Logo

Ukraine: Knacknuss für die Friedensethik?

Der Krieg in der Ukraine macht die Menschen rat- und sprachlos. Er führt auch das latent bestehende Dilemma der christlichen Friedensethik vor Augen: Gilt das Gebot der Gewaltlosigkeit in jedem Fall oder darf als «ultima ratio» zum Schutz der Menschen und Menschenrechte auch Gewalt eingesetzt werden?


Diskutieren Sie am Ende des Beitrags mit!

 

«Rechtserhaltende Gewalt als ultima ratio» gehöre zu den Grundlinien evangelischer Friedensethik: Das schreibt die Evangelische Kirche Deutschland in ihren Friedensdenkschriften von 1981 und 2007. Sie hält gleichzeitig fest, dass Krieg kein Mittel der Politik sein darf, dass die Stärke des Rechts, statt das Recht des Stärkenen gelten soll und dass Frieden kein Zustand, sondern ein Prozess sei. Die Feststellung, dass «im Extremfall massiver Verletzung elementarer Menschenrechte der Einsatz von rechtserhaltender Gewalt nicht ausgeschlossen» werden kann, ist mit dem völkerrechtswidrigen Überfall auf die Ukraine quasi über Nacht eingetreten. In den Kirchen bestehen zwei Lager In einem Gastbeitrag in der «Kleinen Zeitung» stellt der reformierte Theologe Ulrich Körtner fest, dass sich in der Friedensfrage in den Kirchen schon seit Langem «ein zum fundamentalen Pazifismus neigendes Lager» und jener Teil der Kirche gegenüberstünden, der es zu den Aufgaben des Staates rechne, «notfalls auch mit militärischen Mitteln für Recht und Frieden zu sorgen». Der Innsbrucker Sozialethiker und Pax-Christi-Präsident Wolfgang Palaver sieht im Ukraine-Krieg auch Perspektiven für den zivilen Ungehorsam: «Irgendwann könnte die Ukraine in ihrer militärischen Verteidigung an den Punkt kommen, an dem es keinen Sinn mehr machen würde, mehr Blut zu vergiessen. Dann könnte sich die Chance des zivilen Ungehorsams eröffnen.» Nach Palaver belegen empirische Studien, «dass in den letzten hundert Jahren in vielen Fällen der zivile Ungehorsam doppelt so erfolgreich» gewesen sei, wie die militärische Gewalt. Vor dem Hintergrund des Kriegs in der Ukraine hat die Redaktion des Kirchenboten zwei Zeitgenossen gebeten, ihre Gedanken zum Dilemma der christlichen Friedensethik zu formulieren.

 

(Ernst Ritzi, Bild: Rainer Sturm/pixelio.de)

    Tipps