News aus dem Thurgau

Die Seelsorge wahrnehmen

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27.10.2022
Hermann Maywald antwortet auf die Frage, ob Abschied ohne die Öffentlichkeit genommen werden soll.

Auch die stille Abdankung ohne Teilnahme der √Ėffentlichkeit, aber durch Beteiligung der Kirche, nimmt R√ľcksicht auf die Bed√ľrfnisse der Angeh√∂rigen. Was nicht nur durch Corona zunimmt, ist die Abdankung ohne Beteiligung der Seelsorger und Seelsorgerinnen. Das liegt weitgehend an der Individualisierung und Entfremdung gegen√ľber dem christlichen Glauben. Oftmals werden Sterben und Tod verdr√§ngt oder in die Pflegeheime und Spit√§ler verbannt. An ihre Stelle tritt ein bisweilen eigenartig esoterischer Ersatz (Reinkarnation, Engel, Buddhas, Sterne und vieles mehr). Hinzu kommt, dass viele Menschen heute sehr alt werden. Dadurch wird der Kreis von Verwandten und Freunden ganz klein. Darum wird auf eine √∂ffentliche Beerdigung verzichtet. Die in der Kirchenordnung formulierte theologische Begrifflichkeit, dass ¬ędie Erl√∂sung durch Jesus Christus und die Auferstehung verk√ľndet wird¬Ľ ist vielen Mitmenschen heute leider eine fremde Sache geworden.

Die angedeutete gesellschaftliche Entwicklung kann die christliche Gemeinde nicht anders als zur Kenntnis nehmen. Das h√§lt sie nicht ab, Sterben und Tod im christlichen Sinn vielleicht deutlicher zu machen als in den letzten Jahren, weil sie entscheidende Themen sind. Eine Chance bietet sich durch intensive Seelsorge an Sterbenden und Angeh√∂rigen, was sich bei der Coronakrise deutlich gezeigt hat. W√§hrend die √∂ffentliche Abdankung schwindet, tut sich ein Raum auf f√ľr die Seelsorge. Sie ist wesentlich und letztlich das Gewissen der Kirche.

 

(Ernst Ritzi)

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