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Leben & Glauben

«Bis zum Schluss bleiben»

Mit dem Tod kommt jeder Mensch früher oder später in Kontakt. Doch was passiert auf dem letzten Weg auf der Erde aus technischer und geistlicher Sicht? Bestatter Markus Marghitola erzählt aus seinem Alltag.

Das Telefon klingelt. Markus Marghitola, Leiter der Abteilung Friedhof und Stadtgärtnerei Frauenfeld, nimmt den Hörer ab. Die Polizei ist am anderen Ende der Leitung. Sie meldet einen Todesfall in einer Ortschaft im Kanton Thurgau. Marghitola notiert sich den Wohnort und den Namen der verstorbenen Person. «Wir sind in 30 Minuten bei Ihnen», sagt er und hängt auf. Kurz darauf fahren zwei Mitarbeiter des Friedhofs mit dem Bestattungsfahrzeug los, um die verstorbene Person abzuholen. Solche Ereignisse gehören zur alltäglichen Arbeit auf dem Friedhof. Rund um die Uhr befindet sich ein Mitarbeiter im Pikettdienst.

Mehrheit wünscht Urnenbestattung
Einige Tage nach dem Todesfall findet auf dem Friedhof die Abdankung statt. Obwohl im vergangen Jahr eine leichte Zunahme von Erdbestattungen verzeichnet wurde, wünschen 85 Prozent der Verstorbenen in Frauenfeld eine Urnenbestattung. Marghitola erklärt, dass die Betreuung und Beratung der Angehörigen eine wichtige Arbeit der Bestatter sei. «Einige Angehörige machen sich gerne vor Ort ein Bild von der Art des Grabs und dem Bestattungsort», führt er aus. Die konkreten Schritte würden dann mit den Angehörigen besprochen. Falls es sich um eine kirchliche Bestattung handle, nehme man natürlich auch immer Rücksprache mit dem Pfarrer, fährt Marghitola fort.

Befreiende Handlung
Die evangelische Abdankung folge in Frauenfeld einer bestimmten Liturgie, erklärt Pfarrer Samuel Kienast. Alles beginnt mit dem Eintreffen der Angehörigen in der Aufbahrungshalle. Diese wird vom Team rund um Marghitola für den Abschied vorbereitet. «Es ist uns ein Anliegen, dass die Hinterbliebenen in diesem Moment mit ihren Gedanken ganz bei der verstorbenen Person sein können», sagt der Bestatter. Dieser erste Teil der Abdankung soll dazu dienen, sich zu erinnern. Danach schreitet der Trauerzug zum Bestattungsort. Kienast empfiehlt den Familien, Blumen am Grab bereitstellen zu lassen, die ins Grab gelegt werden können. Diese Handlung sei oft befreiend und gebe den Anwesenden eine Aufgabe in einer Situation, in der man sich oft hilflos vorkomme. Nach dem Abschied am Grab begeben sich die Trauernden in die Kirche. Kienast achtet dabei besonders auf ein wichtiges Detail: «Ich bleibe immer bis zur letzten Person am Grab, damit alle in Ruhe Abschied nehmen können und sich niemand gestresst fühlen muss.» Im anschliessenden Gottesdienst geht es dann vor allem darum, zu zeigen, wie das Leben nun weitergehen soll. Für Kienast ist der Gottesdienst auch der Zeitpunkt, Mut zuzusprechen und auf die Hoffnung, die in Jesus Christus liegt, zu verweisen. In der Vorbereitung der Abdankung spielt das Trauergespräch eine zentrale Rolle. Dabei versucht Kienast, mit Fragen auf die Trauernden einzugehen. Das gebe ihnen die oft heilsame Möglichkeit, von der verstorbenen Person zu erzählen.

«Gott macht es gut»
Die Arbeit rund um den Tod und die Trauer gehören zum Alltag von Markus Marghitola. Obwohl es im ersten Moment traurig erscheine, sei es eine sehr schöne Arbeit. Von den Angehörigen erhalte man sehr viel Dankbarkeit und man merke, dass man sie in einer schwierigen Zeit unterstütze, erklärt er. Samuel Kienast seinerseits kommt durch die Arbeit als Pfarrer oft mit dem Tod in Kontakt. Er betont: «Obwohl immer eine gewisse Angst vor dem Tod bleibt, vertraue ich darauf, dass Gott das schon gut macht.»


(31. Juli 2018, Micha Rippert)