Wer sündigt, schädigt sich selbst
Thomas Bachofner, Mitglied im Vorstand der IThBK und Vertreter der Evangelischen Landeskirche des Kantons Thurgau an der Konferenz in Meersburg, ist dagegen, den Begriff «Sünde», eine biblisch-theologische Kategorie, dem Zeitgeist zu opfern. Er stimmt darin mit Thorsten Dietz überein, dem Autor des Buches «Sünde: Was Menschen heute von Gott trennt».
Der deutsche Theologe von «Fokus Theologie», der Fachstelle für theologische Erwachsenenbildung der evangelischreformierten Kirchen in der Deutschschweiz, hält es für richtig, auch in der heutigen Zeit am Begriff festzuhalten, allerdings im Sinne einer ehrlichen Beschreibung menschlicher Realität und nicht als Drohgebärde.
Thomas Bachofner empfiehlt, sich auf das heilsame Wirken Gottes einzulassen, statt sich gegen den Begriff «Sünde» aufzulehnen. (Bild: Georg Stelzner)
Auf heilsames Wirken einlassen
«Sünden vermindern das Leben und fügen letztlich auch der sündigenden Person Schaden zu», sagt Bachofner. Der Pfarrer und Leiter des Zentrums für Bildung und Spiritualität, Tecum, begründet diese Einschätzung mit der destruktiven, zersetzenden Kraft der Sünde. InterWer sündigt, schädigt sich selbst essant sind in diesem Zusammenhang jene Worte, die Paulus an die Christen in Rom richtet. «Das Gute, das ich will, das tue ich nicht; sondern das Böse, das ich nicht will, tue ich. Nicht ich tue es, sondern die Sünde, die in mir wohnt», schreibt der Apostel.
Können wir also gar nichts dafür, wenn wir sündigen? Doch, denn der Mensch trage Verantwortung, entgegnet Bachofner. Je mehr wir uns gegen die Sünde auflehnten, desto besser könnten wir uns aus dieser Verstrickung lösen. Sich auf das heilsame Wirken Gottes einzulassen, helfe dabei. Paulus stellte klar: (Röm 6,15-23) Auch wenn Jesus die Menschen von der Sklaverei der Sünde befreit hat, so ist dies kein Freibrief, Sünden zu begehen: «Denn der Sünde Sold ist der Tod; die Gabe Gottes aber ist das ewige Leben in Christus Jesus, unserm Herrn.»
Was ist Gut oder Böse?
Ist die Sünde – gerade in Zeiten eines ausufernden Hedonismus (ausgeprägtes Lustprinzip) – also per se ein Thema? Man kann dies bejahen, denn die Frage nach Gut und Böse treibt die Menschen seit jeher um, wobei es bisweilen nicht einfach ist zu sagen, was «gut» und was «böse» ist. Es gibt auch Grauzonen. So wird zum Beispiel bei weitem nicht jede Sünde strafrechtlich verfolgt. Soll angesichts dessen weiterhin über die Sünde gepredigt werden? Wo endet die Relevanz, wo beginnt das Risiko?
Für Thomas Bachofner steht die Frage im Raum, ob man angesichts von Krieg und Terror der Wirklichkeit gerecht werden könnte, würde man die Sünde aus dem Bewusstsein verbannen. Seine Antwort fällt klar aus: «Meiner Meinung nach kann man auf diese theologische Kategorie nicht verzichten.» Bachofner warnt aber davor, alte Angst einflössende Bilder zu reaktivieren. Dietz gibt entsprechend zu bedenken, dass auch mit dem Begriff «Sünde» schon gesündigt worden sei.
Anmeldung per Mail an: eb.bodensee@kbz.ekiba.de
Völker- und kirchenverbindend
Die Internationale Theologische Bodenseekonferenz wurde nach dem Zweiten Weltkrieg ins Leben gerufen. Die Zusammenkünfte finden jährlich zu einem bestimmten Thema statt, heuer zum 73. Mal.
Zur Teilnahme eingeladen sind Pfarrpersonen, kirchliche Mitarbeitende und Behördenmitglieder sowie interessierte Personen aus den Kantonen Thurgau und St.Gallen sowie aus Baden-Württemberg, Bayern und Vorarlberg.
Die Konferenz dient dazu, gemeinsam über relevante theologische und gesellschaftliche Fragen nachzudenken und zu diskutieren. Sie bietet zudem Gelegenheit, Kooperationen anzubahnen, wodurch ihr auch ein völkerverbindender Charakter innewohnt.
Nebst Thomas Bachofner ist die Evangelische Landeskirche des Kantons Thurgau mit Pfarrer Arno Stöckle im sieben Mitglieder zählenden Vorstand vertreten, der jeweils das Tagungsthema festlegt.
Wer sündigt, schädigt sich selbst