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Spiritualität

Zu einem neuen Lebensentwurf

Trennungen und Scheidungen sind keine Angelegenheit für Statistiker. Persönliche Begleitung und Erfahrungsaustausch helfen, um in einer solchen Krisensituation Boden unter den Füssen zu gewinnen und zu einer neuen Lebensperspektive zu kommen.

Von David Gysel

Etwa 15 Prozent der Beratungen bei der Thurgauer Evangelischen Frauenhilfe (tef) betreffen Fragen zu Trennung und Scheidung. Ratsuchende wenden sich an diese und andere Beratungsstellen, wenn der Leidensdruck sehr hoch ist. Die Sozialarbeiterin der tef, Ruth Grünenfelder, sieht sich mit zunehmend komplexeren Situationen konfrontiert, und verweist gegebenenfalls auf entsprechende Fachstellen.

Praktische Fragen
Trennung und Scheidung erschüttern innerlich und sehr oft auch materiell das Lebenskonzept der Betroffenen. Vor allem viele der alleinerziehenden Mütter sind auf Sozialhilfe angewiesen. Wenn durch Trennung oder Scheidung ein finanzielles Manko entsteht, geht dies zulasten des betreuenden Elternteils. Fragen des Besuchsrechts, der Arbeitssuche, der Wohnungssuche und der finanziellen Absicherung können für die Betroffenen sehr belastend wirken. Und da kann die Kurzzeitberatung eine wertvolle Hilfe darstellen.

Woher und wohin?
Für die Aufarbeitung von Verletzungen einer zerbrochenen Ehebeziehung braucht es Zeit. Diese Aufarbeitung ist wichtig, um eine tragbare Beziehung zu erhalten. Wenn dazu der Wille vorhanden ist, wirkt sie sich heilend für beide aus. Sind Kinder da, nehmen auch deren Bedürfnisse einen wichtigen Platz ein. Oft geht der innere Prozess über die Phase des Nicht-Wahrhaben-Wollens hin zum Aufbrechen der Gefühle und später zur inneren Neuorientierung, zu einem neuen Lebenskonzept. Barbara Krismer Burkard widmet sich als systemische Beraterin und Paartherapeutin bei der Perspektive Thurgau besonders dieser längeren Wegstrecke. Als Referentin in den über zwei Monate verteilten Seminaren «Zu neuen Ufern aufbrechen», stellt sie bewusst die Fragen vom «Woher?» und «Was ist passiert?» und leitet weiter zum «Wo stehe ich jetzt?». Sie beobachte, dass zur anschliessenden Neuorientierung im Lebensentwurf (dem «Wo will ich hin?») der Erfahrungsaustausch und die Vernetzung von Seminar-Teilnehmenden hilfreich sind. Das Gefühl, allein gelassen zu sein, kann so Neuem Platz machen.

 

«Zu neuen Ufern aufbrechen»: Mitwochabende, 23. April, 17. Mai und 21. Juni, jeweils 19.15 bis 21.45 Uhr in Weinfelden sowie Samstag, 6. Mai, 9 bis 16 Uhr in der Kartause Ittingen. Informationen und Anmeldung via Tecum.