News aus dem Thurgau

Glück ist kein Zufall

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25.05.2021
Weil ihm die Lebensfreude fehlte, ist Alexander Hunziker dem Glück auf die Spur gegangen. Als Glücksforscher lässt er heute alle an seinen Erkenntnissen teilhaben. Kennt er das Glücksrezept?

Der Glaube wirkt sich leicht positiv auf das pers├Ânliche Gl├╝ck aus. Darauf deuten wissenschaftliche Studien hin. Deckt sich das mit den Erfahrungen von Alexander Hunziker, der als Gl├╝cksforscher an der Fachhochschule Bern arbeitet? ┬źSinn zu finden in dem, was man tut sowie soziale Beziehungen sind nachweislich gut f├╝r das Wohlbefinden. Beides wird durch die Zugeh├Ârigkeit zu einer Glaubensgemeinschaft gef├Ârdert.┬╗ Hunziker relativiert aber: Trotz Anstrengungen der Wissenschaft seien die Zusammenh├Ąnge von Glaube und Gl├╝ck noch wenig klar. Eine der Ursachen liege wohl darin, dass es verschiedene Arten von Gl├Ąubigkeit gebe.

Gelernt, gl├╝cklich zu sein
Gibt es ├╝berhaupt ein Rezept, um gl├╝cklich zu sein? ┬źGl├╝cklicher zu werden ist einfach und schwierig┬╗, sagt Hunziker: ┬źEinfach, weil es eine Reihe von simplen ├ťbungen gibt: zum Beispiel jemandem Danke sagen, h├Ąufiger l├Ącheln, ein Tagebuch mit sch├Ânen Momenten f├╝hren. Schwierig, weil es Selbstdisziplin braucht und alte Gewohnheiten durchbrochen werden m├╝ssen ÔÇô wie beim Abgew├Âhnen des Rauchens.┬╗ Selber habe er eine gl├╝ckliche fr├╝he Kindheit in einer intakten Familie erlebt. Schwierigkeiten als Jugendlicher h├Ątten dann aber dazu gef├╝hrt, dass aus ihm kein wirklich gl├╝cklicher junger Erwachsener geworden sei. Das wollte er ├Ąndern. Er fing an, das ┬źGl├╝cklichsein ┬╗ mit verschiedenen ├ťbungen zu trainieren, lernte unter anderem zu meditieren. Mit Erfolg. ┬źDas Weiterentwickeln und Weitergeben dieses Wissens habe ich dann zum Beruf gemacht. So kann ich meine St├Ąrken sinnvoll einsetzen.┬╗ Das mache langfristig gl├╝cklich.

Vergleichen macht ungl├╝cklich
Die positive Wirkung von materiellen Dingen halte indes nur kurz an. Hinzu komme, dass es tendenziell ungl├╝cklich mache, sich mit anderen Menschen zu vergleichen: ┬źDurch die sozialen Medien vergleichen wir noch ├Âfter und verwenden auch noch mehr Zeit daf├╝r. Zudem ist hier der Raum f├╝r Fehleinsch├Ątzungen, dass es anderen viel besser gehe, massiv gr├Âsser als bei pers├Ânlichen Begegnungen.┬╗ Auch in den Seligpreisungen der Bergpredigt (Matth├Ąus 5) heisst es, dass die Bescheidenen gl├╝cklich sein werden. Wie lautet Hunzikers Beurteilung? ┬źDie Seligpreisungen sind vermutlich eher auf einer normativen Ebene gemeint. Aspekte davon m├Âgen w├Ârtlich stimmen. Ein positiver Zusammenhang zwischen Freundlichkeit und Gl├╝ck gilt beispielsweise als gesichert. Auch Mitgef├╝hl geht mit Wohlbefinden einher, aber ob mitf├╝hlende Menschen stets mitf├╝hlend behandelt werden, darf man aufgrund von Alltagserfahrungen wohl bezweifeln.┬╗

(Cyrill R├╝egger)


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