News aus dem Thurgau

Was das Huhn mit Ostern zu tun hat

von Claudia Koch
min
01.04.2026
Eier und Hühner sind fest mit Ostern verbunden. Ein guter Grund, sich vertieft mit einem der häufigsten Nutztiere zu befassen. Ein Besuch auf dem biologisch-dynamischen Feldhof in Scherzingen.

Henne sollte man sein. Den ganzen Tag scharren, picken, gelegentlich ein Ei legen und in der Höhe ein Nickerchen halten. So sieht der Tagesablauf eines Huhns aus, wenn es auf dem Feldhof in Scherzingen leben darf.

«Wir haben rund 30 Hühner, darunter auch mehrere Güggel, die bei uns in einem grossen Gehege untergebracht sind», sagt Verena Tschudin, die mit ihrem Mann den Hof nach Demeter- und Bio Suisse-Zertifizierung führt. Ihr Fokus liegt auf dem biologisch-dynamischen Gemüseanbau, deren Produkte sie im Hofladen und auf Märkten verkaufen sowie an Restaurants liefern.

Ausgeprägtes Sozialverhalten

Daneben hat es auf dem weitläufigen Hof Rinder, zwei Esel sowie einen Hofhund. Und eben Hühner, die für Verena Tschudin mehr ein Hobby sind. Sie sagt dazu: «Unsere Hennen sind nicht auf Leistung ausgelegt. Die Eier reichen gerade für den Hofladen». Inzwischen staksen der Hauptgüggel und ein paar Hennen über den Hof. «Wir haben sehr eigensinnige Hühner», sagt Tschudin lachend.

Das Haushuhn stammt aus dem asiatischen Urwald und wurde vor rund 3500 Jahren domestiziert. Das Naturmuseum Frauenfeld hatte just vor einem Jahr eine Gastausstellung im ‹Museum zu Allerheiligen Schaffhausen› zum Thema «Hühner – unterschätztes Federvieh». Die Schweiz wies 2021 einen Bestand von rund 15 Millionen Nutzhühnern auf. Etwa zwei Drittel der Nutzhühner sind Mastpoulets, der Rest dient der Eierproduktion. Wiederum zwei Drittel der Schweizer Legehennen leben in Freilandhaltung.

Hühner sind keineswegs dumm, sondern haben ausgeprägte kognitive Fähigkeiten. Auch zeigen Hühner ein ausgeprägtes Sozialverhalten. Jedes Huhn kennt seinen Platz in der Gemeinschaft und weiss anhand der Hackordnung, wer der Chef ist. Wie auf dem Feldhof, wo es einen Chefgüggel gibt. Die anderen Güggel müssen sich unterordnen, sonst gibt es Ärger. «Damit wir nicht zu viele Hähne haben, schlachten wir einige Güggel pro Jahr für den Eigenverzehr», sagt Tschudin.

In der Bibel fällt dem Hahn eine unrühmliche Rolle zu. In allen vier Evangelien wird berichtet, dass Petrus Jesus dreimal verleugnet und kurz darauf ein Hahn kräht. Dennoch hat der Hahn auf vielen Kirchturmspitzen einen Ehrenplatz erhalten: einerseits als Wetterhahn, andererseits als Mahner zur Glaubenstreue wegen des Verrats Christi durch Petrus.

Gottes Fittiche als Schutz

Das Huhn wird auch als starkes Bild für Gottes schützende Fürsorge und aufopfernde Liebe verwendet. Jesus vergleicht im Matthäusevangelium (Mt 23,37) seine Bemühungen um die Menschen mit einer Henne, die ihre Küken unter ihren Flügeln sammelt. Oder in Psalm 91 «Unter Gottes Schutz» heisst es: «Er wird dich mit seinen Fittichen decken, und Zuflucht wirst du haben unter seinen Flügeln.»

Gott wird mit einer liebevollen Henne verglichen, als Sinnbild für Schutz und Geborgenheit, die ihre Küken vor Gefahren schützt. Das Produkt der Henne, das Ei, wird wie kein zweites Symbol mit Ostern und der Auferstehung verbunden: Aus dem Ei schlüpft neues Leben. Die Eier durften früher während der Fastenzeit nicht gegessen werden, deshalb wurden sie gekocht und zu Ostern verzehrt.

Das Wunder des neuen Lebens erfährt die Familie Tschudin stets, wenn sie eine Henne ihre Eier ausbrüten lässt. Drei Wochen lang verlässt die Henne kaum ihr Nest. Das Schlüpfen der Bibelis ist für Verena Tschudin jedes Mal aufs Neue eine grosse Freude.

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