135 Zentimeter grossen Plakate zur Konfirmation am 7. Juni 2026 exakt angebracht werden, ist noch offen. Eine Menge Arbeit steht noch an und die Jugendlichen spüren: Konfirmation ist Empowerment.
Die vier Kasualien
Kasualien sind gottesdienstliche Feiern an den Wendepunkten des Lebens. Dazu gehören die Taufe, die Konfirmation, die Hochzeit und die Beerdigung. Im Kirchenboten nehmen wir die vier Kasualien und ihre Bedeutung in der heutigen Zeit unter die Lupe. (cyr)
Konfirmation ist Selbstbefähigung