News aus dem Thurgau

Mehr als ein schönes Fest

von Lars Heynen
min
31.07.2026
Ein Kind kommt zur Welt. Im Leben der frischgebackenen Eltern ist auf einmal alles anders. Die Taufe spricht in diesen Anfang hinein. Sie erzählt von geschenkter Würde, verspricht Gottes Nähe auf dem Lebensweg und stellt den Täufling in eine Hoffnungsgemeinschaft, die mit unterwegs ist.

Wer ein Neugeborenes im Arm hält, schaut für einen Augenblick dem Wunder des Lebens in die Karten. Eltern, die ihr Kind zur Taufe bringen, wollen ihrem Dank Ausdruck verleihen. Zudem hoffen sie, dass ihr Kind gesund bleibt, glücklich wird, dass sein Leben gelingt. Sie kennen aber auch die Sorge, dass es krank werden oder scheitern könnte. Die Taufe nimmt diese Spannung auf.

Du bist wertvoll

Kinder lernen früh, wie die Welt um sie herum funktioniert. Wer etwas gut kann, wird gelobt. Wer Fehler macht, spürt Missbilligung. Sie verstehen, dass man sie an dem misst, was sie leisten, noch bevor sie das benennen können. Die Taufe setzt dem Druck einer Leistungsgesellschaft ein notwendiges Gegengewicht entgegen: Du bist wertvoll, auch wenn du hinter fremden oder eigenen Erwartungen zurückbleibst, oder gar nichts mehr leisten kannst.

«Ich bin bei dir»

Bei der Taufe versprechen Eltern und Paten, ihr Kind im Glauben zu begleiten und ihm davon zu erzählen. Die Gemeinde nimmt das Kind auf, und nimmt damit auch eine Aufgabe an: dem Kind den Glauben weiterzugeben, durch Erzählen, durch Vorleben, durch ein Leben, das ihn kenntlich macht. So bleibt die Taufe nicht private Feier, sondern schreibt das Kind in eine grössere Geschichte hinein. Dazu kommt die Zusage Jesu: «Ich bin bei dir.»

Der evangelische Theologe Wilfried Härle bringt es auf eine dichte Formel: Die Taufe «rückt das einzelne menschliche Leben in die heilvolle Perspektive Gottes». Gott erkennt das Kind als sein Kind an, mit einer Würde, die nicht verdient werden muss, und mit einer Perspektive, die über das irdische Leben hinausreicht. Gott lässt das Werk, das er geschaffen hat, nicht los. Und die Gemeinde trägt diese Zusage mit, als Gegengewicht zu einem Alltag, in dem man sich oft auf sich selbst zurückgeworfen fühlt. Da, wo Erwachsene sich taufen lassen, sagen sie selbst «Ja» zu dieser Zusage und werden von derselben Gemeinschaft empfangen.

Söckchen, Bäume, sichtbare Zeichen

In vielen Thurgauer Gemeinden wird diese Gemeinschaft sichtbar. Taufbäume und Taufseen halten den getauften Menschen im Blick, auch wenn die Familie nicht mehr regelmässig dabei ist. Die Symbole hängen in der Kirche, wandern später zurück zu den Familien: ein Faden, der nicht reisst. In Romanshorn beginnt das schon vor der Taufe. Eltern erhalten nach der Geburt ein Glückwunschschreiben mit handgestrickten Söckchen vom Frauenarbeitskreis und der Einladung, ihr Kind taufen oder segnen zu lassen. Das Kind weiss noch nichts davon. Aber die Zusage liegt schon bereit – und eine Gemeinschaft auch.

 

Die vier Kasualien

Kasualien sind gottesdienstliche Feiern an den Wendepunkten des Lebens. Dazu gehören die Taufe, die Konfirmation, die Hochzeit und die Beerdigung. Im Kirchenboten nehmen wir die vier Kasualien und ihre Bedeutung in der heutigen Zeit unter die Lupe. Zum Thema Taufe werden die Tauferinnerung und die Erwachsenentaufe separat behandelt. cyr/kia

 

 

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