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Leben & Glauben

«Von wegen verstaubt!»

«Wie können wir noch mehr Menschen fürs Singen begeistern?» Diese Frage beschäftigt Christine Graf vom Verband der evangelischen Kirchenchöre. Um das gemeinsame Musizieren zu fördern, findet ein innovativer Anlass mit prominentem Gast statt.

Von Micha Rippert

In der heutigen Zeit gerät das gemeinsame Singen in den Familien immer mehr in Vergessenheit. Diese Entwicklung hat sich der Verband der evangelischen Kirchenchöre im Thurgau (VEKT) zum Anlass genommen, ein Familiensingen unter prominenter musikalischer Leitung zu organisieren. «Früher trafen sich Kirchenchormitglieder aus dem ganzen Thurgau, um einen Tag lang ein Werk einzuüben und es am Abend in einem Gottesdienst zu singen», erklärt Graf. Für sie ist klar, dass es wichtig ist, die Leute wieder neu für das Singen zu motivieren. Beim VEKT ist man sich einig, dass es befriedigend sein kann, wenn verschiedene Generationen zusammen Musik machen. Graf erkennt, dass erste Singerfahrungen in jungen Jahren einen positiven Einfluss auf die Singaktivität im späteren Leben haben. Ein Familiensingen, in dem Kinder, Eltern und Grosseltern zusammen Lieder einstudieren, eigne sich deshalb ausgezeichnet.

Einander etwas sagen

Linard Bardill, erfolgreicher Liedermacher, Autor und Musiker bekräftigt, dass sich Kinder und Grosseltern viel zu sagen, zu geben und voneinander zu erfahren haben. Bardill nimmt am 14. Januar im Kirchgemeindehaus Sulgen die Gitarre in die Hand und wird durch das Familiensingen führen. Er hat mit solchen Grosseltern-Kinder-Chören («Grokichor») bereits Erfahrung und ist sich deren Möglichkeiten bewusst. Bardill erzählt, dass solch ein ehemaliger «Grokichor» für einen Grossvater und seinen Enkel die einzige Möglichkeit war, sich in dem schwierigen Verhältnis, in dem sie zueinander standen, zu sehen. «Sie waren acht Proben und vier Konzerte lang auf der Bühne und haben sich einfach gegenseitig genossen», schwärmt Bardill. Er erkennt, dass solch ein Familiensingen eine grosse Chance für die oft schwierigen Familienverhältnisse sein kann.

Gutes Leben feiern

Für ihn scheint ein solcher Anlass einen positiven Einfluss auf die Kirchgemeinde zu haben: «Überall, wo sich die Kirche öffnet, entsteht ein Raum einer Gemeinschaft von Leuten, die ohne materielle Absicht das gute Leben feiern. » Der Kontakt zu den Grosseltern könne etwas Bereicherndes und Wegweisendes haben. Für den VEKT war es wichtig, dass der erste Familiensingtag unter einer erfahrenen Leitung stattfinden wird, darum hat man Bardill angefragt. Für diesen ist entscheidend, dass man die Lust zu singen, die in einem steckt, nicht «abwürgt». So zeigt seine Erfahrung, dass jeder und jede singen kann, auch wenn er oder sie es nur leise tun.

Entsteht ein ständiger «Grokichor»?

Entfacht das Familiensingen ein neues Feuer für das gemeinsame Singen, so wäre sogar an die Entstehung eines «Grokichors» im Thurgau zu denken, erkennt man beim VEKT. Trotz der Vorfreude ist sich Graf bewusst, dass man nicht zu viele Erwartungen in einen einzelnen Singtag stecken soll. «Es geht vorerst darum, die Freude am Singen zu wecken und zu zeigen, dass Kirchenchöre alles andere als verstaubt sind und sich auf Neues einlassen» erklärt Graf. Erst danach hoffe man darauf, im nächsten Jahr wieder einen solchen Anlass durchführen zu können.

Familiensingen in Sulgen

Das Familiensingen findet am Samstag, 14. Januar, von 14 bis 16.30 Uhr im evangelischen Kirchgemeindehaus Sulgen statt. Anmeldung: 071 642 40 69, rosmarie.herter@bluewin.ch oder www.vekt.ch.