(Un)Erfüllter Kinderwunsch
Monika Ceretto hatte mit Mitte 30 die Hoffnung auf einen Partner eigentlich aufgegeben. Bei einem Blind-Date lernte sie ihren heutigen Mann kennen, beide waren damals 39. «Für mich war das Thema Kinder abgeschlossen, aber mein Mann bat mich, darüber nachzudenken », sagt Monika. Sie freundete sich mit dem Gedanken an, wollte jedoch zuerst heiraten, das war ihr sehr wichtig. Es klappte nicht sofort mit der Schwangerschaft, der Druck wurde grösser, die biologische Uhr tickte. Monika sagt: «Wir hatten die Hoffnung aufgegeben und uns damit abgefunden.» Kaum war der Druck weg, wurde Monika schwanger. Während der Schwangerschaft kamen neue Überlegungen dazu: Ist das Kind gesund, verläuft die Schwangerschaft problemlos? Allzu viele Tests wollte das Paar nicht machen.
Am 3. März 2010 kam Tochter Selina gesund auf die Welt, Monika war mit 45 Jahren glückliche Mutter geworden. Ob sie sich je als «älteres» Mami vorkommt? «Nein, das Alter war und ist in der Familie kein Thema. Es waren eher die Gspänli von Selina, die wissen wollten, wie alt wir sind», sagt Monika, die mit ihrer Familie im Aargau lebt. Sie geniessen die Zeit mit ihrer Tochter, unternehmen viel gemeinsam. Im Wissen darum, dass eine späte Schwangerschaft mit einem gesunden Kind unglaublich und bereichernd ist.
Mein Alter war in der Familie nie ein Thema.
Hannas Gebet und Samuels Geburt
Es war ein Mann von Ramatajim-Zofim, vom Gebirge Ephraim, der hiess Elkana. Und er hatte zwei Frauen; die eine hiess Hanna, die andere Peninna. Peninna aber hatte Kinder und Hanna hatte keine Kinder. Dieser Mann ging jährlich hinauf von seiner Stadt, um anzubeten und dem Herrn Zebaoth zu opfern in Silo.
Hanna gab er nur einen Anteil, obgleich er Hanna liebhatte; der Herr aber hatte ihren Leib verschlossen. Da stand Hanna auf, nachdem sie in Silo gegessen und getrunken hatten. Und sie war von Herzen betrübt und betete zum Herrn und weinte sehr und gelobte ein Gelübde und sprach: Herr Zebaoth, wirst du das Elend deiner Magd ansehen und an mich gedenken und deiner Magd nicht vergessen und wirst du deiner Magd einen Sohn geben, so will ich ihn dem Herrn geben sein Leben lang.
Und als sie angebetet hatten vor dem Herrn, kehrten sie wieder um und kamen heim nach Rama. Und Elkana erkannte Hanna, seine Frau, und der Herr gedachte an sie. Und als die Tage um waren, ward Hanna schwanger, und sie gebar einen Sohn und nannte ihn Samuel; denn, so sprach sie, ich hab ihn von dem Herrn erbeten.
Kein Versprechen, aber Hoffnung
Eine spontane Schwangerschaft in diesem Alter ist eher selten. Das sagt Frau Dr. Christiane Anthon, Co-Leiterin von Milagro dem Kinderwunsch- und Hormonzentrum in Kreuzlingen. «Ich kann keinem Paar ein Versprechen geben, aber eine Hoffnung», sagt die Ärztin. Milagro heisst übersetzt «Wunder». Für Christiane Anthon ist jede Schwangerschaft, ob spontan oder mit medizinischer Unterstützung, ein Wunder. Zu ihr kommen Paare, bei denen sich nach einem Jahr trotz regelmässigem Zyklus und Verzicht auf Verhütungsmittel keine Schwangerschaft einstellt. Im Thurgau sind 10 bis 15 Prozent der Paare davon betroffen.
Nach einem Erstgespräch, bei dem unter anderem über Familienkrankheiten und gesundheitliche Themen gesprochen wird, wird eine Basis-Diagnostik durchgeführt. Dabei wird die Fruchtbarkeit der Frau und des Mannes genau untersucht. «Sind alle Abklärungen getätigt, wird gemeinsam überlegt, welche medizinischen Behandlungen ergriffen werden können», sagt Christiane Anthon. Dabei spielen bei den Paaren auch religiöse sowie moralische Überlegungen eine grosse Rolle. Entsprechend entscheiden sich einige Paare gegen weitere Schritte wie etwa eine In-Vitro-Fertilisation (IVF), andere hingegen wollen den Kinderwunsch nicht aufgeben. Es sei jedoch entscheidend, ehrlich zu sagen, wenn der Kinderwunsch unerfüllt bleibt, so Anthon.
Ohne Glaube wäre es schwierig gewesen.
Gott hatte anderen Lebensplan
Die Hoffnung auf ein Kind mussten Flavia und Mathias Hüberli aus gesundheitlichen Gründen aufgeben. Flavia Hüberli litt an einer sehr ausgeprägten Endometriose und musste deswegen operiert werden. Die gesundheitliche Besserung stand deshalb über lange Zeit höher als der Wunsch nach einem Kind. Deshalb haben sich die beiden gegen weitere medizinische Massnahmen entschieden. «Wir wollten vor allem leben und nicht auf eine Hoffnung hinleben», sagt das Paar. Halt haben sie im Glauben gefunden. «Wir glauben an einen Gott, der einen guten Plan für unser Leben hat. Dass dieser Plan anders aussieht, haben wir akzeptiert. Ohne Glaube wäre das schwierig gewesen.»
Ein Kind zu adoptieren, sahen sie als mehrjährigen und aufwendigen Prozess, ohne Garantie, dass es gelingt. In ihrer Lebensplanung fand ein Umdenken oder Neudenken statt. Beide haben sich damals beruflich in der Kinderund Jugendarbeit engagiert und sind Gotte und Götti. Die beiden arbeiten leidenschaftlich gern – sie bei der Fachstelle Gemeindeentwicklung bei der Thurgauer Landeskirche und als Sozialdiakonin im Open Place in Kreuzlingen, er als Jugendarbeiter in Wängi. Für beide war es eine sehr bewusste Entscheidung, sich mit anderen über deren Kinder zu freuen. Das sehen sie ebenfalls als Geschenk Gottes. Sie bezeichnen sich deshalb als glücklich und zufrieden mit ihrem Leben. «Auch ohne Kinder kann man ein Segen sein auf dieser Welt», lautet ihr Fazit.
Prinzip Hoffnung
«Prinzip Hoffnung» lautet 2026 das Jahresschwerpunktthema des Kirchenboten. Als Basis zu einer theologischen Betrachtung mit fachlichem Aktualitätsbezug dient jeweils eine mutmachende Bibelstelle – diesen Monat ist es Kapitel 8 aus dem Römerbrief.

(Un)Erfüllter Kinderwunsch