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Spiritualität

Heisses Eisen oder kalter Kaffee?

Reformationsbücher und -artikel füllen momentan Regale und christliche Zeitschriften. Was ist denn noch für ein inhaltlicher Gewinn zu ziehen aus den Reformationsthemen? Mit dem Tecum-Leiter Thomas Bachofner werfen wir einen Blick auf den Sinn der Besinnung auf die Reformation.

Von David Gysel

Für den Thurgau quasi vor der Zeit – finden sich doch die ersten Spuren der Reformation im Thurgau erst ab 1524 – wird das Jahr 2017 international als Reformationsjubiläum begangen. So stürmisch wie vor 500 Jahren wird es kaum zugehen. Katholische Kirchen werden nicht mehr gewaltsam geräumt und jeweils Andersgläubige hierzulande nicht mehr eingekerkert. Die Evangelische Kirche hat anders als noch 1517 ihren festen Platz im Kanton Thurgau.

Leben, nicht trockene Geschichte

«Die Reformatoren erinnern uns daran, dass die Kirche etwas Lebendiges ist beziehungsweise sein soll. Ein Ort, wo über zentrale Fragen des Lebens und Glaubens nachgedacht wird und neue Wege gewagt werden.» So äussert sich Thomas Bachofner im Hinblick auf die kommende Veranstaltungsreihe «Heisse Eisen oder kalter Kaffee?» zum Reformationsjubiläum: «Mich beeindruckt der Mut der Reformatoren, die sich auf den Boden der Bibel stellten und die Missstände in der damaligen Kirche beim Namen nannten. Wenn wir uns heute mit der Erneuerung der Kirche beschäftigen, geht es zuerst einmal auch um einen ehrlichen, nüchternen und selbstkritischen Blick.» Diesen Blick verknüpft er mit der biblischen und reformatorischen Botschaft, «dass Gott uns bedingungslos liebt, durch Christus all das wegräumt, was uns von
ihm trennt und durch seinen Geist in eine neue Verbindung mit ihm hineinruft.» Heute, «wo der Mensch sich selbst ständig optimieren, seinem Leben Sinn und Ziel verleihen muss und dem Glück nachjagt, ist das eine unheimlich befreiende und entlastende Botschaft.»

Was sollen die aktuellen Spuren sein?

Die Reformation war trotz einiger prägender Personen grundsätzlich eine Basisbewegung. Ebenso soll auch das Jubiläum nicht eine Angelegenheit kirchlicher ‹Elite› sein. «Wenn sich in den Gemeinden viele Menschen im Hören auf die Bibel mit der Frage auseinandersetzen, was Christ- und Kirche-sein im 21. Jahrhundert bedeuten, dann haben wir das Ziel erreicht», meint Thomas Bachofner als Organisator der Veranstaltungen. Dass die Kirche für ihre persönliche und gesellschaftliche Bedeutsamkeit – mit bleibender biblischer Verankerung – ständig reformbedürftig ist, ist übrigens auch eine der vielen Lektionen der Reformationstheologen.