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Spiritualität

Wegzeichen von Bernhard Harnickell

23.05.2019
«Besser sich bergen bei Gott, als sich bei Menschen zu sichern.» (Psalm 118, 8)

Meine Frau und ich haben einen grossen Schritt gewagt und sind Ende letzten Jahres von der Westschweiz in eine uns völlig unbekannte Gegend in der Ostschweiz gezogen. Wir haben einen Neuanfang gewagt ohne zu wissen, was daraus werden wird. Wir sind mit Ungewissheit und Fragezeichen hierhergekommen, aber auch mit einer grossen Portion Vertrauen, dass uns diese Entscheidung gute Erfahrungen bescheren wird. Hätten wir auf gewisse Stimmen gehört («Was, in eurem Alter macht ihr noch so etwas?!»), wir hätten den Schritt nie gemacht. Zu viel Unsicherheit, zu viele Interessen anderer wären im Weg gestanden und hätten uns aufgehalten.

Seit es Menschen gibt, erfahren wir die Welt, in der wir leben, immer wieder als unsicher. Unser Leben läuft längst nicht immer geradlinig nach Plan. Jede Entscheidung, jede Veränderung, die wir treffen, bringt Unsicherheiten für uns und für andere mit sich. Unvorhergesehene Ereignisse können unser Leben auf den Kopf stellen. Was wir als Sicherheit empfinden, kann schon morgen wie ein Kartenhaus zusammenbrechen. Aus Erfahrung wissen wir, dass wir nicht allen Menschen trauen können.

Wie können wir vertrauen? Wem können wir vertrauen? Der Autor (oder die Autorin?) des Psalms unterscheidet zwischen vertrauen im Sinne von «sich bergen» und vertrauen im Sinne von «sich sicher fühlen». Die hebräischen Worte können beide mit «vertrauen» übersetzt werden, und haben doch unterschiedliche Qualitäten. Ich verstehe sie als zwei mögliche Grundhaltungen, mit denen wir durchs Leben gehen können.

Wer vertraut im Sinne von «sich sicher fühlen », verlässt sich auf etwas oder jemanden. Er oder sie stützt sich auf äussere Gegebenheiten ab und vertraut darauf, dass diese Sicherheiten halten, was sie versprechen. Das bedeutet wohl auch ein gewisses Mass an Stillstand, da jede Bewegung Veränderung mit sich bringen kann. Der Autor des Psalms spielt auf die Unzuverlässigkeit dieser Sicherheit an. Mit dem Vertrauen im Sinne von «sich bergen» ist es anders. Es bringt keine Absicherung mit sich. Im Gegenteil: Dieses Vertrauen hat die Unsicherheit bewusst vor Augen. Dieses Vertrauen braucht Mut, Entscheidungen zu treffen und eigene Wege zu gehen. Es fällt nicht einfach von den Bäumen, sondern wächst mit der Erfahrung.

Sich bei Gott zu bergen bedeutet nicht, dass alles reibungslos laufen wird. Vielmehr bedeutet es, darauf zu vertrauen, dass wir die Kraft haben werden, mit Rückschlägen umgehen und wieder aufstehen zu können, wenn wir am Boden liegen. Eigene Wege im Vertrauen auf Gott zu gehen, bringt uns vielfältige Erfahrungen und lässt uns als Menschen an Erfolgen und Misserfolgen reifen und wachsen.

Wir haben unsere Entscheidung, hierherzuziehen, übrigens bis jetzt nicht bereut. Im Gegenteil: Wir sind froh, diesen Schritt gewagt zu haben und sind gespannt, was noch alles daraus werden wird.


(23. Mai 2019)


Von Jürg Hartmann erfasst am 28.11 2019 21:42

Zum Thema "Glaubensvorstellungen"

Fragen an Buddha Fragen an Allah Fragen an Gott Fragen an Manitou Fragen an Mohammed Fragen an das Göttliche im Menschen Wenn ich mir vorstelle, das Göttliche würde mir gegenübersitzen, was wäre dann? So setze ich mich hin und bitte das Göttliche, mir gegenüber Platz zu nehmen. Die Stühle sind bequem, sehr geeignet, ganz hier zu sein. Ganz. Da sitzen wir zwei, schweigsam, nachdenklich aber ganz da. Mich sieht man gut, mich erkennt man gut, das Göttliche aber lässt weder Worte noch Bilder zu, denn in Worte und Bilder gefasst ist das Göttliche nicht mehr göttlich sondern menschlich. Für unsere Kinder sind die Bilder wichtig und notwendig, für erwachsene Menschen bezweifle ich das ernsthaft. Die Antworten aber, die kann ich hören, vielleicht auch wahrnehmen, das reicht, muss reichen. Und so komme ich zu meiner ersten Frage: «Ich weiss, ich könnte Dich jetzt fragen, warum Du all das Schreckliche, Böse und Teuflische auf dieser Welt zulässt, die Kriege, die Gewalt, Vernichtung und Tod. Doch genau diese Frage stelle ich jetzt nicht. Ich versuch’s also andersherum. Ich frage Dich und nur Dich: Wie kommt es denn, dass wir Dich immer wieder fragen, was ich fragen könnte wie oben erwähnt. Wie also kommt das?» Das Göttliche ist irgendwo im Raum, meine ich, seine Stimme aber kann ich klar und deutlich hören, das ist die Hauptsache, und damit höre ich auch seine Antwort. ES sagt: «Deine Frage ist gut, lieber Mensch, ich denke nach. Kannst Du Dir vorstellen, welcher Art meine Gedanken hier sind?» Ich bin überrascht. Da stelle ich ihm eine meiner ganz wichtigen Fragen und nun soll ich mir vorstellen, was ES meint, was ES denkt. Komisch, ungewohnt, ich weiss nicht recht und bin verwirrt. So antworte ich: «Du siehst, Deine Antwort macht mich wirr, die Worte in meinem Kopf fliegen kreuz und quer und suchen nach einer Ordnung. Das will nun heissen, ich denke nach, ich denke laut nach, dann kannst Du meine Gedanken gleich mithören. Also: Deine Antwort wirkt, ich beginne zu suchen, suche jedoch bei mir und in mir. So weit bin ich im Moment.» Das Göttliche antwortet sofort: «Ganz genau, Du hast es erkannt denn Du suchst bei Dir. Du suchst nicht in den Wolken, hinter denen Du mich vermutest, Du suchst nicht beim Papst, meinem angeblichen Stellvertreter auf Erden, Du suchst nicht aussen, sondern innen, das ist der Punkt!» Damit bin ich wieder allein im Raum, allein mit meinen Fragen, ganz auf mich zurückgeworfen, auf mich gestellt. Vielleicht ist das der Punkt, vielleicht ist das die Antwort des Göttlichen an mich: «Geh auf die Suche, immer wieder, und suche in Dir, mit Dir und natürlich auch zusammen mit anderen Menschen. Doch bleib auf der Suche, immer.»

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