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Spiritualität

Traumata sind «vererbbar»

23.02.2017
Traumata werden von Eltern oft unbewusst an ihre Kinder weitergegeben. Ein Intensivseminar soll helfen, diesem seelischen Erbe zu begegnen. Das sei auch möglich, wenn man das Trauma gar nicht kenne.

Es geschieht zu viel, zu schnell und zu plötzlich – etwas, das die eigene Sicherheit durchbricht. Der Mensch reagiert, schaltet auf Abwehr, das Erlebnis geht vergessen und der Übergriff oder das Unglück wird tief im Unterbewusstsein begraben. «Das nennt man ein Trauma», erklärt Maja Franziska Friedrich. Sie ist Seelsorgerin in der Rehaklinik Zihlschlacht und wird gemeinsam mit der Trauma-Therapeutin Ina Lindauer und Tecum-Leiter Thomas Bachofner am 25. und 26. März das Intensivseminar leiten zum Thema: «Unser seelisches Erbe».

Kinder spüren Trauma
Maja Franziska Friedrich hat nach ihrem Theologiestudium eine Ausbildung als Traumatherapeutin Somatic Experiencing absolviert. Bei ihrer Arbeit als Pfarrerin sei sie oft mit Traumata – ausgelöst zum Beispiel durch sexuelle Gewalt, Unfälle oder medizinische Eingriffe – konfrontiert worden, erzählt sie. Unter einem Trauma würden nicht nur Direktbetroffene leiden, sie werden oft unbewusst an die Kinder weitergegeben. In den meisten Familien werde über erlebte Traumata nicht gesprochen. Kinder würden aber mit sicherem Instinkt spüren, wenn etwas nicht so ist, wie es sein sollte, wenn beispielsweise eine Mutter Mühe habe, ihr Kind in die Arme zu nehmen. Kinder leiden mit und tun dies auch noch als Erwachsene. Die Folge können unter anderem unerklärliche Scham- oder Schuldgefühle sein. Dieses seelische Erbe verursache Knoten in der Lebensenergie. Solch unerklärliche Gefühle werden im Intensivseminar zum Thema.

Aha-Erlebnis auslösen
Wie kann man aber einem solchen seelischen Erbe begegnen, wenn man die Ursache nicht kennt und diese auch nicht mehr in Erfahrung bringen kann, weil die Eltern vielleicht schon tot sind? «Man muss das Trauma nicht kennen, um ihm wirkungsvoll zu begegnen», sagt Maja Franziska Friedrich. Ein Trauma hervorzuholen, es nochmals 1:1 zu durchleben, würde zudem erneut reaktivieren, ist sie überzeugt. Es gehe darum, den Teilnehmern mit verschiedenen Übungen und Inputs aufzuzeigen, wie sie ihrem bis anhin unerklärlichen Gefühlserbe begegnen können: «Unser Ziel ist, dass die Seminarteilnehmer mit einem Aha-Erlebnis nach Hause gehen.» het

 

Seminar «Unser seelisches Erbe»: Samstag, 25. März, 9.15 bis Sonntag, 26. März, 16 Uhr. Offen für alle Interessierten, allerdings sollten diese nicht an einem akuten Trauma leiden und eine psychische Stabilität mitbringen. Anmeldung bis 10. März via Tecum.