Logo
Spiritualität

Sich selber nah kommen

23.10.2019
Das Leben von Ina Lindauer hat sich nach einem Lawinenunglück komplett geändert. Heute unterstützt sie andere Menschen darin, sich selber besser kennenzulernen.

Ina Lindauer war eine Extremsportlerin. «Pokal oder Hospital» lautete ihr Motto. Entsprechend unterrichtete sie nach ihrem Studium in Sportwissenschaft und Sportökonomie in Köln alle möglichen Sportarten. Übers Skifahren kam sie in die Schweiz nach Davos, wo sie sich selbständig machte und für Firmen Seminare mit Outdoorkonzept anbot. Daneben konnte sie ihren Lieblings-Sportarten wie Biken, Motorrad fahren und Freeriden frönen.

Lawine brachte die Wende
2005 geriet sie in eine Lawine und überlebte schwer verletzt. «Noch 20 Minuten länger und ich wäre erfroren», sagt die heutige Körper- und Trauma-Therapeutin. Dieses Erlebnis bewirkte in ihr eine 180 Grad Wendung. «All die Jahre habe ich mich nicht gespürt und war nur nach aussen orientiert», sagt sie dazu. Sie fing an, sich für die Menschen und deren Biographie zu interessieren und organisierte Outdoorseminare mit Reflexion. Wegen der Finanzkrise 2008, die ihr die Bankkunden nahm, für die sie bei diversen Sportevents mitwirkte, kam sie in den Thurgau. Während ihrer Schwangerschaft 2013 stiess sie auf das Buch «Kriegsenkel» von Sabine Bode. «Ich bin selber ein Kind von zwei geflüchteten Kriegskindern und habe dieses unaufgelöste Trauma geerbt», sagt sie. Sie bildete sich weiter in somatischer Traumatherapie und struktureller Körpertherapie. Seitdem unterstützt sie Menschen, die ihre eigene Geschichte aufarbeiten wollen.

Auf das «innere Kind» hören
Im Seminar in der Kartause Ittingen, das sie zusammen mit Pfarrer Thomas Bachofner leitet, geht es um das «innere Kind» und Beziehungen. Unter dem «inneren Kind» ist der eigene innere Kern zu verstehen, den es gilt, kennenzulernen, um sich selber nah zu kommen. Erst wenn man den Zugang zu seinem «inneren Kind» geschaffen hat, kann man auch gelingende und dauerhafte Beziehungen zu anderen Menschen aufbauen. «Wir können lernen, auf die Stimme des ‹inneren Kindes› zu hören. Wenn das gelingt, ist das unser Zugang zur Führung von oben», sagt Lindauer. Das Seminar beinhaltet die «innere Kind»-Arbeit in der Gruppe und auch Einzeltermine bei einem der Seminarleiter. Die anschliessende «Auszeit im Kloster» findet einmal im Monat statt und ist auf Menschen ausgerichtet, die ihre berufliche und persönliche Situation verbessern wollen.


«Mein inneres Kind und Beziehungen», 9. und 10. November 2019, Kartause Ittingen.


(23. Oktober 2019, Claudia Koch)


Von Jürg Hartmann erfasst am 28.11 2019 21:42

Zum Thema "Glaubensvorstellungen"

Fragen an Buddha Fragen an Allah Fragen an Gott Fragen an Manitou Fragen an Mohammed Fragen an das Göttliche im Menschen Wenn ich mir vorstelle, das Göttliche würde mir gegenübersitzen, was wäre dann? So setze ich mich hin und bitte das Göttliche, mir gegenüber Platz zu nehmen. Die Stühle sind bequem, sehr geeignet, ganz hier zu sein. Ganz. Da sitzen wir zwei, schweigsam, nachdenklich aber ganz da. Mich sieht man gut, mich erkennt man gut, das Göttliche aber lässt weder Worte noch Bilder zu, denn in Worte und Bilder gefasst ist das Göttliche nicht mehr göttlich sondern menschlich. Für unsere Kinder sind die Bilder wichtig und notwendig, für erwachsene Menschen bezweifle ich das ernsthaft. Die Antworten aber, die kann ich hören, vielleicht auch wahrnehmen, das reicht, muss reichen. Und so komme ich zu meiner ersten Frage: «Ich weiss, ich könnte Dich jetzt fragen, warum Du all das Schreckliche, Böse und Teuflische auf dieser Welt zulässt, die Kriege, die Gewalt, Vernichtung und Tod. Doch genau diese Frage stelle ich jetzt nicht. Ich versuch’s also andersherum. Ich frage Dich und nur Dich: Wie kommt es denn, dass wir Dich immer wieder fragen, was ich fragen könnte wie oben erwähnt. Wie also kommt das?» Das Göttliche ist irgendwo im Raum, meine ich, seine Stimme aber kann ich klar und deutlich hören, das ist die Hauptsache, und damit höre ich auch seine Antwort. ES sagt: «Deine Frage ist gut, lieber Mensch, ich denke nach. Kannst Du Dir vorstellen, welcher Art meine Gedanken hier sind?» Ich bin überrascht. Da stelle ich ihm eine meiner ganz wichtigen Fragen und nun soll ich mir vorstellen, was ES meint, was ES denkt. Komisch, ungewohnt, ich weiss nicht recht und bin verwirrt. So antworte ich: «Du siehst, Deine Antwort macht mich wirr, die Worte in meinem Kopf fliegen kreuz und quer und suchen nach einer Ordnung. Das will nun heissen, ich denke nach, ich denke laut nach, dann kannst Du meine Gedanken gleich mithören. Also: Deine Antwort wirkt, ich beginne zu suchen, suche jedoch bei mir und in mir. So weit bin ich im Moment.» Das Göttliche antwortet sofort: «Ganz genau, Du hast es erkannt denn Du suchst bei Dir. Du suchst nicht in den Wolken, hinter denen Du mich vermutest, Du suchst nicht beim Papst, meinem angeblichen Stellvertreter auf Erden, Du suchst nicht aussen, sondern innen, das ist der Punkt!» Damit bin ich wieder allein im Raum, allein mit meinen Fragen, ganz auf mich zurückgeworfen, auf mich gestellt. Vielleicht ist das der Punkt, vielleicht ist das die Antwort des Göttlichen an mich: «Geh auf die Suche, immer wieder, und suche in Dir, mit Dir und natürlich auch zusammen mit anderen Menschen. Doch bleib auf der Suche, immer.»

Kommentar erstellen