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Leben & Glauben

Abschied nehmen

20.10.2021
Einen geliebten Menschen zu verlieren, ist unglaublich schmerzhaft. Der Glaube oder Blumen können helfen, die Trauer zu bewältigen. Doch die eine Form des Abschiednehmens existiert nicht.

In den letzten Jahren sei eine Vielfalt von Möglichkeiten entstanden, wie das Abschiednehmen nach einem Todesfall gestaltet werden könne, sagt Irene Stutz, Leiterin Bildung vom Schweizerischen Roten Kreuz Kanton Thurgau (SRK Thurgau).

Unsere Trauerkultur bewege sich weg von kirchlichen Strukturen, Ritualen und Vorgaben, hin zu einem individuellen, nach persönlichen Wünschen gestalteten Abschiednehmen. «Die Bestattung auf dem Friedhof ist nicht mehr die einzige Möglichkeit. Alternativen werden gewählt, etwa die Asche des Verstorbenen zu verstreuen oder die Urne zu Hause aufzubewahren oder beizusetzen», sagt Stutz.

Glaube gibt Kraft
Vorgegebene Rituale, die vielleicht auch Halt geben könnten, fallen somit immer mehr weg. Für die Themenwoche «Zeiten des Abschieds gestalten» arbeitet das SRK Thurgau eng mit Menschen aus dem kirchlichen Umfeld zusammen. «Wir möchten die Themen ‹Abschied, Verlust und Trauer› unter verschiedenen Aspekten anschauen. Der spirituelle gehört da dazu», erklärt Irene Stutz.

Der Glaube spiele für Sterbende oder für Hinterbliebene oft eine zentrale Rolle. Das bestätigt auch Pfarrerin und Spitalseelsorgerin Karin Kaspers Elekes: «Der Auferstehungsglaube reicht weiter als das Leben auf dieser Erde. Die Gewissheit, eine Heimat zu haben jenseits des Sichtbaren kann den starken Stress von Sterbenden und Hinterbleibenden deutlich reduzieren und die Lebensqualität in der Krisensituation des Abschiednehmens stärken.»

Blumen spenden Trost
Was bei keiner Trauerfeier fehlen sollte, seien Blumen, sagt Floristin Monika Laib. Die Pflanzen hätten etwas Tröstendes und könnten dort eingesetzt werden, «wo die Worte fehlen». Die Annahme, es gebe allgemeingültige «Trauer-Blumen», sei veraltet: «Wir müssen davon wegkommen, uns immer zu fragen, was andere machen oder denken könnten», sagt Laib.

Der Trauerprozess sei etwas Individuelles und solle für einen selbst stimmig sein. So darf sich jeder und jede intuitiv und individuell für eine passende Blume entscheiden. «Einige wählen eine Blume, die zur verstorbenen Person passt. Andere haben selbst einen persönlichen Zugang zu einer gewissen Blume. »

Im Abschiednehmen gebe es kein Richtig oder Falsch. Für Monika Laib sind Blumen aufgrund der Schöpfung etwas «Göttliches» und eine Liebeserklärung von Gott an die Menschen. «Wenn ich sie betrachte, erfahre ich tiefe Ehrfurcht und Dankbarkeit.» Dazu hätten Blumen die einmalige Gabe, Emotionen wie Trauer, Mitgefühl oder Liebe wortlos auszudrücken.

Themenwoche «Zeiten des Abschieds gestalten» des SRK Thurgau: 2. bis 6. November 2021 im Bildungszentrum SRK, Weinfelden. Infos: srk-thurgau.ch/bildung

 

(Jana Grütter)


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