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Kultur

Wassermangel im Wasserschloss

25.03.2022
Wasser ist keine Selbstverständlichkeit. Das rücken die in den vergangenen Jahrzehnten erlebten Hitzesommer selbst im Thurgau ins Bewusstsein.

Die Schweiz gilt als «Wasserschloss Europas ». Und selbst hier hat sich über die vergangenen Jahre vermehrt eine Sorge um die Wasserversorgung breitgemacht. Agrarregionen wie der Thurgau sind besonders von der Trockenheit betroffen, benötigt der Anbau von Gemüsekulturen doch reichlich Wasser. Nachdem der Jahrhundertsommer 2003 alle bisher aufgestellten Hitzerekorde purzeln liess, musste auch 2015 und 2018 ein «Fachstab Trockenheit» ins Leben gerufen werden. Dieser erliess nach den heissesten Tagen im Juli gar ein Wasserentnahmeverbot für einen Grossteil der Thurgauer Gewässer. Aufgrund der tiefen Pegelstände mussten zudem Kilometer an Gewässern abgefischt werden, damit die darin enthaltenen Fische nicht verenden.

Zwei Grad wärmer als 1864
Heisse Sommer und trockene Felder scheinen dabei immer mehr zur Regel statt zur Ausnahme zu werden. Das Thurgauer Amt für Umwelt verfolgt die Temperaturentwicklungen genau. Seit Messbeginn 1864 hat die durchschnittliche Jahrestemperatur schweizweit um zwei Grad, im Thurgau um 1,9 Grad zugenommen. Im Speziellen haben sich die Sommer erwärmt: Seit den 1980er Jahren hat sich im Thurgau die Lufttemperatur pro Jahrzehnt um 0,44 bis 0,67 Grad erhöht. Dies liegt teilweise über dem schweizweiten Schnitt von 0,54 Grad. Die Hitzetage sind seit 1970 um zwei bis zweieinhalb pro Jahrzehnt angestiegen.

Verbrauch unter Beobachtung
Ein einziger Grund für die stetig wärmeren Sommer sei dabei schwierig auszumachen: «Wir gehen jedoch davon aus, dass wahrscheinlich der Klimawandel einen grossen Beitrag für die vermehrt auftretende Trockenheit leistet», sagt Heinz Ehmann. Er leitet die Abteilung Gewässerqualität und -nutzung im Amt für Umwelt des Kantons Thurgau und sucht gemeinsam mit dem Landwirtschaftsamt Wege, der Trockenheit Herr zu werden. So ist derzeit eine kantonale Brauchwasserversorgungsplanung in Arbeit. Diese soll die Wasserbeschaffung und -verteilung für den zukünftigen Bedarf der Landwirtschaft, des Gewerbes, der Industrie sowie der Bevölkerung in Normaljahren, aber auch in klimatischen Extremjahren, sicherstellen und die Bewirtschaftung der Wasserressourcen ermöglichen. «Mit dem heutigen Wissen gehen wir davon aus, dass wir auch künftig genug Wasser haben», zeigt sich Ehmann trotz immer wärmerem Klima optimistisch. Allerdings würden Themen wie Wassersparen oder eine bessere Verteilung des vorhandenen Wassers in Zukunft mehr ins Zentrum rücken. «Wenn wir künftig einen bewussteren Umgang mit Wasser pflegen und akzeptieren, dass unsere Wasserressourcen begrenzt sind, lassen sich die Herausforderungen lösen», so Ehmann.

 

(Emil Keller)


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