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Geht «Ehe für alle» in einem Punkt zu weit?

Im Grundsatz wird die zivilrechtliche Ehe für gleichgeschlechtliche Paare – die «Ehe für alle» – in der öffentlichen Diskussion kaum bestritten. Im Zugang zur Fortpflanzungsmedizin haben die Gegnerinnen und Gegner der Abstimmungsvorlage vom 26. September 2021 aber einen wunden Punkt entdeckt.

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Mit der Öffnung der Ehe für gleichgeschlechtliche Paare soll auch die bisherige Ungleichbehandlung bei der erleichterten Einbürgerung, bei der Adoption von Kindern und bei der Fortpflanzungsmedizin beseitigt werden. Bereits heute dürfen Personen, die in einer eingetragenen Partnerschaft leben, das Kind des Partners oder der Partnerin adoptieren. Neu soll ein gleichgeschlechtliches Paar auch gemeinsam ein Kind adoptieren können. Verheirateten Frauenpaaren wird der Zugang zur gesetzlich geregelten Samenspende geöffnet. Anonyme Samenspenden, die Eizellenspende und die Leihmutterschaft bleiben dagegen weiterhin für alle verboten.

«Ausdruck der ‹Vielgestaltigkeit des Lebens»
Für die Vorlage spricht sich die Evangelisch-reformierte Kirche Schweiz (EKS) aus. Sie sieht die Öffnung der Ehe für gleichgeschlechtliche Paare als Ausdruck der «Vielgestaltigkeit des Lebens». An der Abgeordnetenversammlung im Sommer 2019 hatten die Mehrheit der Delegierten festgehalten: «Wir sind von Gott gewollt, so wie wir geschaffen sind. Unsere sexuelle Orientierung können wir nicht aussuchen. Wir nehmen sie als Ausdruck geschöpflicher Fülle wahr.»

«Niemand hat das Recht auf ein Kind»
Gegen die Vorlage hat sich die Schweizerische Bischofskonferenz (SBK) ausgesprochen. Stein des Anstosses ist für sie – unabhängig davon, ob es sich um gleichgeschlechtliche oder heterogene Paare handelt – der Zugang zur Fortpflanzungsmedizin. Die SBK ruft in Erinnerung, dass niemand das Recht auf ein Kind habe und es vielmehr Rechte des Kindes gebe. In diesem Sinne sei aus der Ehe kein Recht auf Kinder abzuleiten. Vielmehr diene sie dazu, das Kind oder die Kinder, die aus dieser Vereinigung hervorgehen, zu schützen.

Die Redaktion des Kirchenboten hat eine Befürworterin und einen Gegner der Vorlage «Ehe für alle» gebeten, zur mutmasslichen Schwachstelle «Fortpflanzungsmedizin » und zum Grundanliegen der Vorlage Stellung zu nehmen.

 

(Ernst Ritzi, Bild: pixaxay.com)

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